Zwischen Krypto-Winter und NFT-Frühling

Kryptowährungen und der damit zusammenhängende Kauf, die Verwahrung oder gar die Anlage dieser Vermögenswerte ist bereits seit mehreren Jahren in der Mitte der finanz- und technologieinteressierten Gesellschaft angekommen. Die zunächst als vollständig unregulierte zu beschreibenden Vermögenswerte, welche bis heute nicht der offiziellen Definition des Begriffs Währung genügen, durchliefen diverse Hoch- und Tiefphasen. Doch Deutschland als Mitglied der europäischen Währungsunion würde dem eigenen Stereotyp nicht gerecht werden, hätte es nicht bereits vor der offiziellen Veröffentlichung der MiCa-Regulierung (Markets in Crypto-Assets) auf europäischer Ebene einen eigenen Versuch zur Regulierung dieser Währungen gewagt. So wurde bereits mit der fünften Geldwäscherichtlinie eine neue Klasse für das Kryptowertgeschäft definiert, welches sich auch im Gesetz für elektronische Wertpapiere (eWpG) niederschlägt. Anhand dieser Entwicklung wird deutlich, dass Kryptoanlagewerte unterschiedlichster Coleur ihren Weg in den „Mainstream“ gefunden haben. Die Reproduktion bereits etablierter Finanzprodukte, wie das klassische Kreditgeschäft oder unterschiedliche (Exchange Traded) Funds, stehen sinnbildlich für diese Entwicklung sowie den Einfallsreichtum der institutionellen Anbieter vorstehend bezeichneter Produkte. Die Konsequenz dieses Eintritts in den Mainstream und dem damit einhergehendem „Dumb Money“ kann als eine mögliche Begründung für die starken Kursschwankungen identifiziert werden. Auch können steigende Zinsen auf Anleihen, staatliche Restriktionen, pandemische und aktuell besonders geopolitische Impulse Investoren zu klassischen Investmentoptionen bewegen und die dezentralen Assets in einen „Krypto-Winter“ treiben.

Trotz der sinkenden Kurse diverser Kryptowährungen kann das angestiegene Interesse an einer anderen Initiative aus dem Bereich Blockchain beobachtet werden. Diese Beobachtung trägt den Namen Non-Fungible Token (NFT) und verspricht nicht weniger als die Digitalisierung von Wertgegenständen sowie deren Demokratisierung auf der Blockchain. Im Gegensatz zu dieser Mission erfährt die breite Öffentlichkeit häufig von Betrugsvorfällen (sog. Scams) oder abstrusen Preisen für das Echtheitszertifikat eines Affen-Motivs. In diesem Blogartikel wollen wir aus diesem Grund über die vermeindlichen Primärfunktionen einer Kryptowährung, der Wertanlage oder dem Payment, hinwegsehen, um einen Blick auf den Trend des NFT zu werfen.

 

Bevor wir uns jedoch mit dem „Lazy Ape-Club“ oder dem „Minting“ eines sogenannten Non-Fungible Token (NFT) beschäftigen, möchten wir Aufklärung darüber geben, was man unter einem NFT überhaupt versteht.

 

Was ist ein NFT?

Non-Fungible Token oder auch NFT abgekürzt beschreibt einen digitalen Echtheits- und Eigentumsnachweis. Hinter jedem der auf den ersten Blick abstrus aussehenden Kunstwerke verbirgt sich eine einzigartige und nicht austauschbare Dateneinheit, welche auf einem digitalen (dezentralen) Hauptbuch gespeichert ist. Der Eigentumsnachweis wird durch die Speicherung der Dateneinheit auf der Blockchain ermöglicht. Konkret wird der Echtheitsnachweis auf der Blockchain (meist auf Ethereum) an den digitalisierten Wert angehängt. Auf diesem Weg erhalten Objekte unverwechselbare Signaturen, welche aus ihnen Unikate werden lassen. Im Wesentlichen wird eine vergleichbare Technologie wie bei Kryptowährungen genutzt. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass Kryptowährungen „Like-for-like“ austauschbar sind, was wiederum auf NFT nicht zutrifft. Auch wenn ein NFT kopiert wird, ist die Echtheit des Originals immer nachweisbar. Im Gegensatz zu einer Bitcoin-Einheit ist jeder NFT einzigartig, sodass dieser nicht gegeneinander ausgetauscht werden kann. In der Datei sind zusätzliche Informationen gespeichert, die über eine reine Währung hinausgehen und sie in den Bereich von, nun ja, eigentlich allem bringen. Infolgedessen sind NFTs zu sammelbaren digitalen Vermögenswerten geworden, die einen Wert innehaben – so wie physische Kunst einen Wert hat.

 

Eine Besonderheit in diesem Kontext ist, dass ein Issuer des NFT mehrere NFT selbigen Inhalts (eine Auflage wie bei einem Comic-Buch) erstellen oder aber einen Wert in unzählige Teile aufbrechen und veräußern kann. Ersteres wurde zuletzt vom „Bored Ape Yacht Club“ umgesetzt, welcher 10.000 NFT mit unterschiedlichen „Bored Ape„-Motiven erstellte und veräußerte. Letzteres wurde bei dem Verkauf von “The Merge” demonstriert. Bei diesem NFT-Projekt haben 29.983 Sammler in Summe 312.686 Teile eines Kunstwerks erstanden, welches zu einem Gesamterlös von 91,8 Millionen US-Dollar verkauft wurde und somit Jeff Koons „Rabbit“ aus dem Jahr 2019 (91,1 Millionen US-Dollar) vom ersten Platz bzgl. des höchsten Erlöses verdrängt hat.

 

Was bedeutet Minting ?

Unter diesem Begriff wird verstanden, dass eine digitale Ausgangsdatei in einen Blockchain-basierten Token umgewandelt wird, welcher das Eigentum an einem Objekt, wie einem Bild, Video oder einem physischen Gegenstand, nachweist.

In diesem Prozess werden digitale Objekte in einer dezentralen Datenbank gespeichert. Sobald Sie auf der vorstehenden Datenbank sind, können sie weder bearbeitet noch geändert oder gelöscht werden. Der Begriff Minting leitet sich von der Prägung einer Münze ab, da auch die digitale Datei eine individuelle und unveränderbare Prägung erhält. Dieser Vorgang ähnelt der Schaffung von Fiat-Währungen, wenn ein Hersteller eine physische Münze prägt.

 

Ein Beispiel aus der Praxis

Da das Konzept des NFT beziehungsweise der Erstellung eines solchen Vermögenswertes auf den ersten Blick sehr theoretisch klingen mag, möchten wir ein Beispiel aus der Praxis nutzen, um das dahinterstehende Konzept näher zu erläutern. „Online:Digital X GmbH & Co. KG“ ist als Frankfurter Digitalagentur mit unterschiedlichsten Kunden im Kontakt, um die digitale Sichtbarkeit und das Online-Marketing des Kunden zu verbessern. Ähnlich erging es dem Eishockey-Team der „Löwen Frankfurt“. Diese versuchten ihr digitales Profil zu stärken und eine Marketing-Kampagne für den Verein und dessen Spieler aufzusetzen. Um dies zu ermöglichen, wollten sie Spieler sowie besondere Bilder und Momentaufnahmen auf die Blockchain bringen. Das Material hierfür wurde aus den Archiven des Vereins gesucht und zeigt 30 Jahre Geschichte über den Verein. Nachdem eine ausreichende Menge an Informationen generiert werden konnte, wurden diese Inhalte digitalisiert und auf der Blockchain gespeichert. Nach Erstellung der digitalen Spielerkarten wurden diese an Fans verschenkt, welche einen entsprechenden Kommentar auf den sozialen Netzwerken hinterließen. Auch wenn diese Form des Marketings vorerst Neuland war (die „Löwen Frankfurt“ waren der erste Eishockeyverein Deutschlands mit einer solchen Kampagne) und die Fans zunächst abgeholt werden mussten, war die Aktion schlussendlich ein voller Erfolg, da es neben der Stärkung des digitalen Marketingprofils des Eishockeyvereins auch echten Wert in Form eines NFT schuf. Derzeit belaufen sich die ersten NFT dieses Projektes auf ca. einen Coin der Währung Ethereum. Besonders durch den Aufstieg der „Löwen Frankfurt“ von der zweiten in die erste deutsche Eishockey Bundesliga versprechen sich sowohl der Verein als auch dessen Spieler die Möglichkeit weitere Marketingaktionen zu schalten, und mit dem „Löwen-NFT“ Fans des Vereins möglichst langfristig an sich zu binden.

 

Woher kommt die Begeisterung für NFT?

Trotz der Tatsache, dass die digitalen Werte wie Kryptowährungen oder NFT einen enormen Erfolgskurs aufweisen, ist auf den ersten Blick kein fundamentalanalytischer Wert, abgesehen des Echtheitsnachweises eines jeden NFT, erkennbar. Es stellt sich automatisch die Frage, welche Kriterien den Trend befeuern. Zum einen kann es sich hierbei um die Hoffnung auf einen Vermögenswert handeln, welcher erst nach flächendeckender Nutzung des „Web 3.0“ sowie der damit zusammenhängenden, durch Nutzerentscheidungen kontrollierte Umgebung materialisiert. Ambitionen wie die durch „META“ geschaffenen virtuellen Welten, können einer solchen Bewegung weitere Schubkraft verleihen. Sicherlich kann auch der unregulierte Charakter der NFT-Industrie Frühphasen-Investoren und eben jene mit der „Fear of missing out(FoMo) an den Start bringen, bevor das „Dumb Money“ in den Markt kommt, um zum schlussendlichen Abnehmer dieser Trendwahrnehmer zu werden.

Sicherlich ist eine Erklärung, wenn auch eine romantisierte, dass Künstler den Intermediär, wie es bereits bei Kryptowährungen der Fall ist, herausnehmen wollen, um eine faire Entlohnung zu erhalten. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass analog dem Exchange Traded Funds eine Möglichkeit geschaffen werden soll, weniger finanzstarken (Privat-) Investoren den Zugang zu einem aufkommenden Trend zu ermöglichen, welcher ihnen sonst verschlossenen bleiben würde. Dies würde in hohem Maße das Konzept von Demokratisierung von „dezentralised finance“ beinhalten. Trotz der Tatsache, dass diverse positive Strömungen aus NFT hervorzugehen scheint, müssen diese stets auch kritisch betrachtet werden.

 

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Neben den zweifelsohne positiv einzuordnenden Effekten einer solchen Innovation, dürfen negative Aspekte nicht unbeachtet bleiben. Sowohl die Technologie, als auch die dahinterstehenden Finanzprodukte in einem nicht vollends regulierten Markt, stellen dabei die Kehrseite dar. Dies kann unterschiedliche Gefahren und Risiken bergen. Auf der einen Seite besteht die Möglichkeit, dass Nutzer mit wenig Erfahrung im Kryptowährungsbereich Opfer eines „Scams“ werden. Insbesondere diese noch sehr junge Thematik und die damit einhergehende fehlende Erfahrung erhöht das damit verbundene Risiko. Durch das Versprechen auf hohe Renditen mit niedrigem Einsatz können insbesondere unerfahrene Privat-Anleger einem Betrug leicht auf den Leim gehen. Ergänzend hierzu besteht das Problem des Verfalls: Auch wenn ein NFT im Vergleich zu einem klassischen Kunstwerk im Museum nicht mit selbiger Halbwertszeit zu verfallen droht, besteht auch hier immer die Möglichkeit, dass das Hauptbuch beziehungsweise der entsprechende Speicherort (Server) offline genommen wird oder das Passwort für ein “Wallet“ verloren geht. Prozesse zur Rückgewinnung des Wertgegenstandes sind hier nur spärlich etabliert.  Abschließend besteht auch hier die Möglichkeit, dass sich die durch Goldgräbersstimmung verbreitete Hoffnung in den zukünftigen Wert eines heute erstandenen NFT nicht materialisiert.

 

Wie ist die Bewegung abschließend zu bewerten?

Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass die NFT-Technolgie sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Sieht man die Anwendung darin, Künstler für deren Arbeit angemessen zu entlohnen oder die Echtheit eines Kunstwerkes sicherzustellen, können NFT als positiver Trend angesehen werden. Hierdurch würden Fälschungsskandale, wie der des Wolfgang Beltracchi sowie der damit verbundene, immaterielle Schaden unterschiedlicher Auktionshäuser der Vergangenheit angehören. Schlüssig erscheint auch, dass die heute erstandenen Kunstwerke, den State of the Art der nächsten Generation, ungeachtet ob diese „Metaverse“ heißt oder nicht, darstellen. Doch muss im selbigen Moment auch kritisch bewertet werden, dass neben den großartigen Anwendungsgebieten auch negative Ausprägungen sichtbar werden. Beispielsweise können die Erschaffung und der Vertrieb von NFT-Projekten mit fragwürdigem Wert und Sinnhaftigkeit genannt werden. Diese werden von mehr oder weniger seriösen Anbietern einem wenig erfahrenen Publikum angepriesen, mit der Hoffnung auf deren „Fear of missing out“ zu kapitalisieren. Besonders die mit dem Phänomen der künstlichen Verknappung zu erklärenden Kurssteigerungen oder auch „bull runs“, erinnern an die Dynamiken des Bitcoins nach einem Halving des Proof of Work-Ertrages. Alle interessierten Leser dürfen sich entsprechend auf dieses Phänomen im Jahr 2024 freuen (Halving von 6,25 BTC auf 3,125 BTC). Wenngleich eine andere Begründung hinter dem Fall der Wirecard steht, besteht zumindest die Gefahr, dass auch bei diesem Trend Kleinanleger auf „rot setzen“ und ohne Rückversicherung alles verlieren. Abschließend ist meiner Meinung nach zu bewerten, ob der von Vitalik Buterin (Mitgründer Ethereum) herbeigesehnte Krypto-Winter sowie die damit einhergehende Aussiebung der betrügerisch motivierten Krypto-Enthusiasten auch im NFT-Space ankommt. Sollten risikosuchende Investoren und den Trend nutzende Anbieter verschwinden, kann die anfangs erwähnte Zielsetzung des NFT, die Digitalisierung und Demokratisierung von Werten auf der Blockchain, inkl. dessen Echtheitsgarantie, eine langfristig sinnvolle Anwendung finden. Historisch beobachtet benötigen Kryptowährungen ca. 5 Jahre im Mainstream bevor diese an Seriosität gewannen und im Ergebnis sowohl institutionelle als auch nicht-institutionelle Anleger angesprochen haben.

 

Mit Spannung abzuwarten bleibt daher, ob die bislang gewonnene Seriosität bzgl. Blockchaintechnologie auch den NFT-Markt erreicht oder lediglich einen kurzlebigen Trend darstellt.

Mobile Payment: zwischen Commodity und Partikularinteressen

Vor einigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass Samsung Pay, der mobile Bezahldienst des gleichnamigen südkoreanischen Technologieherstellers Ende Oktober in Deutschland starten wird. Hierfür ist Samsung eine Partnerschaft mit der FinTech-Bank Solaris und Visa eingegangen und kann auf diesem Weg die hiesigen Banken und Sparkassen umgehen. Hierdurch wird für Besitzer eines Samsung Smartphones – ausgenommen die Reihe Galaxy J und Galaxy M oder Smartwatch – die Möglichkeit geboten, neben dem bereits etablierten Checkout im E-Commerce, ebenfalls am physischen Point-of-Sale (POS) zu bezahlen. Darüber hinaus wird hierdurch neben Apple Pay und Google Pay ein weiterer Bezahldienst mit einem Potential von ca. 20 Millionen Endkunden gelauncht, welcher Folgen für das Geschäftsmodell sowie die weiterhin auf sich wartende Digitalisierung der girocard der deutschen Kreditwirtshaft haben kann.

Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die großen internationalen Anbieter (GAFAs) den Drahtseilakt der Verschmelzung einer optimalen Nutzererfahrung (UX) und unterschiedlichen Vertriebskanälen mit Bravour zu meistern scheinen, während Bemühungen nationaler Interessenverbände mehr dem zaghaften Trainingslauf über dem Fallnetz ähneln. Um die erwähnte Harmonisierung sowie Lösungen im Mobile Payment besser einschätzen zu können, ist eine Einordnung dieser sinnvoll. Aus diesem Grund ist zunächst die Frage zu beantworten, „Was ist Mobile Payment“ bzw. „Wie wird Mobile Payment definiert“?

Was ist denn nun Mobile Payment?
Um es vorab zu sagen, es gibt nicht die eine einheitliche und allumfassende Definition für das Mobile Payment. Wie bereits der Name impliziert, handelt es sich bei dem Begriff Mobile Payment um Zahlungen, welche über mobile Endgeräte eines Verbrauchers durchgeführt werden und bei denen weder Bargeld noch physische Debit- oder Kreditkarten involviert sind. Obschon bei granularer Einordnung Unmengen an Kategorien erstellt werden können, haben wir uns der Einfachheit halber auf zwei Oberkategorien verständigt. Diese heißen Proximity Payments am POS und Remote Payments im E- und M-Commerce und repräsentieren alle gängigen Anwendungsfälle, welche auf einem mobilen Endgerät durchgeführt werden. Dabei sprechen wir von einem „Omni-Channel-Zahlungsmittel“, da diese sowohl im stationären Handel (Proximity Payment) und mobil bzw. online (Remote Payment) eingesetzt werden können. Als Synonym wird Mobile Payment auch gern als „Wallet Payment“ verwendet, da diese E-Wallets entsprechende Zahlungsdaten digital speichern, jedochauch zusätzliche Anwendungen wie Loyalty, Couponing, digitale Tickets oder Bordkarten enthalten können.

Proximity oder Wallet Payment ist vielen besonders durch Apple Pay, Google Pay, PayPal Wallet und demnächst Samsung Pay ein Begriff. Bei dieser Art der Bezahlung wird (normalerweise) eine Debit- oder Kreditkarte digitalisiert, um diese auf einem Mobiltelefon für Bezahlprozesse zu nutzen. Durch den Kontakt zwischen Terminal und Mobiltelefon wird die Zahlung mit der digitalisierten Geldbörse angestoßen. Google setzt hierbei seit der Einführung mit Android 4.4 auf die „Host Card Emulation“ (HCE) Technologie. Selbiges gilt für die weniger benutzerfreundliche, jedoch für den Händler preiswertere Adaption von Mobile Payment, der digitalen girocard, wie sie die Sparkassen in der Bezahl-App „Mobiles Bezahlen“ anbieten. Apple hingegen steuert die NFC Schnittstelle mit einer eigenen Software an . Die erforderlichen Daten werden vom Secure Element zusammengefasst und verschlüsselt.

Nachdem die digitale Karte in die Wallet geladen wurde, kann die digitale Geldbörse wie eine Kreditkarte sowohl am physischen POS als auch im E- und M-Commerce genutzt werden. Hierfür ist neben der Installation auf dem Konsumentengerät lediglich die Händlerakzeptanz sowie ein kontaktlosfähiges Terminal notwendig. Besonders der nutzerfreundliche Bezahlprozess per Touch oder Face ID hat den Diensten bei Ihrer Verbreitung in Deutschland geholfen.

Mobiles Bezahlen mit dem Smartphone: Diverse Ausprägungen und Anbieter
Werden Waren und Dienstleistungen per Mobilgerät im E- und M-Commerce bezahlt, so spricht man von Remote Payments, da in diesem Fall das Internet den Vertriebskanal darstellt. Dabei können sowohl Mobile Wallets wie Apple Pay, Google Pay oder Samsung Pay genutzt werden oder spezielle Apps im Rahmen von In-App- oder App-to-App-Zahlungen. Der Begriff App Payment beschreibt die Bereitstellung von Bezahlmethoden in Form von Apps auf dem Smartphone. Dies können Applikationen sein, welche ausschließlich die Funktionalität des angebotenen Dienstes abbilden oder Dienste, welche mit Applikationen von Drittanbietern verbunden werden, um diesen eine Bezahlfunktionalität zu ermöglichen. Ein populäres Beispiel in diesem Kontext ist PayPal, welches sowohl eigenständig als auch im Checkout unterschiedlicher Onlineanbieter eingesetzt wird.

Anhand der Anzahl unterschiedlicher Ausprägungen sowie der Masse verschiedener nationaler und internationaler Anbieter und Dienstleister wird deutlich, dass mobiles Bezahlen nicht erst seit der Einführung von Apple Pay existiert. Besonders aus diesem Grund stellt sich unweigerlich die Frage, warum es so lange dauerte, bis eine einigermaßen kritische Masse Nutzen von dieser Technologie machte. Die Antwort lässt sich mit einem Begriff zusammenfassen: Partikularinteressen.

Partikularinteresse als Innovationsbremse
Ursprünglich wurde Mobile Payment durch die deutschen Mobilfunkanbieter getrieben. Durch die Einführung von Premium-SMS, waren diese in der Lage, Services wie beispielsweise das Jamba Sparabo, welches so manchen Mobilfunkvertrag in den dreistelligen Betragsbereich hob, abzurechnen. Basierend auf dieser Logik wurde versucht, auch normale Bezahlprozesse am POS abzubilden. Um dies zu realisieren, mussten Mobilfunkanbieter mit einem regulierten E-Geld Institut sowie einem Kreditkarten-Scheme als Technologiepartner kooperieren. Beispielsweise nutzten Vodafone sowie E-Plus die E-Geld Lizenz des heute insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard sowie payWave (Visa Card) bzw. PayPass (Master Card) zur technischen Abwicklung.

Wenn Interesse an der Nutzung der Wallet Bestand, wurde dem Kunden eine neue SIM-Karte (NFC-SIM) zugestellt. Auf dieser Befand sich das Secure Element, welches noch heute zur Sicherung der sensiblen Kreditkartendaten genutzt wird. Darüber hinaus konnten lediglich Mobiltelefone verwendet werden, welche durch den Telekommunikationsanbieter abgenommen und freigegeben wurden. Abgerechnet wurde über die monatliche Mobiltelefonrechnung. Unglücklicherweise wurde das Produkt nicht von den Konsumenten angenommen was zur Einstellung diverser Initiativen führte. Dies kann sowohl an der Eigenpositionierung der Telkos in der Wertschöpfungskette des Bezahlprozesses, der niedrigen Anzahl an NFC-fähigen Terminals mangels Non-Contactless Fees der Schemes, oder der fragwürdigen Auswahl angebotener Mobiltelefone gelegen haben. Erst nach der Portierung des Secure Elements auf das Endgerät sowie der Einführung der Bezahldienste durch die Hersteller inklusive dessen Marketingbudgets, gewann mobiles Bezahlen an steigender Aufmerksamkeit. Dies in Kombination mit den von Beginn kundenzentrierten Prozessabläufen, simplifizierter Nutzung sowie der korrekten Interpretation des Begriffs kanalübergreifend, wurde mobiles Bezahlen in vielen Ländern eingeführt.

Bezahlen mit dem Handy in Deutschland? Ein Blick auf das Nutzerverhalten
Nur Deutschland ließ sich Zeit. Möglicher Grund hierfür kann das häufig beschriebene Phänomen der bargeldliebenden Gesellschaft sein, jedoch auch das Eigeninteresse der deutschen Banken, den von Apple geforderten Anteil an der Interchange oder Händlerentgelten lieber auf den eigenen Ertragskonten zu verbuchen. Dies ging so lange gut, bis sich die erste deutsche Bank als Vorreiter positionierte und mit dem Start von Apple Pay in den Kampf um den Konsumenten zog.

In der Zwischenzeit zeigt sich, dass sich die Nutzung des mobilen Internets durch alle Generationen in Deutschland zieht. Eine Studie der Postbank, die vor Corona erhoben wurde, spiegelt wieder, dass die Smartphones alle anderen mobilen Geräte abgehängt haben und ein ständiger Begleiter der Menschen hierzulande sind. Knapp 80 Prozent der Bürger gehen mit ihrem Handy ins Netz, Laptops liegen bei 71 Prozent und zu Desktop-PCs und Tablets greifen 58 bzw. 47 Prozent, wenn diese ins Internet möchten. Die jüngeren Kundensegmente waren schon vor der COVID19-Pandemie fast permanent online und dabei meistens mit dem Smartphone unterwegs. Dabei dürfte der Lockdown wegen Corona und die anhaltenden Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung diesen Trend noch verstärkt haben. Dieses Nutzerverhalten hat auch Auswirkungen auf das Mobile Payment und laut der aktuellen Bitkom-Studie geben ein Drittel der Bundesbürger an, Mobile Payment per Smartphone oder Smartwatch mindestens einmal verwendet zu haben. In der Umfrage aus dem Jahr 2016 waren dies lediglich acht Prozent.

Aufholjagd oder bereits abgehangen?
Aus der Entwicklung des mobilen Bezahlens in Deutschland wird sichtbar, dass der Gewinn des Kunden sowie dessen Interaktion mit einem angebotenen Dienst überlebenswichtig ist. Das dies auch die deutschen Banken verstanden haben, wird bei dem verzweifelten Versuch der Positionierung des Girokontos als Kundenkernprodukt deutlich. Nachdem mögliche Implikationen der PSD2 lange Zeit inkorrekt interpretiert wurden, bleibt jedoch unbeantwortet, ob dies noch realistisch ist. Erst als bereits andere Anbieter den durch bankeneigene Produkte dominierten Markt für sich eroberten, ließ die Selbstsicherheit der vermeintlichen Platzhirsche nach und eine klare Sicht auf die tatsächlichen Zustände wurde möglich. Ähnlich könnte es nach der Einführung von Samsung Pay mit dem deutschen Payment Markt aussehen.

Während die deutsche Kreditwirtschaft mit der Harmonisierung unterschiedlicher Interessenverbände und deren jeweiligen Bezahlmethoden zur Erreichung eins multikanalfähigen Produktes beschäftigt ist und #DK in letzter Instanz vom Phönix zum Papiertiger mutieren kann, werden 20 Millionen Verbraucher mit einer in Zukunft vorinstallierten App durch Samsung versorgt. Diese bietet neben dem kundenfreundlichen Onboarding über IBAN und qualifizierter elektronischer Unterschrift, der kanalübergreifenden Bezahlung von Waren und Dienstleistungen mit einer digitalen VISA Card und der Ausgabenübersicht in Form eines KPI Dashboards ebenfalls die Möglichkeit, Unterkonten anzulegen und Finanzierungen abzuschließen. Auf diese Art hat der durch die Solarisbank abgebildete Bezahldienst das Potential, alle relevanten Interaktionen für den Kunden zu übernehmen und die Kundeninteraktion mit dem Hauptkonto auf den monatlichen Lastschrifteinzug der Ausgleichszahlung zu reduzieren.

So verlieren klassische deutsche Banken Kunden, welche sich nach kurzer Bestätigung eines Akzeptanzvertrages im Neukundenportfolio der Solaris Bank AG wiederfinden. Und all das gibt es für einen bankenfreundlichen Revenue Share auf Basis der regulierten Interchange von 20 Basispunkten. Samsung hat verstanden, dass Konsumenten nur schwer von einem Service abweichen, wenn sie sich an die Annehmlichkeiten gewöhnt haben. Abzuwarten bleibt, ob dies auch von den aktuell in Umsetzung befindlichen Konkurrenzprojekten als Kundenanforderung und Fakt akzeptiert wird.

Digitale Währung: Central Bank Digital Currency?

Das Bargeld ist tot, es lebe das Bargeld!

Bargeld, das war doch schon immer da, oder?

Für einen Großteil der europäischen Verbraucher gibt es keine alltäglichere Handlung, als den Austausch von Gütern gegen Geld in jedweder Form. Anhand dieser Selbstverständlichkeit wird deutlich, dass sich viele dem Ursprung des Euros, sowie seiner Reise seit Entstehung nicht mehr bewusst sind. Dies ist bemerkenswert, zumal die letzte Währungsreform, welche die Aufgabe nationaler Währungen, wie der deutschen Mark oder der niederländischen Gulden zur Konsequenz hatte, erst 18 Jahre her ist.  Da die EZB nun über eine nicht minder radikale Reform des europäischen Währungsraums diskutiert, ist eine kleine Auffrischung unserer Meinung angebracht.

 

Bargeld und die Evolution des Payments

Bargeld bzw. der physische Geldwert nationaler Währungen, sowie die damit verbundene Kauf- und Tauschkraft durchlief seit Einführung diverse Evolutionsstufen. Nach Durchführung erster Transaktionen im Tauschgeschäft, war schnell deutlich, dass ein vom Tauschinteresse unabhängiger Wert geschaffen werden musste, welcher breite Akzeptanz findet. Zunächst waren dies Muscheln, später Münzen. Der erste Token war geschaffen. Schnell lagen die logistischen Nachteile einer Münzwährung, das Gewicht, auf der Hand und Europa wurde durch die Einführung einer papierhaften Währung das erste Mal zur „Copycat“ von China. Seit dieser Einführung im 15. Jahrhundert, sollte es bis auf die Ergänzung um Plastikgeld vorerst keine Payment-Innovationen im Sinne Schumpeters kreativer Destruktion geben.

 

Digitale Währung: Europa, einig Bargeld-Land?

Erst im Jahr 2019 wurde durch den Start der digitalen Euro-Initiative erstmalig seit der Beendigung des Projekts Monnet im Jahr 2012 die Art und Weise, wie in Europa bezahlt wird, genauer betrachtet. Besagte Betrachtung war weniger ein Resultat der Eigeninitiative oder Innovationslust der Europäischen Zentralbank, als vielmehr eine Reaktion auf die Einführung eines digitalen Yuan in China. Dieses Vorhaben wurde durch Amerika als Iterativinnovator in Form des digitalen Dollars im Jahr 2020 dankend adaptiert. Unglücklicherweise gelang es Europa im Gegensatz zu China bis heute nicht, über 90% der Bevölkerung für eine QR-Code basierte Payment Wallet zu begeistern, welche dem Apple Store an Vielfalt um nichts nachsteht. Daher stellt sich automatisch die Frage, ob sich die in China geschmiedete Passform einer Währungsreform auf Europa anwenden lässt. Besonders in Deutschland, welches die Vorzüge von Bargeld wie kein zweites in Europa nutzt, muss diese Frage kritisch gestellt werden. Abseits der Konsumentensicht ist ebenfalls die Rolle der Banken sowie der Händlerakzeptanz zu bewerten. Um diese Entwicklungen einordnen zu können haben wir uns mit dem Thema Central Bank Digital Currency (CBDC) auseinandergesetzt.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist Europa keineswegs in der Vorreiterrolle bei der Diskussion und strategischen Planung über die Einführung einer digitalen Währung. Ähnlich wie auch bei der European Payment Initiative (EPI) vormals Pan European Payment Systems Initiative (PEPSI) kann man von außen betrachtet eher von der Verkörperung des Snooze-Button-Nutzers sprechen, welche nun erschrocken aus dem Bett springt. Dies manifestiert sich in einer neu geformten Arbeitsgruppe, welche sich mit europäischen Umsetzungsmodellen bestehend aus der staatlichen, chinesischen Digitalwährung in Kombination mit dem Stable Coin-Ansatz der Libra Association auseinandersetzt. Als Stable Coin wird eine Blockchain basierte Währung definiert, welche durch Hinterlegung von Fiat-Geld kursschwankungsneutral Geldwerte sichert. Auf diesem Weg würde das Bargeld in heutiger Form als Zahlungsmittel durch digitale Token ersetzt, auf einer dezentralen Kontoverwaltung gespeichert und in Form einer Wallet in den Geldumlauf zurückgeführt werden.

 

Inwiefern sind die potentiellen Nutzer bereit für eine digitale Währungsreform wie CBDC?

Die seitens der EZB kommunizierten Vorteile liegen neben der ständigen Versorgung von Verbrauchern sowie der Hygieneverbesserung in Zeiten Coronas ebenfalls in der Digitalisierung eines in die Jahre gekommenen Finanzinstruments, dessen aktuelle Daseinsform diskutabel ist. Fraglich ist, ob ausschließlich die nahezu altruistische Endkundenfokussierung der EZB bei der Entscheidung über einen solchen Stable Coin Gewicht hat oder ob andere Begründungen nicht minder relevant sind.

Auch wenn die oben genannten Vorteile für den Verbraucher durchaus sinnig sind, bleibt die Frage, ob sie ausreichend sind, um deutsche und europäische Bargeldliebhaber zu überzeugen. Neben der rein psychologischen Komponente, welche der Besitz von Bargeld als Zahlungsmittel für Viele begründet, steht ebenfalls die des Datenschutzes, da Bargeld anonym ist. Eine Abwertung des Social Scores bzw. des Rankings der Versicherung nach Kauf einer Pizza ist somit nicht möglich. Auch der Ausfall der technischen Infrastruktur ist mit Bargeld zu umgehen. Obschon der E-Euro im Marketing der EZB selbige Kriterien beim Datenschutz wie die physische Variante erfüllen soll, ist dies allein aus Sicht des Geldwäschegesetzes und Terrorismusprävention vorsichtig ausgedrückt unwahrscheinlich.

Ebenfalls erwähnenswert in diesem Kontext ist, dass Bargeld in seiner heutigen Form keine negative Verzinsung erfahren kann. Bereits vor Verabschiedung des massiven Anleihepakets der EZB und der damit verbundenen Geschwindigkeit des Zinsverfalls, wusste der Verbraucher, dass sein 10€ Schein auch am Abend noch diesen Wert innehält. Auch wenn wir hier zu weit ausholen, muss die Frage „wer garantiert, dass der E-Euro kein vom Finanzmarkt abhängiges, dem Giralgeld gleichendes Finanzprodukt wird?“ gestattet sein, oder? Eine flächendeckende Akzeptanz ist somit aus Verbrauchersicht fraglich.

Trotzdem werden gegenüber Händlern die offensichtlichen Vorteile kommuniziert. Neben der Aufwandsreduktion – durchschnittlich werden sieben Schritte von Annahme des Bargeldes bis Gutschrift auf dem Konto benötigt – werden auch Kosteneinsparungen unterstrichen, da die Verarbeitung von Bargeld als Payment für den Händler relativ gesehen teurer ist als die zu entrichtende Gebühr an den Acquirer / Netzbetreiber. Doch auch hier liegen Nachteile auf der Hand. Neben möglichen Zusatzkosten der einzurichtenden Akzeptanz am Terminal, der Abhängigkeit auf eine 100%tige Verfügbarkeit und der Resistenz des Endkunden, alle Artikel mit dem E-Euro virtuell zu bezahlen, würde auch die letzte Bareinnahme, die an der Kassensicherungsverordnung vorbeigeschmuggelt wird, in Zukunft dokumentiert werden. Wenn also ein Händler die bereits aufgeführten Vorteile nicht als Weckruf zur Umrüstung auf „Card only“ verstand, bleibt die Frage nach dem Warum.

 

Warum die EZB nun auf die Überholspur auszuscheren scheint?

Auch wenn die deutsche Bargeldaffinität auf europäischer Ebene weniger relevant wirkt, ist das plötzliche Interesse der EZB auf den ersten Blick nicht vollends schlüssig, zumal andere Innovationen wie Alipay als digitales Ökosystem bis auf steuerliche Vorteile der Nutzer in Europa für wenig Dynamik sorgten. Ein offensichtlicher Punkt ist das durch andere Nationen (China) und Institutionen (Libra Association) geschaffene Momentum, welches den Handlungsdruck auf die Marktteilnehmer ohne Lösungsansatz erhöht. Auch klassische Kreditkarten-Brands wie Visa und MasterCard weiten ihre Tätigkeitsfelder in diese Richtung aus. Eine mögliche Reorganisation des Gebührenmodells in einer Post-Card-Scheme-Fee-Ära ist hierbei sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt. Darüber hinaus kann eine zu erwartende Kosteneinsparung bei der Geldschöpfung als Treiber möglich sein. Diese wird steuerlich finanziert und würde bei einem Euro, welcher nicht abnutzt, nicht geschaffen oder vernichtet wird und durch ein hohes Maß an Fälschungssicherheit besticht, sicherlich an Relevanz gewinnen. Als Nebenschauplatz ist die Reduktion der Anonymität, welche „ausschließlich zur Terrorismusbekämpfung dienlich ist“, erwähnenswert. In diesem Kontext stellt sich unweigerlich die Frage, ob Verbraucher in Zukunft ein Konto bei der EZB halten und somit in puncto Bargeldversorgung die aktuelle Bankenstruktur obsolet machen. Neben dem zu erwartenden Chaos bei der Kontoeröffnung sowie der Verwirrung beim Endkunden, warum nun ein Konto bei der EZB existiert, könnte die fehlende Kundeninteraktion auch Implikation auf die Up-Selling-Strategie der Finanzprodukte im Retail Banking Sektor haben. Abschließend drängen sich Fragen bezüglich der Umsetzung in die Diskussion. Wie hoch ist die maximale Abgabemenge für den tagesüblichen Gebrauch? Besteht die Gefahr, die Währung wie Einlagen zu behandeln, da sie auf der Wallet lediglich in Form von Giralgeld präsentiert werden? Besteht eine Offenlegungspflicht bei Verdachtsfällen, welche in der aktuellen Situation durch das Raster fallen?

Obschon die geschaffene Arbeitsgruppe die vorliegende Thematik mit hoher Wahrscheinlichkeit aus allen Facetten beleuchtet hat, existieren vor der Ablösung des in Frankreich gestarteten Pilotprojekts durch einen Regelbetrieb im europäischen Währungsraum potentielle Stolpersteine. Entgegen der „Never change a running system“ Doktrin vieler bleibt zu hoffen, dass diese aus dem Weg geräumt werden, um das digitale Profil der EU im Banking und Payment auf internationaler Ebene zu schärfen.

„Fiskalisierung: Neue Kassen für Händler in Deutschland?“

Zum 01.01.2020 tritt in Deutschland die Fiskalisierung in Kraft.

Diese Maßnahme verfolgt das primäre Ziel, die Generierung von Schwarzgeld durch Dokumentation eines jeden entstandenen Geschäftsvorfalls einzudämmen. In einem Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen vom 06.11.2019 wurde dem entgegenstehend bekanntgegeben, Händlern eine weitere Schonfrist bis zum 30.09.2020 einzuräumen. Diese beschreibt, dass Händler ohne eine technische Sicherheitseinrichtung bis zum Ablauf der Frist keine Strafen zu befürchten haben. Trotz dieser Übergangsfrist wirft die Fiskalisierung bei Händlern mehr Fragen als Antworten auf. Insbesondere wie die besagte Umstellung stattfinden soll, welche Regeln gelten und was bei Nichteinhaltung geschieht, ist nicht vollends geklärt. Aus diesem Grund thematisiert folgender Blogbeitrag zunächst die hartnäckigsten Mythen und beschäftigt sich im Nachgang tiefgehend mit dem Thema Fiskalisierung.

Die Registrierkassenpflicht kommt nach Deutschland!

Die Fiskalisierung und die damit einhergehende Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) ist nicht gleichzusetzen mit einer Registrierkassenpflicht. Diese gibt es in Deutschland nicht und ist derzeit nicht geplant, da die Umsetzung aus Sicht des Gesetzgebers aus Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten unverhältnismäßig und mit hohem Verwaltungsaufwand verbunden ist. Dies gilt insbesondere bei Wochenmärkten, Gemeinde-/ Vereinsfesten oder Hofläden und Straßenverkäufern sowie für Personen, die ihre Dienstleistungen nicht an festen Orten anbieten. Ausnahmen wären zudem nicht rechtssicher abgrenzbar. Somit können die Spektren von einer offenen Ladenkasse über die mechanische Registrierkasse bis hin zur EDV-Registrierkasse gehen.

Ich muss mir eine neue Kasse kaufen!

Realität: Ist die Kasse nach dem 25.11.2010 (§ 30 Abs. 3 zu Art. 97 EGAO) gekauft worden, GoBD konform und bauartbedingt nicht aufrüstbar, gilt eine Übergangszeit bis 01.01.2023. Sollte die Kasse aufrüstbar sein, hat eine entsprechende Aufrüstung durch den Kassensystemhersteller zu erfolgen.

Geprüftes Kassensystem: Registrierkassen müssen ab dem 01.01.2020 zertifiziert sein!

Nein, lediglich die technische Sicherheitseinrichtung / Software muss zertifiziert werden. Diese Einrichtung besteht aus einem Sicherheitsmodul, welches die Kasseneingaben mit Beginn eines Aufzeichnungsvorgangs zur Verhinderung von nachträglicher Manipulation protokolliert, einem Speichermedium, welches die Einzelaufzeichnungen für die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht speichert sowie einer einheitlichen, digitalen Schnittstelle, zur Gewährleistung der reibungslosen Datenübertragung für Prüfungszwecke. Wie bereits eingangs erwähnt, wird vorerst trotz des Inkrafttretens der KassenSichV keine Ahndung bei Verstoß der Umsetzung stattfinden.

Die KassenSichV tritt am 01.01.2020 in Kraft?

Ja, offiziell wird die KassenSichV am 1. Januar 2020 in Kraft treten. Aus dem Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen vom 06.11.2019 geht jedoch hervor, dass Aufzeichnungssysteme im Sinne des §146 AO die keine technische Sicherheitseinrichtung besitzen, bis zum 30.09.2020 nicht beanstandet werden. Dies bedeutet ebenfalls, dass die im August 2019 veröffentlichte digitale Schnittstelle der Finanzverwaltung für Kassensysteme (DSFinV-K) keine Anwendung findet.

Was genau ist eine Fiskalisierung? Bin ich GDPdU und GoBD konform und was hat der Paragraph §146 AO (Abgabenordnung) damit zu tun? Muss ich mir eine neue Kasse/ Tablet kaufen oder ab Januar gar mein hippes Kassensystem im schlanken Design gegen einen der Klötze von anno dazumal eintauschen?

Computer und die damit zusammenhängenden Möglichkeiten gehören heutzutage zum Alltag. Dies gilt auch für die elektronische Verarbeitung von Daten. So wurden im Laufe des letzten Jahrhunderts Systeme zur Buchführung im Handel von ihrer ursprünglichen, papierhaften Variante auf elektronische Systeme zur Buchführung umgestellt. Unglücklicherweise wurden diese elektronischen Buchführungssysteme häufig missbraucht, um eine nachweisfreie Manipulation von Umsatzdaten und die damit zusammenhängende Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben zu ermöglichen. Um diese Hinterziehung einzugrenzen, fanden in den 1980er Jahren erste Datenträger zur Speicherung von Umsatzdaten Verwendung. Der daraus resultierende Vorgang, der die Speicherung von Umsatzdaten und damit die Staatskasse zum Ziel hatte, wurde als Fiskalisierung bekannt.

Knapp 40 Jahre nachdem die ersten Fiskalspeicher eingesetzt wurden, soll nun eine flächendeckende Verordnung, die sog. KassenSichV für die elektronische Registrierkassenlandschaft erarbeitet und durchgesetzt werden. Die Fiskalisierung von elektronischen Registrierkassen mit ihren Anforderungen dient ausschließlich der Bekämpfung von Händlern, welche Gelder steuerfrei verarbeiten und somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen erhalten, die ihre Umsätze ordnungsgemäß angeben. Diese Thematik hat besondere Relevanz, da aktuelle Kassensysteme Hintertüren besitzen, welche von Anwendern ausgenutzt werden können. Multiway, ein Kassensystemhersteller für Asia-Restaurants, der es anscheinend ermöglichte, gebuchte Artikel zu stornieren, um Steuern zu hinterziehen, sorgte mit dieser Funktion Anfang 2019 für Aufsehen. Der Wille zur Hinterziehung geht in einigen Fällen soweit, dass Kunden lediglich eine neue Registrierkasse erwerben, wenn diese die nachweisfreie Löschung von Umsätzen zulässt. Somit hat eine staatliche Regulierung – welche bei konsequenter Einhaltung der Regularien durch die Kassensystemhersteller nicht notwendig gewesen wäre – neben der Reduzierung von möglichen Schwarzgeldern – auch eine Aufhebung des finanziellen Vorteils von hinterziehenden Händlern zur Folge.

Um einen besseren Einblick in die bevorstehende Fiskalisierung der deutschen Registrierkassenlandschaft und ihre Anforderungen zu erhalten, müssen einige Begrifflichkeiten wie GoBD, Kassensicherungsverordnung oder §146 AO geklärt werden.

GDPdU und GoBD?

Die GDPdU oder „Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen“, die zum 01.01.2002 in Kraft getreten ist, hat als Verwaltungsvorschrift erstmalig den Steuerpflichtigen durch eine enthaltene Mitwirkungspflicht zur Verantwortung gezogen. Hierdurch mussten Unternehmer alle steuerrechtlichen Daten für 10 Jahre archivieren und den Steuerbehörden während einer Prüfung bei Bedarf zur Verfügung stellen. Am 01.01.2015 wurde die GDPdU von der GoBD abgelöst. Die GoBD oder „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff”, beinhaltet als Verwaltungsvorschrift, dass eine Unveränderbarkeit der Daten gegeben sein muss. Darüber hinaus gehört die Einzelaufzeichnungspflicht sowie die Möglichkeit des Datenexportes in einem vordefinierten Format zu den allgemeinen Grundsätzen der GoBD. Die einfache Speicherung der kumulierten Schichtumsätze in Form der sog. Z-Berichte, also den Tagesabschlussberichten an den Kassen, ist nicht ausreichend. Die Einhaltung der Richtlinie zum Schutz vor Manipulation muss hierbei durch die Kassenhersteller garantiert werden. Die tatsächliche Kontrolle liegt jedoch bei den zuständigen Finanzämtern. In diesem Kontext relevant, weder die GDPdU noch die GoBD haben die durchsetzbare Wirkung einer Verordnung, da lediglich die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) in der Abgabenordnung geregelt sind. Bedingt durch die Tatsache, dass seitens des Finanzministeriums keine eindeutige Aussage getroffen wurde, welche Kriterien eine elektronische Registrierkasse einhalten muss, um konform zu sein, bietet somit die GoBD nicht zwangsweise eine Rechtssicherheit.

Neue Standards durch Kassensicherungsverordnung (KassenSichV)?

Im Gegensatz zu GDPdU und GoBD ist die KassenSichV eine Verordnung des Finanzministeriums, die neue Standards zur Verhinderung von Manipulationen an Registrierkassen verbindlich vorschreibt. Die KassenSichV vom 26.9.2017 basiert auf dem Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen vom 16.12.2016. Ab dem 01.01.2020 müssen in Deutschland Registrierkassen, deren Bauart es technisch zulässt, mit einer sogenannten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) ausgestattet sein. Die Sicherheitseinrichtung speichert die Transaktionen der Kasse auf ihrem internen Speicher und liefert einen Code zurück an die Kasse. Dieser Code ist auf jeden Verkaufsbeleg zu drucken. Die Daten müssen in einem für das Finanzamt exportierbaren Protokoll gespeichert werden. Kassen, die zwischen nach dem 25.10.2010 und vor dem 31.12.2019 gekauft werden und nicht aufrüstbar sind, können bis zum 31.12.2022 erneuert werden.

Obschon nun die Begrifflichkeiten geklärt sind, bleibt die Frage der gesetzlichen Durchsetzung sowie der Konsequenzen für Händler bei Nichteinhaltung. Die Regelungen zur Nachschau der Transaktionsdaten sagen aus, dass ein Kassenprüfer unangekündigt während der üblichen Geschäftszeiten das Geschäft betreten und die Benutzung der Kasse (keine Ausweispflicht; Stichwort Testkauf) beobachten darf. Darüber hinaus dürfen die Prüfer bei der Geschäftsleitung (oder einem befähigten Vertreter) einen Kassensturz (Ausweispflicht) verlangen. Dies gilt neben Geschäftsräumen auch für Verkaufswagen, z.B. Food Trucks. Sollten die geprüften Aufzeichnungen nicht ausreichen, kann auf Anordnung eine Außenprüfung folgen. Wer nach dieser Masse an Informationen als Fazit zieht „Alles gut und schön, aber was passiert, wenn ich so weiter mache wie gehabt und im schlimmsten Falle ein Bußgeld zahle“, der sei an dieser Stelle gewarnt. Bei Einsatz nicht konformer Kassensysteme (inklusive Sicherungseinrichtung) kann der Händler mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro bestraft werden.

Das Ziel der KassenSichV ist die nachträgliche Manipulation von Umsatzdaten festzustellen und zu verhindern. Hierbei erfolgt die Prüfung über den Journalexport sowie Auswertungs-, Programmier- und Stammdatenänderungsdaten, welche durch eine Software der Finanzämter geprüft wird. Die dafür notwendige, technische Sicherheitseinrichtung besteht aus einem Sicherheitsmodul, einem Speichermedium und einer digitalen Schnittstelle, welche das Auslesen des Exports ermöglicht. Zukünftig werden Belege von konformen Systemen eine fortlaufende Signatur inklusive eindeutiger Informationen des vorherigen Belegs aufweisen. Diese Signatur wird verschlüsselt in einem Sicherheitsmodul gespeichert und kann somit nicht verändert werden. Reißt die Kette der Signaturen ab kann schnell herausgefunden werden, an welcher Stelle eine Manipulation stattgefunden hat. Besagtes Modul muss konsequent erreichbar sein, da nicht nur während der Signaturerstellung, sondern auch bei Eingabe der Artikel Kommunikation zwischen der Kasse und dem Sicherheitsmodul stattfindet. Bedingt durch diese ständige Erreichbarkeit ist eine deutliche Implikation, dass Cloud-basierte Kassen ab dem 01.01.2020 nicht mehr offline fähig sein dürfen, sofern hierdurch die Kommunikation zum Modul abbricht. Aus diesem Grund sollte der Kontakt zum Kassensystemhersteller gesucht werden, da dieser die Lösung bzw. Software für sein System zur Verfügung stellen muss.

Fazit: Ist die Umsetzung via neuer Kassensysteme wirklich die Lösung?

Mit der kurzen Zusammenfassung der nicht ganz neuen Idee der deutschen Fiskalisierung und die Beantwortung der wichtigsten Fragen, bleibt die Frage nach dem Fazit. Es ist unbestritten, dass Deutschland ein Bargeld-affines Land ist. Ebenso wenig umstritten ist, dass nicht jeder Euro ordnungsgemäß beim Fiskus dokumentiert wird. Offen bleibt jedoch die Frage, ob die Umsetzung via neuer Kassensysteme wirklich die Lösung für das Problem der Steuerhinterziehung ist, oder nicht gar andere schafft. Welche Implikationen hat die Papierhafte Belegausgabe in einer immer stärker ökologisch denkenden Gesellschaft? Ist es zeitgemäß einen geschlossenen Standard in einer Open Source arbeitenden Gesellschaft zu etablieren? Wird das in Form von Bargeld hinterzogene Steuergeld durch die definierten Ausnahmen wirklich reduziert?

Die Beantwortung dieser Fragen steht aktuell noch aus. Sicher ist lediglich, dass das ab Januar 2020 inkrafttretende Gesetz wirkungslos bleiben wird, sollten Standards nicht unmissverständlich definiert und durch angemessenen Aufbau an prüfendem Personal kontrolliert werden.