Krypto im Krieg?

Die Krypto-Szene hat einige bewegte Wochen hinter sich. Analog zu den weltweiten Börsenmärkten, aber in noch drastischerer Form sind die Kurse beinahe sämtlicher Krypto-Werte abgestürzt. Einige Krypto-Währungen sind gleich komplett vom Markt verschwunden (und mit Ihnen eine Menge Anlegerkapital) und auch einige Krypto-Startups haben den Absturz nicht überlebt. Man denke zum Beispiel an die Insolvenz des Nuri „Krypto Ertragskonten“ Partners Celsius Network, bei dem Kunden ihre Assets an Celsius Network übertragen haben, um im Gegenzug Zinszahlungen zu erhalten. Es bleibt hochfraglich, ob die betroffenen Anleger von ihrem Kapital etwas wiedersehen werden. Inzwischen ist auch Nuri selbst in die Insolvenz geraten, beteuert aber wiederholt, dass das Geld ihrer Anleger sicher sei.

Nach einhelliger Pressemeinung haben die harten wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen Russland nach dessen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg überrascht und schwer getroffen. Allenfalls Nordkorea, Iran und vor vielen Jahren Kuba können in etwa erahnen, wie es Russland und seinen Bürgern derzeit ergeht. Weitestgehend abgeschnitten vom Flugverkehr, der Kauf von beliebten Apple Produkten quasi unmöglich, der Einsatz von Visa und Mastercard streng limitiert, die Buchung von Urlauben auf Ibiza unmöglich… und so viele andere Dinge, die nicht mehr in gewohnter Weise funktionieren. Der erwartete und nachvollziehbare Reflex? Der Ausweg über Krypto-Währungen. Versprechen diese doch Anonymität und Unabhängigkeit vom globalen Finanzsystem. Hier wähnt man sich sicher vor dem Zorn der westlichen Sanktionen.

Krypto-Währungen sind für eine Situation wie diese quasi geschaffen, sind jedoch bedingt durch steigende Zinsen und wirtschaftliche Unsicherheit weltweit ebenso wie die Börsenmärkte aktuell extrem unter Druck und damit zwar in der Theorie geeignet klassische (regulierte und sanktionierte) Finanzinstrumente und -märkte zu umgehen, in der Praxis aber auch entsprechend gefährlich und unsicher, da extrem volatil.

Die EZB Präsidentin Christine Lagarde beobachtet bereits verstärktes Ausweichen auf Krypto-Währungen und damit die Umgehung der sorgfältig vorbereiteten, strengen Sanktionen. In den ersten Tagen nach Kriegsbeginn beobachteten Insider auffällige Aktivitäten von mutmaßlich russischen „Krypto-Whales“, d.h. Anleger mit sehr hohem Anlagevolumen, die Krypto-Werte von Millionen Dollar bewegten. Die Vermutung liegt nahe, dass Anleger sich bemühen ihre Vermögen in Krypto-Werte umzuschichten, um Sanktionen des Westens zu entgehen. Bankguthaben insbesondere bei westlichen Banken können eingefroren, blockiert und vor allem beobachtet werden. Krypto-Guthaben und -Transaktionen sind sehr viel schwieriger zu kontrollieren und vor allem zu sanktionieren, da es oftmals gar kein Zugriff oder gar rechtliche Grundlagen bzw. Regulierung hierfür gibt. Die russische Sberbank versuchte sich gar darin direkt eine eigene Krypto-Währung, den Sbercoin auf den Markt zu bringen, um sich unabhängiger vom westlich geprägten Finanzsystem zu machen und sich auf einen Ausschluss von SWIFT vorzubereiten. Auch die enormen Marktbewegungen der letzten Monate und die damit verbundenen finanziellen Konsequenzen für Anleger, insbesondere Privatanleger, ruft verstärkt Regulatoren auf den Plan, um Anleger und Investoren zu schützen. Neben dem reinen Bewegen von Finanzwerten über Blockchains, steht vor allem auch das Mining von Krypto-Werten im Fokus. So wird unter anderem vermutet, dass russische Energieunternehmen vom Export von Energieträgern auf Nutzung dieser Energie für Krypto-Mining umschwenken, um Exportausfälle durch entsprechende Krypto-Gewinne zu kompensieren. Mutmaßlich nutzt z.B. auch Nordkorea Krypto-Mining und Cyber-Angriffe sowie Ransomware, um so internationale Sanktionen zu umgehen und an Devisen in Form von Krypto-Werten zu gelangen.

Schon vor einer Weile habe ich prophezeit: Je gewichtiger der Krypto-Markt wird, umso mehr wird ihn Politik und Finanzsaufsicht regulieren wollen. Sobald der Krypto-Markt anfängt „Systemrelevanz“ zu entfalten, steigt der Druck, diesen Markt regulieren oder im Extremfall gar verbieten zu müssen. Die Idee hinter Krypto-Währungen ist gerade genau diesem Einfluss des „Systems“ entgehen zu können und unabhängig von Staaten und Finanzaufsichten zu sein. Gleichzeitig entsteht gerade dadurch Druck auf ebenjene Staaten und Finanzaufsichten nicht die Kontrolle über einen beträchtlichen Teil des internationalen Finanzgeschehens zu verlieren.

Die Sanktionen und insbesondere die Umgehung der Sanktionen über Krypto-Währungen halten nun ein Brennglas auf genau diese Situation. Kürzlich stand bereits ein Verbot von Proof-of-Work Krypto-Währungen in der EU im Raum, da diese besonders energiehungrig und damit umweltschädlich sind. Eine entsprechende Abstimmung konnte kurzfristig abgewendet werden. Durch die MiCa-Verordnung wird der Regulierungsdruck weiter steigen. Es ist absehbar, dass die MiCa Verordnung einen ähnlichen Verlauf wie die Payment Service Directive (PSD) nehmen wird, nämlich in verschiedenen Iterationen weiter verfeinert und verschärft werden wird. Die Regulatorik wird sich dem sich verändernden Markt anpassen und weiterentwickeln müssen. Die Umgehung von Sanktionen und Geldwäschegesetzen durch Krypto-Märkte werden also unweigerlich Folgen in Form einer sich verschärfenden Regulierung nach sich ziehen. Die verantwortlichen Politiker werden hierfür sicher dankend die Gelegenheit nutzen, die moralische Verwerflichkeit der Umgehung von Sanktionen durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieges zu begründen.

Für Krypto-Enthusiasten ist die aktuelle Situation somit Fluch und Segen zugleich. Segen, da die großen Krypto-Währungen aktuell wieder verstärkte Aufmerksamkeit erfahren – was normalerweise positiv zu werten ist, denn typischerweise steigt die Verbreitung durch höhere Aufmerksamkeit. Aktuell entsteht die Aufmerksamkeit aber vor allem durch krasse Kursverluste und Kapitalvernichtung und die Geldwäschevorwürfe der Politik. Aber auch Fluch, denn der Traum vom Geld abseits jeglicher Staatlichkeit und Regulierung wird damit zunehmend zu Nichte gemacht werden.

Europa schreitet voran und nimmt mit der Markets in Crypto Assets (MiCA) vor allem die Plattform-Betreiber durch eine Lizenzpflicht in die Haftung und will so Nachverfolgbarkeit von Geldflüssen herbeiführen und dadurch insbesondere Geldwäsche bekämpfen. Aber auch Klimaschutzauflagen, Rückforderungsrecht für Stable Coins und erste Regulierungsansätze für NFTs werden Bestandteil der neuen Regulierung.

Wir dürfen sehr gespannt sein, wie die weitere Evolution der Krypto-Währungen im Einklang mit der mitwachsenden Regulierung aussehen wird. Sicher werden auch die Krypto-Pioniere nicht müde, innovativ in die Zukunft zu schauen und sich neue Mittel und Wege auszudenken, sich ein Stückchen unabhängiger zu machen von der „klassischen Finanzwelt“.

Ist Bitcoin im Payment Mainstream angekommen?

Alle reden über Bitcoin. Hat und nutzt ihn auch jemand?

Seit einiger Zeit kann man dem Thema Bitcoin im Speziellen und Kryptowährungen im Allgemeinen kaum noch ausweichen. Alle reden darüber. Die Presse meldet regelmäßig die neuesten Höchststände oder Kursstürze. Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel gelesen, der sich mit Anlageberatung für Krypto-Millionäre befasste als sei dies eben das wofür sich der durchschnittliche Zeitungs-Leser so interessiert. Was mache ich denn nun mit meinem Geld, wenn ich plötzlich Krypto-Millionär bin?

Krypto-Millionär bin ich leider (noch) nicht. Bislang bin ich vor allem durch meinen beruflichen Hintergrund und meinen Hintergrund als studierter Wirtschaftsinformatiker mit dem Thema Krypto-Währungen und dem mathematischen und technischen Hintergrund in Kontakt gekommen. Ich wollte es mal etwas genauer wissen und habe mich auf meine persönliche Entdeckungsreise gemacht und den Selbsttest à la Jenke von Wilmsdorff gewagt. Darüber hinaus wollte ich in dieser Thematik noch etwas tiefer Graben. Alle reden zwar drüber, aber ist es wirklich relevant in unserem täglichen Leben und im Alltag von Payment-Dienstleistern?

 

Wie Mainstream ist Krypto inzwischen? Mein persönlicher Erfahrungsbericht zum Einstieg.

Im Jahr 2017 war ich auf der ersten Blockchain-Konferenz in Hamburg. Zu dieser Zeit war das Thema Bitcoin und Blockchain noch ein echtes Nerd-Thema. Durch mein Informatikstudium fiel es mir sehr leicht die kryptografischen Hintergründe zu verstehen. Zu dieser Zeit benötigte man aber doch einiges an Expertenwissen, um an diesem System tatsächlich überhaupt teilzuhaben oder sich gar selber einmal Coins wie den Bitcoin zuzulegen. Trotz meines tiefen Verständnisses der Materie und meines Hintergrundes als Payment Berater sollte es bis Anfang 2021 dauern, dass ich tatsächlich mal den Selbstversuch wagte. Ich wollte es genau wissen. Für meinen Selbstversuch wählte ich zunächst die bekannteste unter den Krypto-Währungen – Bitcoin. Wie einfach ist es Bitcoins zu erwerben und wie ist die Erfahrung Bitcoin zu halten? Um es kurz zu machen – es ist extrem einfach Bitcoin zu erwerben.

 

Bitcoin kaufen über eine Bank

Für mein Experiment nutze ich Bitwala. Von Bitwala hörte ich das erste Mal auf der eben genannten Blockchain-Konferenz in Hamburg. Wenn ich mich richtig erinnere wollte das damalige Bitwala eine Art Transferwise oder WesternUnion auf Blockchain Basis bauen, d.h. Auslandsüberweisungen einfach machen, in dem die Beträge für den Transfer von verschiedenen Fiat-Währungen auf Bitcoin gewandelt werden und von dort jeweils zurück. Ein interessanter Ansatz, der heute auch von anderen Playern angestrebt wird. Bitwala war zu der Zeit ein noch sehr junges kleines Startup und hat sich inzwischen deutlich gewandelt. Heute ist Bitwala eher mit einem N26 mit angehängtem Bitcoin- & Ethereum-Wallet vergleichbar, eine echte Neo-Bank mit Alleinstellungsmerkmal.

Bitwala arbeitet hierfür mit der Solarisbank als BaaS-Anbieter zusammen und bietet hierüber ein echtes deutsches Girokonto, geschützt mit Einlagensicherung, Bafin-überwacht und mit eigener IBAN und Visa Debitkarte, also wirklich seriös. Für mich bedeutet dies, dass ich mich nicht irgendwo im Darknet oder auf irgendwelchen dubiosen Coin-Wallets mit sehr unklarem Sicherheitsgefühl bewegen muss. Ich lud mir also die App herunter, durchlief den vollständig digitalen Onboarding-Prozess inkl. Video-Ident. In deutlich unter 30 Minuten hatte ich ein Konto bei Bitwala eröffnet. Im nächsten Schritt musste ich die Wallet sowohl für Bitcoin als auch Ethereum aktivieren, um sie tatsächlich nutzen zu können. Auch dieser Prozess war denkbar einfach, ich musste lediglich eine längere Liste an Wörtern mit Stift und Papier notieren, die mir im Fall des Falles ein Recovery meines Wallets ermöglicht. Ich lud das Konto mit einer Standard SEPA-Überweisung von meiner Hausbank mit einem überschaubaren 3-stelligen Eurobetrag auf, um das Ganze mal auszuprobieren. Dieser Prozess dauerte tatsächlich am längsten, nämlich über einen Tag. Meine Hausbank scheint noch kein Instant Payment zu unterstützen. Anfang Januar 2021 war es dann endlich soweit: als das Geld auf dem Konto eintraf wurde ich per Push-Nachricht alarmiert und habe mich sofort dran gemacht – innerhalb weniger Sekunden hatte ich das Geld je zur Hälfte in Bitcoin und Etherum investiert. Aus Neugier schaue ich seitdem sehr regelmäßig in die App und beobachte die Entwicklung meines Experiments. Der Wert meiner Coins schwankt jeden Tag extrem und beträgt nicht selten +/- um die 10 %. Als normalerweise sehr passiver und langfristig orientierter Investor ist dies eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Man sollte also doch recht starke Nerven mitbringen oder besser noch das Geld im Kopf direkt abgeschrieben haben. Die etwas über vier Monate seit Anfang 2021 waren aber bekanntermaßen ein sehr starker Zeitraum für Krypto-Investments und so darf ich mich derzeit über rund 100 % Plus freuen. Ich wäre aber nicht verwundert, wenn sich dies jederzeit dramatisch ändern würde.

 

Mein Fazit also zu diesem kleinen Krypto-Selbstexperiment?

Es ist extrem einfach in Krypto-Coins, insbesondere die sehr bekannten Bitcoin und Ethereum zu investieren und es gibt inzwischen Wege dies über sehr seriöse, überwachte Anbieter zu tun. Ein entsprechendes Investment, wenn man es denn so nennen möchte, bleibt aber abenteuerlich, sehr spekulativ und risikoreich. Gewinnchancen scheinen erheblich zu sein, aber ebenso sind es die Verlustrisiken. Für mein kleines Experiment habe ich mir vorgenommen mindestens das erste Jahr Haltefrist abzuwarten, um etwaige Gewinne zumindest nicht versteuern zu müssen. Außerdem ärgere ich mich natürlich dieses Experiment, wenn auch mit einem kleinen Betrag, nicht schon in 2017 oder schon eher eingegangen zu sein. Die letzten Jahre haben ja bekanntermaßen extreme Wertsteigerungen mit sich gebracht und meine kleine Hoffnung ist es vielleicht noch nicht vollkommen zu spät auf diesen Zug aufgesprungen zu sein. Wir werden sehen was diese Spielerei für einen Erfolg mit sich bringen wird. Es fühlt sich auf jeden Fall deutlich mehr nach Lotto, als nach Investment an.

 

2021 mit Bitcoin bezahlen?

Als „Bargeld-Ersatz“ nehme ich Bitcoin in diesem Selbsttest überhaupt nicht wahr, denn ich habe zwar eine Wallet-Adresse, an die ich mir Bitcoin oder Etherum senden lassen kann und in der Theorie auch meinen Bitcoin und Ehtereum für Zahlungsvorgänge nutzen könnte. In der Praxis bin ich in der realen Welt aber noch in keinem Checkout auf die Möglichkeit gestoßen dort Bitcoin einzusetzen, z.B. bei amazon, PayPal (deutsche Version), Apple Pay und anderen. Die einzige Option, von der ich zufällig aus einem Vortrag weiß, ist Lieferando. Da ich hier jedoch Apple Pay als Zahlart voreingestellt habe, komme ich hier gar nicht in Versuchung dies zu ändern. Es erscheint mir im Gedankenexperiment dann außerdem sehr unnatürlich und unpraktisch BTC 0.0003089010442636215 für die nächste Pizza zu bezahlen.

Nach meinen persönlichen Erfahrungen möchte ich nun einen etwas weiteren Blick auf die relevanten großen Player werfen, die sich in stetig zunehmender Zahl auch dieser komplexen Materie nähern und Neues ausprobieren sowie einmal hinterfragen was es damit genau auf sich hat.

 

Die großen Fische mischen mit – ein Überblick über Ansätze und Hintergründe

 Tesla

Tesla mit Elon Musk aus der sogenannten „PayPal-Mafia“ an der Spitze hat kürzlich sehr öffentlichkeitswirksam verkündet, die beträchtliche Summe von bis zu 1,5 Mrd. $ in Bitcoin zu investieren und entsprechend Cash-Reserven in Bitcoin zu halten. Darüber hinaus hat Tesla angekündigt, dass Kunden in der näheren Zukunft ihre neuen Tesla auch mit Bitcoins bezahlen können sollen. Kürzlich wurde bekannt, dass Tesla mit seinen Krypto-Investments allein im ersten Quartal 2021 rund 100 Millionen Dollar Gewinn erzielt hat (rund ¼ des Gesamtgewinns). Dies lässt diese Maßnahme zunächst mal als recht erfolgreich dastehen, gleichzeitig muss man sich jedoch fragen, ob Tesla nicht unnötig große Risiken in die Bilanz bringt durch die extreme Volatilität von Bitcoin. Musk ist bekennender Krypto-Fan und Kenner der Materie und fällt zuletzt immer wieder mit begeisterten Tweets zur als Spaß-Währung gedachten „Doge-Coin“ auf, die eine noch rasantere Entwicklung in den letzten Monaten als Bitcoin hingelegt hat. Allein Elon Musk scheint bereits eine enorme Marktmacht durch Tweets zu besitzen. Seine Tweets befeuern regelmäßig die Kurse oder lassen sie zeitweise auch drastisch einbrechen. Man darf sich schon die Frage stellen, ob ein Investment eines Konzerns wie Tesla in ein derart volatiles Finanzmittel bei der gleichzeitig sehr hohen Verantwortung für den inzwischen riesigen Autokonzern und seine tausenden Mitarbeiter nicht als grob fahrlässig zu klassifizieren ist oder doch als genialer Schachzug. Es ist mindestens extrem riskant. Etwas sachlicher betrachtet ergeben sich aber durchaus logische Gründe, z.B. für das Cash Management im Auslandszahlungsverkehr, das ein jedes weltumspannendes Unternehmen, wie es auch Tesla ist, als Herausforderung hat. Überweisungen und Umrechnungen in andere Währungen, Lieferantenbezahlungen über den Globus und das Erfordernis für ein weltumspannendes Netzwerk an Konten und Banken – all das braucht Bitcoin nicht. Mit Bitcoin sind länderübergreifend kostengünstig und direkte Zahlungen in beliebiger Höhe möglich, ohne die Notwendigkeit für Korrespondenzbanken und Clearingzyklen. Dies kann zu deutlichen Geschwindigkeitsvorteilen und Kosteneinsparungen führen. Die Frage ist nur, ob diese Einsparungen die extremen Risiken für die Bilanz wirklich aufwiegen können? Vor allem für einen Konzern wie Tesla, der sich Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat, ist Bitcoin eine heikle Wahl, da das Netzwerk bekanntermaßen in der Kritik steht extrem energiehungrig zu sein. Dies scheint nun auch Elon Musk bewusst geworden zu sein und sah er sich gezwungen vor wenigen Tagen die Reißleine zu ziehen und die Akzeptanz von Bitcoins als Zahlungsmittel auszusetzen, bis das Schürfen von Bitcoins großflächig auf nachhaltige Energiequellen umgestellt ist. Dies geschieht dieser Tage vor allem in Staaten mit geringen Energiekosten, wie beispielweise China oder Kasachstan und dort typischerweise mit Energie aus nicht-regenerativen Quellen. Die von Tesla erworbenen Bitcoins sollen jedoch nicht veräußert werden. Auf diese Nachricht folgte ein genereller Kurssturz für Bitcoin und viele weitere Krypto-Währungen.

 Visa

Als erste der großen Kartenorganisationen hat Visa im Februar 2021 angekündigt in Zukunft Kryptowährungen direkt zu unterstützen. Man will Banken eine Softwareschnittstelle bereitstellen, über die Zahlungen mit Kryptowährungen in das eigene Angebot integriert werden können. Das Angebot soll innerhalb dieses Jahres gestartet werden. Visa tastet sich verhältnismäßig langsam an das Thema heran. Ganz grundsätzlich könnte Bitcoin oder Kryptowährungen im Allgemeinen aber auch für Visa, insbesondere im Auslandszahlungsverkehr bedeuten, deutliche Kosteneinsparungen herbeizuführen und Geschwindigkeitsgewinne zu realisieren. Mit Bitcoin gäbe es keine Notwendigkeit für Clearingzyklen mehr, was die Abwicklung im eigenen Netzwerk enorm beschleunigen könnte. Ehrlicherweise bedeuten Kryptowährungen aber vor allem auch, dass Zahlungsnetzwerke wie Visa im Extremfall gar nicht mehr gebraucht werden würden. Insofern bedeutet die Annäherung an Kryptowährungen vor allem auch eine Auseinandersetzung mit der größten Bedrohung für die eigene Existenz. Derzeit ist es vor allem die fehlende Verbreitung und relative Komplexität für normale Endanwender und Händler, die Visa und andere Zahlungsanbieter vor den neuen digitalen Herausforderern schützen.

 Mastercard

Nach Visa hat inzwischen auch Mastercard verlauten lassen, noch in 2021 sein Netzwerk für Kryptowährungen zu öffnen. Voraussetzung ist, dass alle von Mastercard zugelassenen Kryptowährungen den im jeweiligen Einsatzgebiet gültigen Gesetzen entsprechen müssen. Mastercard erwartet, dass sich vor allem Stablecoins im Bereich der Endkunden durchsetzen werden. Ebenso wie für Visa gilt, dass Kryptowährungen im Allgemeinen für Mastercard Chance und Risiko zugleich sind. Chance sind sie, da sie Abwicklungskosten und Geschwindigkeit enorm verbessern können. Risiko sind sie, da sie das Potenzial besitzen Mastercard in die Bedeutungslosigkeit zu drängen bzw. den Man-in-the-Middle auszuschalten. Verständlich ist, dass Mastercard vor allem auf Stablecoins setzt (und hierzu wird auch der bereits viel diskutiere und erwartete digitale Euro zählen), da dies Sicherheit sowohl für Mastercard als auch für Händler und Verbraucher bedeutet und die enormen Schwankungsrisiken wie bei Bitcoin hier keine Gefahr darstellen. Stable Coins mit zentraler Vertrauensstelle (d.h. keine distributed ledger Technologie) bedeuten vor allem auch weiterhin Kontrolle über das Zahlungsverkehrsnetzwerk für Zentralbanken und Zahlungsabwickler und deutliche Geschwindigkeitsvorteile, d.h. auch bessere Skalierung.

 

PayPal

PayPal hat zunächst in den USA damit gestartet ihren Kunden zu ermöglichen Kryptowährungen in einer Krypto-Wallet innerhalb ihres PayPal Accounts zu halten. Vor kurzem wurde dann angekündigt, dass PayPal auch die Bezahlung mit Bitcoin als Checkout-Option für Händler und Endkunden ermöglichen wird (auch dies zunächst nur innerhalb der USA).
PayPal experimentiert damit unter den Schwergewichten des Zahlungsverkehrs am meisten und deutlichsten mit Kryptowährungen. Auch für PayPal bedeutet der Einsatz von z.B. Bitcoin deutliche Kosten- und Geschwindigkeitsvorteile beim internationalen Zahlungsverkehr. Signifikante Vorteile könnte PayPal erreichen, wenn man es schafft die Coins möglichst dauerhaft in einem eigenen Netzwerk zu halten, z.B. über eine Sidechain-Technologie, d.h. in solchen Fällen würden für PayPal überhaupt keine Netzwerkgebühren mehr anfallen und man könnte die monetären Werte dauerhaft in einem selbst kontrollierten Netzwerk halten und wäre darüber hinaus noch weitgehend unabhängig von Banken und anderen Zahlungsanbietern wie den großen Kreditkartenorganisationen. Dies ist aber sicher erstmal eine sehr extreme Vision, von der man noch weit entfernt ist. Da PayPals größte Kostenposition aber die Gebühren für Banken und Zahlungsnetzwerke sind, ist es absolut logisch, dass man Wege sucht und findet diese Kosten zu senken oder im Idealfall gar zu eliminieren.

 

Nets/Concardis

Kürzlich angekündigt wurde der Rollout von Softwarelösungen zur Akzeptanz von Kryptowährungen an klassischen POS Terminals von Nets/Concardis in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Softwareanbieter Salamantex. Man hat dort bereits in Pilotprojekten in den vergangenen Monaten Erfahrungen gesammelt und möchte die Lösung nun in ganz Österreich für alle Händler ausrollen. Voraussetzung sind ein entsprechender Vertrag und ein hierfür mit entsprechender Software ausgerüstetes kryptofähiges Terminal.

Zunächst werden Zahlungen mittels Bitcoin, Ether und Ripple ermöglicht. Die Aufnahme weiterer Währungen, insbesondere staatlicher wie beispielsweise dem antizipierten Digitalen Euro sind angedacht. Laut Pressemitteilung von Nets kann der Händler wählen, ob das Settlement in Euro (zu den jeweils gültigen Umrechnungskursen) oder der jeweiligen Krypto-Währung erfolgen soll. In der Pressemitteilung steht, dass der Händler sein Transaktionsbetrag sofort erhalten kann ohne das Risiko von Schwankungen im Umrechnungskurs. Im Falle eines Settlements in Krypto-Währung wäre es eigentlich theoretisch möglich, dass die jeweilige Zahlung direkt an ein Wallet des Händlers erfolgt. Im Falle einer Umrechnung in Euro würde vermutlich ein Collecting durch Nets stattfinden müssen mit anschließendem Settlement. Bei dem Thema Kosten ist von „marktüblichen“ Gebühren in etwa in der Höhe von Kreditkartenfees die Rede.

Interessant wird hier werden wie sich solche Lösungen, wo eigentlich eine direkte Übertragung von Werten zwischen Kunden und Händlern möglich wäre, eine Monetarisierung für Payment Service Provider in der Mitte darstellen wird. Sollte der Payment Service Provider nicht in den direkten Geldfluss eingebunden sein, hätte er auch entsprechend keine finanziellen Risiken und damit wäre eine entsprechende Vergütung (wie etwa bei Kreditkartenzahlungen) eigentlich nicht angemessen. In solchen Fällen wäre die rein technische Dienstleistung die Transaktion zu ermöglichen zu bepreisen. In den Fällen, wo der Payment Dienstleister ein Collecting und entsprechende Umwandlung in Fiat-Währung für den Händler durchführt, wäre eine entsprechende Gebühr hingegen gerechtfertigt. Fraglich ist hier nur, ob das im Sinne der Erfinder von dezentralen Krypto-Währungen ist, die genau diese Intermediäre überflüssig machen möchten. Man darf gespannt bleiben, wie sich diese Anwendungsfälle und Preismodelle entwickeln und im echten Leben darstellen.

Instant Payment, EPI und CDBC (Digitaler Euro)

Die großen Player am Markt bekommen darüber hinaus stetig mehr Gegenwind aus den verhäuft ins Leben gerufenen europäischen, staatlichen und privaten Initiativen. Am wichtigsten sind hier Instant Payment, das den Zahlungsverkehr in Europa beschleunigen soll, EPI, welches sich zum Ziel gesetzt hat ein neues Bezahlverfahren auf europäischer Ebene als Gegenpol zu den großen Kreditkartenschemes sowie Wallet-Anbietern und im engen Zusammenhang dazu noch die Planung des digitalen Euro, als digitaler Variante des Euros analog zu einer zentral verwalteten Krypto-Währung. Der Wettbewerbsdruck im Markt rund um die dominierenden Bezahlverfahren in Europa nimmt also beständig zu. Zum einen gilt es für die europäischen Player ein Gegengewicht zu den dominierenden amerikanischen Konzernen zu schaffen, zum anderen aber auch private oder gar anonyme dezentralen Zahlungsnetzwerken wie dem Bitcoin etwas entgegen zu setzen. Im Kern geht es darum die Kontrolle über den Zahlungsverkehr zu behalten und das Vertrauen in die europäischen Institutionen und Zahlungsverkehrsanbieter in Europa zu stärken. Jeder der Beteiligten, sei es auf privater oder staatlicher Ebene, verfolgt hier ganz eigene Partikularinteressen sich durchzusetzen. Unter dem Stichwort MiCA (Markets in Crypto-Assets) verbirgt sich beispielsweise die Idee einer europäischen Regulierung des Krypto-Marktes. Eine entsprechende Verordnung soll voraussichtlich Ende 2022 in Kraft treten.

Ein Ausblick in die Zukunft

Es gibt inzwischen mehrere tausend Krypto-Währungen (von Finanzbehörden in der Regel übrigens als Asset und nicht als Währung klassifiziert) und eine Vielzahl weiterer, privater und staatlicher Initiativen. Der Markt ist wirklich unübersichtlich und wird stetig komplexer. Gleichzeitig sinken vielerorts die Eintrittsbarrieren, wodurch es dem einfachen Bürger immer leichter gemacht wird mit Kryptowährungen in Kontakt zu kommen und zu experimentieren. Ein Blick in die Glaskugel lässt vermuten, dass das Thema weiter an Relevanz zunehmen wird. Ist das Thema schon so Mainstream, dass sich meine Großeltern damit auseinandersetzen würden? Ich würde sagen nein. Auch nicht meine Eltern. Die meisten meiner Bekannten auch nicht. Aber die Zeit wird denke ich bald kommen. Das Thema wird relevanter und je mehr Anbieter und Lösungen auf den Markt kommen, umso relevanter wird die Reduzierung der Komplexität für Endkunden. Die großen Marktplayer beobachten das Thema sehr ernsthaft und experimentieren mit den ersten Lösungen. Zu Recht, denn sie laufen ernsthaft Gefahr durch die technischen Fortschritte und das Fortschreiten des Überflüssigmachens der Intermediäre zunehmend bedeutungslos zu werden. Wir werden eine deutlich erstarkende Lobby erleben, die gegen die Entmachtung staatlicher und zentraler Stellen im Zahlungsverkehr kämpfen wird. Denn in einer Welt in der der Zahlungsverkehr komplett dezentralisiert und ohne zentrale Vertrauensgeber funktioniert, da braucht sie eben niemand mehr. Diese Dystopie der Zahlungsverkehrswelt mag vielleicht noch einige Zeit in der Zukunft liegen, aber vielleicht weniger weit weg, als es dem einen oder anderen lieb ist. Mainstream ist das Thema noch nicht. Aber vor wenigen Jahren hatten auch nur echte Nerds einen Nokia Communicator in der Tasche (oder besser im Rucksack). Heute hat jeder seine E-Mails in der Hosentasche.

Ich bin gespannt…auch wann ich denn nun endlich Krypto-Millionär sein werde.

„Zukunft des Handels: ein Ende des Payment Wettbewerbs?“

Payment ist kein Selbstzweck

Payment ist ein Wachstumsmarkt und es entstehen auch im Jahr 2020 beinahe täglich spannende Startups, neue Bezahlmethoden und interessante Partnerschaften. Es werden exorbitante Summen von Private Equity Firmen und anderen Marktteilnehmern für Paymentfirmen gezahlt, immer in der Hoffnung auf das noch größere Wachstum und die Gewinne in der Zukunft. Dabei sollte man jedoch nie vergessen, dass Payment kein Selbstzweck ist. Niemand braucht Payment um des Payments willen. Payment wird gebraucht, um Handel zu ermöglichen. Der Tausch von Waren und Dienstleistungen gegen Geldwerte ist der ureigene Zweck, warum es Payment Services gibt. Es hilft den vielen Firmen und Menschen, ihre Waren und Dienstleistungen an andere Menschen und Marktteilnehmer verkaufen zu können. Dass die Kunden und Verbraucher es toll finden, wenn dies möglichst einfach und reibungslos geht, ist klar. Vermutlich hätte aber auch niemand etwas dagegen, wenn man auf den lästigen Prozessschritt „Bezahlen“ gänzlich verzichten könnte. Insbesondere vor dem aktuellen Hintergrund des Corona Virus und der Übertragbarkeit von Viren über Bargeld oder Bezahlterminals, verweisen viele Händler darauf, die Vorzüge des bargeldlosen und idealerweise sogar kontaktlosen Bezahlens zu nutzen. Das führt uns zu einer steilen These: der heilige Gral des Payments wäre es, sich selbst abzuschaffen – das Payment überflüssig zu machen. Naja, vielleicht nicht überflüssig, aber eben noch stärker in den Hintergrund zu treten und nahtlos in die Prozesse zu integrieren. Das heißt komplett geräuschlos. Ohne Interaktion.

Das Anstehen an der Kasse wird wegoptimiert

Schon seit geraumer Zeit haben die großen Supermarktketten EDEKA und REWE in Deutschland Services wie Self-Scanning für den Checkout als Piloten eingeführt, im Ausland schon viel früher. Die eigentliche Arbeit soll möglichst an den Endkunden ausgelagert werden, Kassierer werden dabei zunehmend überflüssig bzw. auf eine überwachende Funktion reduziert. Leider bleibt immer noch ein letzter Prozessschritt über – der Kunde muss noch bezahlen. Auch das Zahlen würde man dem Kunden gerne abnehmen und so entwickeln sich aktuell Konzepte wie Amazon Go. Saturn experimentiert ebenfalls mit dieser Art an unkomplizierter und nahtloser Kaufabwicklung, auch Real pilotiert solche Tests. Alle haben gemeinsam, dass sie auf die ein oder andere Art versuchen den Prozess des „Ware aufs Band legen und Bezahlen“ vollständig zu automatisieren bzw. abzuschaffen. In manchen Fällen muss der Kunde hier eine App nutzen, um dann selber die Waren zu scannen und am Schluss in der App oder an einem Bezahlterminal zu bezahlen. Im Idealfall geht der Kunde einfach mit der Ware in der Hand aus dem Laden, dabei erkennt Smart Technology den Kunden und die Ware und rechnet den Einkauf vollautomatisch ab, wie zum Beispiel bei Amazon Go. Der Kunde erhält seinen Bon oder eine Rechnung einfach in der App oder per Email zugeschickt, sobald er aus dem Laden gegangen ist. Diesen aus Kundensicht sehr einfachen Bezahlprozess kennt man schon vom Uber-Produkt. Alles, was der Kunde vielleicht noch merkt, ist die Abbuchung auf dem Konto oder er sieht den Eintrag auf der Kreditkartenabrechnung. Hierfür hat sich der Kunde im Regelfall vorher irgendwo registriert, z.B. in einer App, seine gewünschte Zahlart hinterlegt und die Zahlung einmalig autorisiert. Das besondere an diesen Prozessen ist, dass sie sich auffällig stark denen aus dem eCommerce angleichen. Der große Unterschied zum Bezahlen am POS ist, dass der Kunde nicht mehr bei jedem Kauf entscheidet, wie er bezahlt, sondern dies nur einmal festlegt und entsprechend für wiederkehrende Zahlungen in der Zukunft einmalig autorisiert. Entsprechend ist diese hinterlegte Zahlart für immer oder bei Kreditkarten bis zum Ablauf der Gültigkeit festgelegt. Der Wettbewerb der Zahlarten ist beendet, die Zahlungsmethode vordefiniert und fest eingespeichert. Amazon als der relevante Player im eCommerce überträgt seine Kompetenz aus der Online-Welt mehr und mehr auch in die Offline-Welt. Nach dem Kauf von Whole Foods, experimentiert Amazon mit Amazon Go nun mit eigenen physischen Stores und hat bereits angekündigt, diese Technologie auch anderen Händler anzubieten.

Aus IOT werden schnell Maschine-zu-Maschine-Payments

Immer mehr Geräte im Alltag sind im Jahr 2020 vernetzt, werden smart und zunehmend selbstständig. Gemeint sind inzwischen weit verbreitete Geräte wie Google Home oder Amazon Alexa, aber auch des Deutschen liebstes Spielzeug, das Automobil. Bis das Auto selbstständig die Bezahlung an der Tankstelle auslösen kann, wird nicht mehr viel Zeit vergehen. Erste Initiativen wie Shell SmartPay oder BPme gehen bereits in diese Richtung. Bezahlen, ohne den eigentlichen Bezahlprozess durchzuführen, geht auch bereits im Voice Commerce mit Amazon Alexa. Bei der Bestellung per Sprache wird das Einkaufserlebnis im Extremfall auf wenige Worte wie „Alexa, bestell neues Toilettenpapier!“ reduziert. In Zeiten von Corona, wo das Toilettenpapier zum Statussymbol mutiert, vielleicht gar nicht so schlecht. Keine langwierige Artikelauswahl mehr mit Preisvergleichen und Lesen von Bewertungen. Die Entscheidung über die Auswahl des Zahlmittels? Die ist einmal bei der Einrichtung erfolgt und wird nie wieder beachtet. Die Zahlung wird einfach ausgeführt. Auch an dieser Stelle gibt es dann keinen Wettbewerb der Zahlarten mehr.

Verschmelzung von POS und eCommerce führt zur Vereinheitlichung der Bezahlwege

Ein weiterer wichtiger Trend im Handel ist Omni-Channel. Als großes Buzzword von der Paymentindustrie durchs Dorf getrieben, schafft es dieser Trend so langsam in die Realität. Kunden erwarten und fordern ein einheitliches Einkaufserlebnis und das Auflösen der Grenzen zwischen stationärem Handel und Online-Handel. Für Kunden diverser Händler ist es inzwischen selbstverständlich die im Internet oder mobil gekaufte Ware im nächsten Laden umzutauschen und anders herum. Ist ein gewünschter Artikel im Laden nicht verfügbar, kann dieser problemlos nach Hause geliefert werden. Der Kunde erwartet ein durchgängiges Erlebnis, die hinterlegte Versandadresse sollte dem stationären Laden genauso bekannt sein wie dem Online-Shop. Ebenso verhält es sich mit den Zahlarten. Nahtlose Übergänge, Rückzahlungen und Bezahloptionen. Alles eine Selbstverständlichkeit aus Kundensicht. Für Unternehmen, Händler und Payment-Dienstleister bedeutet dies großzügige Umbaumaßnahmen, Vereinheitlichung der Legacy IT-Infrastrukturen, Anpassung der ERP-Systeme und -Prozesse sowie vor allem für Dienstleister natürlich, dass sie ein Angebot und eine Lösung aus einer Hand anbieten müssen. Der Händler braucht für sein Business alles, was der Kunde verlangt. Alle großen Payment-Anbieter haben sich inzwischen mehr oder weniger gut darauf eingestellt und ihre Systeme, Services und Lösungen optimiert. Hier zeigt sich, dass sich die beiden Welten nicht nur angleichen, sondern es gar überlappende, durchgängige und interaktive Warenwirtschaftsprozesse geben kann. Klar, dass dies auch zur Vereinheitlichung der Bezahlalternativen führen wird und dies bereits auch so wahrgenommen wird.

Die Zukunft des Payments ist der Hintergrund

Sein hart verdientes Geld abzugeben, macht selten Spaß. Quälend langsame Prozesse, mühsame Eingaben von Sicherheitsfeatures und das Merken all der 3DS Passwörter… so wirklich will das kein Mensch. Und ein Händler will eigentlich nur Umsatz machen, d.h. Conversion. Die Einzigen, die Umständlichkeit toll zu finden scheinen, sind die Regulatoren, die mit der PSD2 gerade die Latte noch ein wenig höher gehängt haben und dem Verbraucher das Bezahlen ein wenig schwerer machen werden. Umso mehr wird der Wunsch bei den Kunden reifen, diesen unerfreulichen Prozess aus dem Sichtfeld in den Hintergrund zu verbannen. Bezahlen mit einem kurzen Blick aufs Handy (FaceID & ApplePay oder Google Pay), einem kurzen Button-Click (PayPal OneTouch) oder einfach gemütlich aus dem Laden spazieren (Amazon Go) – der eigentliche Bezahlvorgang rückt in den Hintergrund, wird am besten beinahe unsichtbar. Diejenigen, die sich bei diesem großen Trend an erster Stelle platzieren können und die der Kunde als präferierte Bezahlmethode einspeichert, werden die Gewinner der nächsten großen Epoche des Payments werden. Je weniger der Kunde aktiv tun muss, um sich an dem Bezahlvorgang zu beteiligen, desto besser werden es die Kunden im Kontext eines mehrwertstiftenden Einkaufserlebnisses finden. Und dann wird sich lange nichts mehr ändern. Warum sollte der Kunde seine Zahlart wechseln, wenn alles still und leise im Hintergrund funktioniert? Welchen Anreiz hätte er denn? Ich meine… vermutlich keinen oder der Payment-Anbieter muss sich die Präferenz teuer erkaufen…

Etwas einfach erscheinen zu lassen, ist meist die größte Herausforderung

Das Unternehmen Apple investiert Millionen, wenn nicht gar Milliarden in die Entwicklung und das Design seiner Produkte. Es ist kein Zufall, dass iPhones derart leicht zu bedienen sind und ein sehr schlichtes Design haben. Wer schon mal versucht, hat ein Bild zu malen oder eine Webseite zu designen, der weiß, dass es wahnsinnig schwer ist, Dinge ganz elegant und schick aussehen zu lassen oder einen Endkundenprozess so zu gestalten, dass er sich ganz natürlich anfühlt. Dasselbe gilt, wenn man versucht das Payment in den Hintergrund rücken und alles ganz leicht erscheinen zu lassen. In der Tiefe ist Payment wahnsinnig fragmentiert und kompliziert. Es gibt eine Vielzahl an Protokollen, Regelungen und beteiligten Marktteilnehmern. Allein die neuerlichen Regelungen zur Strong Customer Authentication mit der Payment Service Directive 2 und dem damit einhergehenden neuen Standard 3DS 2.0 sind schwindelerregend kompliziert. Schaut man auf Deutschland ist insbesondere die sehr dezentrale und inhomogene POS Infrastruktur eine große Herausforderung. Hier den notwendigen Grad an Standardisierung und Harmonisierung zu erreichen, der notwendig sein wird, um für den Endkunden die Welt des Payments quasi unsichtbar zu machen, wird große Herausforderungen für Payment Service Provider, Netzbetreiber, Acquirer, Händler, Schemes und Regulatoren gleichermaßen bedeuten.

Wie herausfordernd Standardisierung sein kann, wenn man sie im internationalen Kontext herbeiführen will, das lässt sich in den letzten Jahren eindrucksvoll bei dem Versuch beobachten, einen einheitlichen Stecker-Standard zum Laden von Mobiltelefonen einzuführen. Seit Jahren versucht die EU dies voranzutreiben und die Hersteller, allen voran Apple, werden immer kreativer die Regelungen der EU zu umgehen. Vor ähnlichen Herausforderungen wird die Payment Welt stehen. Niemand der Anbieter in der Wertschöpfungskette wird ein großes Interesse daran haben, sich selbst überflüssig zu machen und sich in der Unsichtbarkeit verstecken zu lassen. Das Wettrennen der Payment Anbieter zum „Alles-Könner-Omni-Channel-Alles-aus-einer-Hand-Payment-Anbieter“ wird auch 2020 weiter gehen, denn jeder will genau das seinen Kunden anbieten können. Alles aus einer Hand, nahtlos integriert, weitestgehend im Hintergrund und dabei als Unternehmen doch noch selber gutes Geld verdienen.

Wir dürfen sehr gespannt sein, welcher Payment Anbieter es schaffen wird, all diese Herausforderungen seines Business bestmöglich aufzulösen. Klar ist, die Abgrenzung zwischen Online und Offline verschwimmt immer mehr und Vertreter beider Milieus versuchen dieses nahtlos abzudecken…

Künstlicher Intelligenz im Banking & Payment

Schaffen wir uns wirklich selbst ab?

Das Thema künstliche Intelligenz ist dieser Tage in aller Munde. Die Bundesregierung plant mehrere Milliarden auszugeben, um den Standort Deutschland fit zu machen und um im ausufernden Wettstreit um die Forschung rund um Themen der künstlichen Intelligenz mithalten zu können. Die Unternehmen aus dem Silicon Valley konkurrieren mit Ablösesummen für begehrte Forscher. Man könnte meinen, die künstliche Intelligenz sei dabei die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Mythen und Geschichten zeichnen diverse Horrorszenarien nach und überbieten sich gegenseitig in der Dramatik. Prominente wie Elon Musk und der kürzlich verstorbene Stephen Hawking warn(t)en vor nichts weniger als dem Untergang der Menschheit.

Höchste Zeit sich mit dem Thema auch einmal auf unserem OSTHAVEN Blog auseinander zu setzen – sachlich, differenziert und konkret bezogen auf unsere Branche – Banking & Payment.

Künstlich? Intelligenz?

Lassen Sie uns damit beginnen, zunächst einmal genau unter die Lupe zu nehmen, über was wir eigentlich sprechen. Bevor wir uns mit dem „künstlichen“ Teil der Intelligenz befassen, wollen wir uns zunächst einmal nur dem Thema „Intelligenz“ widmen. Bis heute ist das Gebiet der „Intelligenz“ weitestgehend unerforscht und es mangelt bereits an einer eindeutigen Definition, was genau Intelligenz eigentlich ist. Die bestehenden Definitionen verschwimmen zwischen Biologie, Physik und Philosophie. Auch bis zum heutigen Tage verstehen wir nicht genau, wie wir Menschen eigentlich funktionieren. Laienhaft kann man sagen, dass unser Körper von Nervenbahnen und Muskeln durchzogen ist, wobei in deren Steuerungszentrale, dem Gehirn, alle Fäden zusammenlaufen. In unserem Gehirn und den Nervenbahnen fließen Neuronen hin und her und schalten und walten ganz ähnlich wie in modernen Computerprozessoren unser Denken und Handeln. Ab der Geburt, und genau genommen schon vorher, lernen wir Menschen nach und nach all unsere Fähigkeiten. In unseren ersten Lebenswochen erlernt unser Gehirn beispielsweise, dass das, was wir vor unseren eigenen Augen sehen, unsere eigenen Arme, Hände, Beine und Füße sind und wir diese mit gezielten Muskelkontraktionen steuern können. So wird aus dem süßen tollpatschigen Baby, das sich unbewusst mit der Hand ins Gesicht schlägt, irgendwann das süße Kleinkind, das bewusst seine wackeligen ersten Schritte macht. Hinter diesem Prozess steckt ein uns bisher nicht vollständig verständliches komplexes Zusammenspiel von Nerven, Gehirn und Muskeln. Man könnte sagen – ein Wunder. Je mehr wir das Gebiet erforschen, umso mehr sehen wir aber auch, dass es im Grunde genommen zwar sehr komplex aussieht, im Kleinen aber einfache biologische und physische Prozesse sind, die zusammenwirken. Noch weitaus komplizierter wird es, wenn man einmal darüber nachdenkt, was genau unsere Seele ist, wo unser freier Wille entsteht und einfach gesagt, was uns eigentlich jeden Morgen dazu bringt aus dem Bett aufzustehen und all das zu tun, was wir den ganzen Tag lang so tun.

Der Volksmund würde uns Menschen pauschal als intelligente Wesen deklarieren. Manche sicherlich intelligenter als andere. Der Mensch tut Dinge mit Verstand. Der Mensch wägt ab. Der Mensch plant voraus. Der Mensch agiert basierend auf Erfahrungen und Gelerntem. Der Mensch probiert aus. Der Mensch macht aber auch Fehler. Warum das so ist? Eine Frage, die wir nach heutigem Kenntnisstand nicht vollständig beantworten können. Aber wir sind uns sicher – wir sind intelligent.

Und nun hat der Mensch sich das ehrgeizige Ziel gesetzt diese „Intelligenz“, die er weder genau versteht, noch genau definieren kann, künstlich nachzubauen. Halten wir also schon einmal fest, dass wir das Ziel, was wir verfolgen, nicht genau verstehen oder definieren können.

Wir sind nun angekommen bei den interessanten Aspekten dieses Dilemmas, das dieses Thema unheimlich reizvoll, spannend und vielseitig macht. Die Forschung rund um die künstliche Intelligenz betritt ein neues Feld und treibt die anderen Forschungsrichtungen vor sich her und hat inzwischen sogar dazu beigetragen, dass wir Menschen uns besser verstehen.

Vereinfacht gesagt hat man damit begonnen, die erforschten Bereiche und Funktionsweisen des menschlichen Gehirns mit Computern, die letztlich sehr komplexe elektronische Verschaltungen sind, nachzubilden.

Mensch gegen Maschine – zwei einfache Beispiele

Für das folgende Gedankenexperiment stellen Sie sich ein Foto einer beliebigen Katze vor. Wer kann schneller erkennen, ob es sich bei dem Tier auf dem Foto um eine Katze handelt – Mensch oder Maschine? Die Antwort ist in aller Regel – der Mensch. Für ein weiteres Gedankenexperiment überlegen Sie bitte kurz, wem es leichter fällt die folgende Formel auszurechnen: (2342 * 2345) / 234444 + 23445 * 12499584 – Mensch oder Maschine? Wir geben uns in dieser Disziplin wohl gerne der Maschine geschlagen und nutzen in aller Regel den Taschenrechner für solche Aufgaben.

Eine Forscherin der Stanford University hat gemeinsam mit Google einer künstlichen Intelligenz beigebracht, Katzen auf Bildern zu erkennen. Beliebige Katzen, in beliebigen Farben, Positionen und Ausschnitten. Hierfür musste die künstliche Intelligenz in einem mühsamen Prozess mit über 1 Million Bildern händisch trainiert werden. Legt man dieser künstlichen Intelligenz danach ein Bild eines Hundes vor, ist sie ratlos.

Was wir in diesen beiden Gedankenexperimenten sehen können, ist, dass Computer wahnsinnig gut mit strukturierten, formalisierten Inhalten arbeiten können, wie es beispielsweise Rechenformeln sind. Es gibt hier klar definierte Zahlen, Operatoren und Rechenregeln, die eingehalten werden müssen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Computer können dies in Geschwindigkeiten erledigen, die für das menschliche Gehirn nicht denkbar sind.

Wir können ebenfalls erkennen, dass das menschliche Gehirn gemeinsam mit seinen verschiedenen Sinnesorgangen beeindruckend gut mit unstrukturierten und unvollständigen Datensätzen arbeiten kann. Wir lernen als kleines Kind einmal was eine Katze ist und können bis an unser Lebensende Katzen erkennen; auch Katzen in anderen Farben und gänzlich anderen Formen. Wir Menschen sind in der Lage, das Format „Katze“ entsprechend zu abstrahieren und in völlig neuen Gegebenheiten anzuwenden. Der einfachste Weg dies zu verdeutlichen ist, dass jeder Mensch, der weiß wie eine Katze aussieht, in der Regel auch eine Katze zeichnen kann. Diese Zeichnungen haben meist immer mindestens eines gemeinsam – die spitzen Katzenohren. Meist fügen wir außerdem noch einen Schwanz hinzu.

Der beeindruckenden Forschung der Stanford University ist es zu verdanken, dass wir diese Fähigkeiten auch Computern antrainieren können. Gleichzeitig zeigt diese Forschung aber auch die enormen Herausforderungen auf, die ein solches Ziel mit sich bringt und verdeutlich ganz nebenbei, die sehr unterschiedlichen Stärken und Schwächen, die wir Menschen und Computer haben.

Anwendungsfelder künstlicher Intelligenz im Banking & Payment

Im Bereich Payment ist das Thema künstliche Intelligenz, insbesondere der Teilbereich maschinelles Lernen und Mustererkennung, bereits seit langer Zeit fester Bestandteil. Das prominenteste und verbreitetste Beispiel ist die Risikoüberwachung bei Zahlungsdienstleistern und Kreditkartenunternehmen. Durch Systeme, die auf künstlicher Intelligenz aufbauen, wird das Aufdecken von Kreditkartenbetrug heutzutage in aller Regel in Echtzeit unterstützt. Etabliert haben sich in diesem Bereich Unternehmen wie zum Beispiel Risk Ident, Fraugster oder Feedzai, aber auch Unternehmen wie Adyen setzen auf diese Technologien. Im Bereich Forderungsmanagement etabliert sich derzeit das Unternehmen collectAI aus der Otto Gruppe, die eine durch künstliche Intelligenz optimierte, automatisierte und individualisierte Kundenansprache im Forderungsmanagement umsetzt und hiermit Aufwände minimiert, bei gleichzeitig höheren Erfolgsraten im Forderungsprozess.

Etwas differenzierter und noch nicht ganz so verbreitet ist der Einsatz der neuen Technologien im Bereich Banking. Erste Marktteilnehmer etablieren sich im Bereich der Robo Advisor, wie beispielsweise Scalable Capital, die einen value-at-risk Investmentansatz verfolgen und fortschrittliche Risikomanagement- und Simulationsalgorithmen benutzen, die im Kern auf Technologien der künstlichen Intelligenz beruhen. Finale Investmententscheidungen werden aber auch hier interessanterweise immer noch  von  Menschen kontrolliert. Mehr und mehr Anwendungen findet man im Bereich der Auswertungen von Bankkonten, die automatisiert Ausgaben Kategorien zuordnen und Muster in Kontenbewegungen aufspüren, um Budgets und Ausgaben zu planen oder zu kontrollieren. Beispiele auf diesem Gebiet sind die App numbrs, der Kontowecker der Sparkassen oder N26. Noch weiter gehen schließlich Programme, die selbstständig Kontobewegungen auslösen, wie beispielsweise savedroid. Hinzu kommen Applikationen, die Finanztipps auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse geben und mehr und mehr Chatbots sowie Self-Service Angebote. Kombiniert man all diese Dinge und denkt sie ein bisschen weiter, wird in Zukunft eine vollautomatisierte, individualisierte und durch künstliche Intelligenz unterstützte vollumfängliche Bankberatung möglich sein.

Das Bankgeschäft erweist sich als prädestiniert für den Einsatz dieser Technologien aus dem einfachen Grund, dass die Datengrundlage von Banken hoch standardisiert und die Prozesse in Banken stark reglementiert und formalisiert sind. Einfach ausgedrückt kann man annehmen, dass Prozesse in Banken insbesondere dann durch künstliche Intelligenz gestützte Technologien ersetzt oder erweitert werden können, wenn sie klaren und formalen Regeln folgen.

Was in der Zukunft mit künstlicher Intelligenz im Banking & Payment wichtig wird

Insbesondere mit dem Blick auf das Payment und Banking Umfeld haben wir einige Aspekte identifiziert, die wir bei den Fortschritten in der künstlichen Intelligenz für die wichtigen Themen der Zukunft halten.

Diese Aspekte sind:

Ein Plädoyer für die Zusammenarbeit und das ewige Dilemma von KI

Die Welt wird sich verändern. Computer werden Tätigkeiten übernehmen, die heute von Menschen erledigt werden. Aber bis auf weiteres werden Menschen nicht von Computern verdrängt. Viele Aufgaben werden sich verändern und gänzlich neue werden entstehen. Bis auf weiteres werden vor allem Computer uns Menschen brauchen, die ihnen die Dinge beibringen, die wir gerne automatisieren möchten. Ein Computer kann von alleine erstmal weniger als ein Baby, das auf die Welt kommt und das man vollkommen alleine lassen würde. Wie das Baby benötigt der Computer einen Menschen, der ihm die Welt zeigt, erklärt und ihm beibringt, wie er seine Aufgaben zu erledigen hat.

Menschen sollten sich auf die künstliche Intelligenz einlassen und die jeweiligen Stärken von Mensch und Computer einsetzen, um den Gesamtnutzen zu maximieren.  Wir werden damit kostbare Lebenszeit freisetzen, die wir für neue, kreative und wichtige Dinge werden nutzen können, während wir langweilige, wiederkehrende Tätigkeiten mehr und mehr automatisieren werden.

Das große Dilemma von künstlicher Intelligenz ist gleichzeitig der wichtigste Punkt für die Menschen. Computer sind dumm. Computer arbeiten erst dann, wenn man ihnen ein klares Ziel vorgegeben hat; wenn der Mensch ihnen ein Ziel vorgegeben hat. Darin steckt die große Chance, dass Menschen bis auf weiteres nicht überflüssig werden. Gleichzeitig steckt in diesem feinen Detail auch eine große Gefahr. Denn Computer verfolgen das Ziel, das man ihnen vorgibt, mit aller Kraft. Auch, wenn es das falsche Ziel ist oder ein unmoralisches Ziel ist. Dazu zum Abschluss ein sehr einfaches Beispiel zum Nachdenken: Stellen Sie sich eine vollautomatisierte Bankberatung vor. Die künstliche Intelligenz übernimmt alle ihre Bankgeschäfte vollautomatisch, inklusive ihrer Investmententscheidungen. Der dahinterstehende Computer kann nun zwei ähnliche, aber doch grundlegend verschiedene Ziele vorgegeben bekommen. Er kann zum einen das Ziel vorgegeben bekommen, ihr Investment zu maximieren – das heißt risikooptimiert, kostenoptimiert und renditeoptimiert das Beste für Sie herauszuholen. Er könnte aber zum Anderen auch das Ziel vorgegeben bekommen, ihr Investment zu maximieren, dabei aber gleichzeitig die Erträge der Bank zu optimieren, in dem er zum Beispiel ausschließlich ETF-Produkte der eigenen Bank erwirbt, die vielleicht nicht die kostengünstigsten für den Kunden, aber die ertragsstärksten für die Bank sind. Denken Sie, sie würden den Unterschied bemerken? Und wer überwacht diese Algorithmen? Ihre Bank?

Wir stehen erst ganz am Anfang dieser Geschichte…