„Fluch oder Segen – vom (Miss-)Verständnis zwischen Banken und FinTechs“

Fluch oder Segen – vom (Miss-)Verständnis zwischen Banken und FinTechs?“

POSTED ON 05. FEBRUARY 2019 BY HENRIK BÜTTGEN

Sind Banken und FinTechs in der Realität angekommen?

Banken und FinTechs, vor nicht allzu langer Zeit noch wie Feuer und Wasser, sind inzwischen in der Realität angekommen. Die FinTechs suchen immer häufiger Unterstützer für die eigenen Ideen und finden diese mehr und mehr im Bankenumfeld, denn auch hier hat ein Umdenken stattgefunden. Und jedes der beiden ehemals „verfeindeten“ Lager scheint seine Position im Spiel um die Kundengunst gefunden zu haben und besinnt sich auf seine Stärken.

Wie kam diese Entwicklung zustande?

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung hatten die Medien mit ihrer teils scharfen Berichterstattung. Es wurde das Lied auf das Bankensterben angestimmt, weil die jungen Wilden nun sämtliche Aufgaben der Banken übernähmen und das besser, als diese es je könnten. Dass einige FinTechs zu diesem Zeitpunkt bereits verstanden hatten, wie eine Zusammenarbeit mit den Banken funktionieren kann, blieb dabei unerwähnt.

Doch wie sieht es nun wirklich aus?

Aktuell jagt eine Nachricht über große Finanzierungsrunden für FinTechs die nächste und die Ideen für Dienstleistungen im Finanzsektor werden nicht weniger. Alleine in 2018 wurden im Schnitt pro Woche etwa zwei FinTechs gegründet.

Betrachten wir nun den für uns besonders interessanten Bereich Payments/Zahlungsverkehr, so bewegen wir uns bei den Neugründungen im Bereich und nur etwa zwei Prozent konnten Kapital für ihre Ideen einsammeln.

Warum ist das so?

Was haben die noch am Markt befindlichen FinTechs anders gemacht als diejenigen, die nach dem Verbrauch des Kapitals die Segel streichen mussten, weil sie an der Realität scheiterten? Denn auch diese Nachrichten treten in gleicher Frequenz auf wie die zu Finanzierungsrunden.

Erfolgreiche FinTechs haben allesamt erkannt, dass eine Kooperation mit Banken der richtige Weg zu sein scheint. Hier seien exemplarisch N26, Kontist, Deposit Solutions und  Raisin (u.a. Weltsparen) genannt.

Außer bei N26, die bereits über eine Banklizenz verfügen, nutzen die anderen Unternehmen ein Bankinstitut als Lizenzschirm und auch zur Abwicklung als Basis für den erfolgreichen Betrieb ihrer jeweiligen Geschäftsmodelle.

Besonders wenn das Geschäftsmodell des FinTechs vorsieht, einzelne Teile des Bankgeschäftes zu übernehmen/verbessern/vereinfachen, ist eine Kooperation der Königsweg. Der Versuch, Banken von ihrem ureigenen Terrain vertreiben zu wollen, meist getrieben von übertriebenem Selbstbewusstsein, endete selten gut. Die meisten heutige FinTech Startups haben diese Strategie auch längst verworfen.

Gründe hierfür sind schnell gefunden, denn die Assets der beiden Parteien könnten nicht unterschiedlicher verteilt sein.

Auf der einen Seite stehen die etablierten Banken, die sich in einem stark (viele sagen über-) regulierten Markt bewegen. Auf der anderen Seite befinden sich die FinTechs, die ihren Ideen freien Lauf lassen können und quasi auf der grünen Wiese  Lösungen entwickeln, die den Kunden in den Fokus stellen.

Beide Parteien entwickeln sich in sehr unterschiedliche Richtungen und machen ihre jeweiligen Jobs in hoher Qualität. Banken macht niemand etwas vor, wenn es darum geht, ein neues regulatorisches Thema anforderungswirksam umzusetzen. Die Fähigkeiten zur Entwicklung neuer Ansätze, Modelle und Ideen sind jedoch deutlich weniger ausgeprägt. Ein weiterer Vorteil und großer Mehrwert der klassischen und etablierten Banken stellt das vorhandene Kundenportfolio dar. Die FinTechs hingegen haben das umgekehrte Problem, dass sie noch keine oder eine sehr kleine Kundenbasis haben. Ebenso sprudeln sie vor neuen Ideen und entwickeln Lösungen konsequent und schnell vom Kundenbedürfnis her. Geht es um die Integration in bestehende Legacy-Systeme und Umsetzung regulatorischer Anforderungen, tun sie sich extrem schwer und tendieren dazu, diesen Aufwand massiv zu unterschätzen, auch in ihren Kalkulationen. So sind schon einige gute Ideen an den Regulierungsanforderungen des Bankensektors gescheitert.

Wie bringt man nun beide Seiten zusammen?

Die Herausforderung liegt nun darin, die beiden Seiten zusammen zu bringen und jede Partei ihr Steckenpferd reiten zu lassen. Hierzu gibt es einige erfolgreiche Modelle wie oben bereits erwähnt.

Der Ansatz, aus beiden Welten das Beste zu nehmen und nicht alles selber machen zu wollen, kann sich dann für beide Seiten als Erfolgsmodell herausstellen. Dies konnten wir auch auf der diesjährigen FinTech Week in Hamburg Mitte Oktober sehr deutlich feststellen. Es war auffällig, dass ein Kuschelkurs zwischen Banken und FinTechs herrschte; das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, ließ man doch keine Möglichkeit aus, dem anderen seine Unzulänglichkeiten vorzuhalten.

Auch die BaFin machte deutlich, dass an ihr kein Weg vorbeiführt. Mich persönlich hat ein Auftritt des BaFin-Präsidenten auf einer Veranstaltung in Berlin besonders beeindruckt. Dieser Auftritt war von unnachahmlicher Klarheit und machte deutlich, dass die limitierenden Elemente und Compliance-Anforderungen der Bankenaufsicht von FinTechs nicht umgangen werden können. Auch er wies deutlich darauf hin, dass nur Unternehmen am Markt erfolgreich sind, die sich hiermit auseinandersetzen, entweder selber oder in Kooperationen mit bestehenden Instituten.

Zudem ist man auch auf Seiten der Gesetzgebung deutlich liberaler und marktoffener geworden. Es wurden eigens FinTech-Gremien installiert, die den Markteintritt begleiten und erleichtern sollen, zudem wurden auch die Registrierungshürden deutlich gesenkt. Dialog war auch hier der Treiber.

Es ist also von allen Seiten viel Bewegung im Markt, die Teilnehmer bewegen sich aufeinander zu, vergessen sind scharfzüngige Kommentare zu den „Altbänkern“ von Seiten der Jungen Wilden und die „Mal Abwarten“-Kommentare des Establishments.

So muteten die Diskussionspanels der FinTech-Week doch auch ein wenig langweilig an, denn es gab keinen Dissens. Vielmehr wurde deutlich, dass die FinTechs die Banken als Partner gewinnen möchten und nicht als Gegenspieler sehen. Bei der Vorstellung der „Big Four“ aus Hamburg auf einer Panel-Diskussion wurde deutlich, dass die Probleme der FinTechs auf keinen Fall durch die Banken hervorgerufen werden, sondern eher organisatorischer Natur sind.

Auf einem anderen Panel zeigten vier erfolgreiche FinTechs, welche konkrete Rolle Banken in der Zusammenarbeit spielen und von welcher Wichtigkeit sie sind. Die Sutor Bank als eines der Institute, die den Weg der Kooperation konsequent verfolgen, machte deutlich, wie es gelingen kann und auch für die Institute einen Mehrwert bringt. Die schwierigen regulatorischen Themen wurden von der Bank bearbeitet und für die FinTechs zur Verfügung gestellt. Diese konzentrieren sich auf die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells, welches auch längerfristig erfolgreich sein kann. Die Solaris-Bank sollte in diesem Zusammenhang auch genannt werden, weil sie dieses Modell schon länger konsequent verfolgt. So hat jeder seine Assets optimal eingebracht und eine langfristige Partnerschaft ist doch genau das was beide Parteien benötigen.

Was heißt das zusammenfassend?

Somit bleibt zusammenzufassen, dass Kooperationen für beide Lager lohnend sein können, sie müssen aber sinnvoll und verständnisvoll gemanagt werden. Im Rahmen von Überlegungen zu Kooperationen von unterschiedlichen Marktteilnehmern konnte OSTHAVEN in einigen Fällen bereits erfolgreich Projekte begleiten und Marktteilnehmer zusammenbringen. Aus diesen Erfahrungen heraus kennen wir die häufig auftretenden Schwierigkeiten von beiden Seiten und haben sinnvolle abgestimmte Lösungsansätze erarbeitet.