Einigkeit und Recht und Freiheit … … gilt das auch im europäischen (elektronischen) Zahlungsverkehr?

Einigkeit und Recht und Freiheit …

… gilt das auch im europäischen (elektronischen) Zahlungsverkehr?

 

POSTED ON 26. September 2021 BY Ralf Hesse

Die Hymne des elektronischen Zahlungsverkehrs

Wer kennt sie nicht, die stolzen Nationalhymnen der einzelnen Länder unserer europäischen Staatengemeinschaft. Und nicht selten unterliegen diesen meist eingänglichen Melodien auch wortstarke Texte, welche das jeweilige Land und das darin lebende Volk charakterisieren sollen. Wir Deutschen haben natürlich auch so ein „Juwel“ in der Schublade liegen und rühmen uns trotz tief-dunkler Flecken in der Vergangenheit, genau diesen Text auch mit unserer freiheitlichen und friedfertigen Gesellschaftsauffassung dokumentieren zu wollen.

Nun stellt sich dann aber sogleich die Frage, wie weit gerade das heroische Intro unserer deutschen Hymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“ unseren Alltag und die damit verbundenen Prozesse wirklich durchdrungen hat. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht die gesellschaftliche Adaption dieser Maxime beleuchten – was sicherlich auch den Rahmen sprengen würde-, sondern vielmehr unsere europäische Payment-Landschaft im Wandel der letzten Monate/Jahre vor diesem Hintergrund hinterfragen.

Viele Aspekte, wie nicht zuletzt durch Corona bedingte Auswirkungen haben gerade auch mit Hinblick auf den Zahlungsverkehr schnell ein „Geschmäckle“ bekommen, wenn man die nicht allzu lang zurückliegenden Entscheidungen diverser Aufsichtsorgane und deren Umsetzung bzw. Adaption an die laufenden Zahlungsprozesse tiefergehend betrachtet.

Die europäischen Zahlungsaufsichten

Die EBA („European Banking Authority“) als oberstes Aufsichtsorgan über den europäischen Zahlungsverkehr hat es sich zur Aufgabe gemacht, u.a. Banken und Zahlungsdienstleistern einen fairen Wettbewerb innerhalb der EU zu ermöglichen. Ein heeres Ziel, das man sich da gesetzt hat – nicht zuletzt bedingt durch die nach wie vor stark national ausgeprägten Zahlungspräferenzen der europäischen Bürger. Aber um diesem Adler „grenzüberschreitende Zahlungsdienstleistungen“ Flügel zu verleihen, reicht es eben nicht aus, den europäischen Zahlungsdienstleistern nur einen wohlbekannten Energiedrink aus dem „Alpenländle“ einzuflößen, nein es bedarf deutlich weiterführender Maßnahmen und auch deren Kontrolle, um so wirklich einheitliche Bedingungen zu schaffen und damit den Wettbewerb zu fördern.

Zu diesem Zweck entwirft die EBA pan-europäische Vorgaben (wie z.B. die SCA [„Strong Customer Authentication“] als letzte größere Maßnahme), welche dann durch die nationalen Aufsichtsorgane (BaFin in Deutschland) in nationales Recht umzuwandeln ist. Die BaFin (bzw. deren europäische Äquivalente) ist aber nicht nur das nationale Umsetzungsorgan, sondern ist eben auch das nationale Kontrollorgan.

An diesen Ausführungen wird schon deutlich, Recht soll Einigkeit erzeugen. Und es wird auch klar, dass Kontrolle von diesem Recht auch immer ein wenig Freiheit kostet. Inwiefern das aber bislang gelang und ob es auch zukünftig gelingen kann, wollen wir uns im Nachfolgenden etwas genauer anschauen.

Einigkeit

Leider ist der europäische Zahlungsverkehrsmarkt von einer Einigkeit weit entfernt. Die multiplen nationalen Bezahlverfahren und deren Betreiber nutzen bei weitem keine einheitlichen Verfahrensweisen (sowohl prozessual als auch haftungs-rechtlich). Durch die meist markt-dominierende Stellung begünstigt, sind es dann auch noch diese nationalen (lokalen) Bezahlmethoden, welche sich bei dem national ansässigen Benutzer meist größter Beliebtheit erfreuen. Somit liegt die Marktmacht eindeutig bei genau diesen lokalen Zahlarten. Und da die Henne dem Ei hinterherjagt – oder war es vielleicht doch eher umgekehrt? – haben es somit nicht-nationale Anbieter umso schwerer, wenn es um die Gunst der Zahlungswilligen außerhalb der eigenen Landesgrenzen geht.

So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass eine Internationalisierung der girocard nie stattgefunden hat, obwohl das sowohl in den Protokollen als auch in den Abrechnungsdefinitionen (z.B. der Entgeltabrechnung Phase 2 der girocard) bereits vorgesehen war. Das ist aber kein rein deutsches Phänomen, denn andere europäische Beispiele wie z.B. iDEAL (Niederlande), Multibanco (Portugal) oder Bancontact (Belgien) sind ebenfalls auf nationaler Ebene verblieben.

Ganz besonders wir in Deutschland haben zudem aus den Erfahrungen der paydirekt-  Umsetzung gelernt, dass Uneinigkeit zwischen den Betreibern (Banken) dazu führt, dass sich Innovationen (sofern man Paydirekt überhaupt als diese zum Zeitpunkt der Einführung bezeichnen durfte) nicht wie gewünscht entfalten können. Ganz im Gegenteil, die immer noch andauernde Uneinigkeit z.B. bei Bemühungen wie „#DK“ führen dazu, dass parallele Initiativen auf europäischer Ebene wie z.B. „European Payment Initiative (EPI) immer mehr an Bedeutung gewinnen und damit drohen, nationale Bemühungen zu überholen. Solange also der Chefkoch kein einheitliches Rezept für die Suppe vorgibt, kann auch nicht viel mehr als ein magerer Brei entstehen.

Es herrscht unbestritten Einigkeit darüber, dass man die nationalen Bezahlmethoden vor „feindlichen Angriffen“ beschützen muss. Und bei diesem Vorgehen schaut man auch nicht auf die Größe oder das Kampfgerät der Angreifer. Aber genau diese Schwäche machen sich Angreifer wie die großen Kreditkartenorganisationen zu Nutze. Wir haben so einen Kampf zu Ungunsten eines nationalen Debitkarten-Systems erleben dürfen, als im März 2011 endgültig die letzten Switch/Solo Karten in UK verschwanden – und das durch geschickte Übernahme der MasterCard in deren Maestro Portfolio.

Die nationalen Betreiber müssen also gewarnt sein, dass die durch sie selbst verursachte Uneinigkeit auch permanent den im Gebüsch lauernden Wolf anreizt, der nur auf einen für ihn günstigen Moment der Übernahme lauert. Manchmal bedarf es hierzu noch nicht einmal einer besonderen Jagdlist. Nein, manchmal sind auch die nationalen Betreiber in ihrer Strategiefindung untereinander so uneinig, dass besagter Wolf mit ein wenig Geduld von ganz allein zu seinem Sieg bzw. seiner Beute kommt. So hat z.B. die girocard den Einzug in den E-Commerce gründlich verpasst, wenngleich auch der Umweg über ApplePay bei den Sparkassen seit Juli diesen Jahres eine quasi-E-Commerce Funktionalität bereitstellt. Derartige Versäumnisse schwächen nationale Bezahlsysteme nicht nur, sie machen sie auch verwundbar. Und in so einem Fall reißt der Wolf auch gern mal das schwächelnde Schaf.

Beobachtet man aber die Bemühungen der europäischen, national betriebenen Bezahlsysteme, so kann man leider nur ein Fazit in Bezug auf die Einigkeit ziehen: „Man ist sich also auch weiterhin grenzüberschreitend einig, dass man uneinig bleiben möchte.“

Recht

Als Herr von Fallersleben 1841 das „Lied der Deutschen“ dichtete, hat er vielleicht ganz bewusst die Einigkeit dem Recht vorangestellt. Vielleicht auch mit dem wirklich frommen Wunsch, dass ein einheitlich lebendes Volk eine Gemeinschaft in rechter Weise führen muss – und hier hat „rechts“ nicht mit der geografischen Ausrichtung zu tun! Dieser Gedanke bleibt aber aus historischer Erfahrung mehrheitlich ein wirklich „frommer Wunsch“. Gerade im Zahlungsverkehr mit seinem Derivat „E-Commerce“ gibt es so viele Grauzonen, in welchen Banken, Zahlungsdienstleister, Händler und auch Käufer ihre Freiheiten „kreativ ausleben“, dass es unumgänglich ist bzw. war, das Recht als ordnende Instanz der Einigkeit voranzustellen.

Und an dieser Stelle kommen dann die Aufsichtsorgane zum Einsatz, welche mit ihren Vorgaben bzw. Rechten eine zumindest annähernd einheitliche Auffassung und Umsetzung von zahlungsrelevanten Prozessen ermöglichen wollen bzw. sollen. Diese nationalen Aufsichtsbehörden, welche durch die EBA orchestriert werden, sind die Instanzen, welche die fachlichen Vorgaben in jeweils nationales Recht umsetzen müssen. Doch auch hier zeigt die Historie, dass bei dieser Umsetzung in nationales Recht nicht alle Umsetzungen gleichermaßen ausfallen. So gilt z.B. die deutsche Zahlungsaufsicht BaFin im europäischen Vergleich als eine sehr restriktive Institution, die eher noch „Daumenschrauben“ zusätzlich zu den „EBA Handschellen“ einsetzt, wohingegen andere Aufsichtsorgane an Stelle der „EBA Handschellen“ vielleicht nur eine lose Fessel anlegen würden. Man sieht also, Recht schafft nicht immer Einigkeit, schon gar nicht, wenn das europäische Recht national anders oder zumindest abweichend voneinander implementiert werden kann.

Die EBA hat in der Vergangenheit immer wieder verschiedenste Vorgaben formuliert und diese meist mit dem Schutz und/oder der einheitlichen/vergleichbaren Nutzung der Zahlungsanwender, also der Käufer, begründet. Diese Vorgaben waren dann zumeist durch die Prozessoren in der Zahlungsverarbeitung umzusetzen, wenn auch die Vorgaben selbst sich an die Zahlungsdienstleister richteten (denn nur diese sind ja auch durch die entsprechenden Aufsichtsorgane reguliert). Betrachtet man aber nun das Ergebnis dieser Vorgaben auf dem europäischen Zahlungsverkehrs-Markt, so muss man leider feststellen, dass trotz dieser „ordnenden Maßnahmen“ nach wie vor eine große Inhomogenität besteht, wie wir es ja auch im vorgehenden Abschnitt begründet haben. Natürlich gibt es auch positive Beispiele derartiger Verordnungen, wie z.B. die Interchange-Regulierung, die ja die Interbankenentgelte auf europäischer Ebene vergleichbar mit nicht national/europäisch abstammenden Bezahlverfahren bzw. Schemes machte. Ein weiteres positives Beispiel ist die SEPA-Einführung, wenngleich auch in diesem Beispiel wieder der Markt dem Zeitplan der EBA beim Einführungszeitpunkt (ähnlich wie bei zuvor erwähnter SCA) einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Bei der Umsetzung der rechtlichen Vorgaben sind aber auch noch die Scheme-Betreiber von entscheidender Wichtigkeit. Diese müssen zwar den nationalen rechtlichen Vorgaben folgen, ziehen sich aber oftmals auch auf ihren „Golfclub-Charakter“ zurück, indem sie versuchen, sich auf die durch sie selbst definierten „Golfclub“-Mitglieder-Regeln zurückziehen. Und genau diese Regeln folgen nicht immer zu 100% dem EBA Regelwerk. Nicht zuletzt ist die Interchange-Regulierung erst im Dezember 2015 europäisch flächendeckend eingeführt worden, weil sich die großen Kreditkartenorganisationen nicht dem Zwang einer europäischen Kommission unterwerfen wollten und lange bis in die oberste europäische Instanz gegen die Interchange-Deckelung geklagt haben.

Bleibt also festzuhalten, Einigkeit ist kein selbst gereiftes Gut. Sie kann nur entstehen, wenn es eine ordnende Instanz gibt, die diese Einigkeit beschreibt und kontrolliert – zumindest gilt dies für den europäischen Zahlungsverkehrsmarkt. Es liegt also an der Legislative, potentielle Interpretationsspielräume so gering wie möglich zu halten. Und die EBA als Zentralorgan muss genau diesen Aufgabenstellungen nachkommen.

Freiheit

Die Freiheit ist ein hohes Gut und sie wird – wie in allen Lebensbereichen – sowohl positiv als auch negativ ausgenutzt. Zahlungsdienstleister sind und waren immer schon sehr kreativ in der Auslegung (oder auch „Ausdehnung“) zahlungsrelevanter Vorgaben. Genau diese Kreativität nutzt eventuelle Freiheiten im Zahlungsverkehr, um neue Produkte wie aber auch mitunter grenzwertige Auslegungen von rechtlichen Vorgaben zu erschaffen, die dann (z.T. Nischen-) Märkte mit „markt-freundlicheren“ Lösungen versorgen können. Die Freiheiten im europäischen Zahlungsverkehr, die sich gewollt oder auch ungewollt aus den rechtlichen Vorgaben ergeben, können aus zweierlei Motivationen heraus genutzt werden:

Positive Freiheitsnutzung

Neue Verordnungen, die von der EBA definiert über die nationalen Aufsichten in nationales Recht umgewandelt wurden, dienen meist zwei Zielen:

  1. Der sicheren Zahlungsabwicklung und damit primär dem Schutz des Zahlungswilligen
  2. Der europaweit gleichheitlichen Nutzungsmöglichkeiten von Zahlungsprodukten aller europäischen Zahlungsdienstleister (Wettbewerbssteigerung).

Die Einführung der SCA hat z.B. gezeigt, dass ein damals der EU noch angehöriges Vereinigtes Königreich eine zur EBA-Vorgabe verzögerte Einführung der SCA manifestierte, um so dem Markt mehr und vielleicht auch bessere Möglichkeiten der SCA-Anwendung in der Umstellungsphase bereitstellen zu können. Gleichermaßen können aber Zahlungsdienstleister bei der Definition neuer Produkte eben auch neue Technologien einführen, die vor allem beim ersten Ziel einen Marktvorteil bringen können. Ein gutes Beispiel ist hier sicherlich Apple, die z.B. mit der Face ID im September 2017 eine zusätzliche und damals neue Identifizierungsmöglichkeit im Bezahlprozess mit Apple Pay geschaffen haben.

Negative Freiheitsnutzung

Natürlich bietet Freiheit – ganz genau wie im zivilen Leben – auch Potential, welches die widerrechtliche Nutzung von Vorschriften beflügelt. Oftmals wird bestehendes Recht auch „gedehnt“, um so die Freiheit ausweiten zu können. Und gerade diese Art der „Freiheitsnutzung“ erfreut sich besonderer Beliebtheit wie auch Kreativität im Zahlungsdienstleistungs-Markt.
Der Zahlungsverkehr soll zwar dem Käufer möglichst einfach und sicher ein breites Spektrum an unterschiedlichen, abgesicherten Bezahlmethoden bereitstellen (und dieses Ziel verfolgt die EBA mit all ihren Richtlinien ja), aber seien wir doch einmal ehrlich, die Produktentwicklung der Zahlungsdienstleister orientiert sich am Händler und dessen Direktive lautet: „Erzeuge möglichst viel Umsatz mit möglichst geringem Risiko“. Vor diesem Hintergrund sind viele Neuprodukte im Zahlungsverkehr primär auf die Optimierung von Skaleneffekten beim Händler ausgerichtet und betrachten den Risiko-Aspekt erst in zweiter Instanz. Gerade im Bereich der negativen Freiheitsnutzung eröffnet diese „Produktstrategie“ natürlich noch mehr Potential, wenn der Zahlungsverkehrsdienstleister das Risiko aus der Produktbeschreibung ausblendet und potentielle Schadensbegrenzung oder aber Schadensübernahme dem Händler unwissentlich überlässt. Derartige Neuprodukte haben meist nur eine begrenzte Lebensdauer, da deren Anbieter oder zumindest das betroffene Produkt mit dem ersten Super-GAU eines Händler-Defaults vom Markt verschwinden.

Die Freiheitskontrolle

Freiheit ist immer ein durch Grenzen abgesteckter Bereich und diese Grenzen wollen kontrolliert werden, um so die Freiheit zu schützen. Genau diese Kontrolle ist aber ein essentiell wichtiger Aufgabenbestandteil der nationalen Aufsichtsorgane. Und auch hier gilt wieder, dass diese Kontrollpflichten durch die verschiedenen nationalen Aufsichtsorgane in ganz unterschiedlicher Weise wahrgenommen werden. Es bleibt aber auch festzuhalten, dass die Aufsichtsorgane die Zahlungsdienstleister, welche keine Vollbanken-Lizenzen halten, meist weniger genau oder weniger frequentiert kontrollieren, als sie dies z.B. mit den Vollbank-lizensierten Unternehmen durchführt. Das Wirecard-Debakel ist hier ein leider prominenter, wenn auch wenig rühmliches Beispiel dieser These. So ist es aus der historischen Wahrheit ableitend wahrscheinlicher, dass ein Zahlungsdienstleister eher eine Abmahnung einer Kreditkartenorganisation „kassiert“ oder gar seiner Lizenz „beraubt wird“, wenn er sich dem Regelwerk besagter Kreditkartenorganisation widersetzt, als dass das Aufsichtsorgan ihn aus gleicher Motivation heraus seiner Zahlungsdienstleister-Lizenz „entledigt“.

Ergo – was folgt daraus oder was lernen wir?

Freiheit ist also kein Garant für eine Optimierung von Produkten/Features. Sie ist vielmehr ein Garant für die Erschaffung neuer Bezahlmethoden/Features. Die Regelwerke der EBA und ihrer nationalen Aufsichten sollen vor allen Dingen die Kreativität im Bereich der negativen Freiheitsnutzung beschränken, ohne damit die positive Freiheitsnutzung zu beeinträchtigen. Ein nicht immer einfacher Prozess, den die Aufseher hier dem Markt schmackhaft machen müssen.

Conclusio

Die Vereinheitlichung von Zahlungsprozessen oder auch -systemen auf EU-Ebene ist ein ambitionierter Wunschgedanke, der nicht nur den Wettbewerb innerhalb der EU beflügeln soll, sondern eben auch den Zahlungswilligen eine pan-europäische Zahlungsfunktion oder aber zumindest EU-weit vergleichbare Produkte zur Verfügung stellen soll. Dieses Vorhaben kann aber nur gelingen, wenn die Aufsicht mit sinnvollen und vor allen Dingen den aktuellen Markt-Gegebenheiten angepassten rechtlichen Vorgaben dieses Vorhaben begleitet, fördert und einheitlich reguliert.

Die rechtliche Würdigung bei der Konzeption neuer europäischer Zahlungsverkehrsanweisungen durch die EBA ist sicherlich Basis einer jeden Veränderung auf dem europäischen Zahlungsmarkt. Will man aber eine Einigkeit über die verschiedenen Mitgliedsstaaten erreichen, so sollte bei der Konzeption und Ausformulierung derartiger neuer Zahlungsverkehrsanweisungen immer ein besonderer Wert auf die bis dato gelebte Zahlungspraxis gelegt werden – und die kann, wie wir gesehen haben, national sehr differenziert sein. Eine rein rechtliche Betrachtung bei der Implementierung eines neuen Regelwerkes ist meist nicht ausreichend. Das hat man auch bei der SCA-Einführung beobachten müssen, denn dort hat nicht nur der Markt die Einführung verzögert, sondern es wurden nachträglich viele Details den RTS („Regulatory Technical Standards“) als Kommentare der EBA hinzugefügt, die zum Einführungstermin 14.09.2019 so noch gar nicht bereit standen – sich aber im Laufe der Implementierung zwangsweise ergaben.

Wenn es dann dem Markt im Einvernehmen mit den aufsichtsrechtlichen Vorgaben gelingt, derartige neue oder auch novellierte Zahlungsinnovationen zu etablieren, spätestens dann muss aber auch wieder das nationale Aufsichtsorgan seiner Verpflichtung der Kontrolle genau dieser Innovationen nachkommen. Und bei diesem Prozess muss das Prinzip „gleiches Recht für alle“ gelten, was natürlich nur funktioniert, wenn auch die nationalen rechtlichen Vorgaben identisch manifestiert wurden. Dieses Ziel zu erreichen, erscheint mir aber zum aktuellen Zeitpunkt kaum erreichbar oder aber zumindest nicht durch die EU hinweg gelebt.

Würde heute ein „novellierter Herr Fallersleben“ eine Hymne auf die Zahlungsdienste-Welt hier in der EU schreiben sollen, würde er sich vielleicht seiner alten Ideen von 1841 erinnern, aber vielleicht dann doch eher mit „Gleiches Recht schaffe Einigkeit, die allen Freiheit gebe, aber auch behütet sein möge“ beginnen. Und natürlich kommt da noch ein eine gerappte Version von Beethovens 9.ter darunter, um den zeitgenössischen europäischen Gedanken nicht zu vergessen.

Nun kann man natürlich sagen, dass diese Maxime sicherlich für viele Lebensbereiche anwendbar ist – und das ist auch unbestritten korrekt. Allerdings macht eine Besonderheit des Zahlungsverkehrsmarktes die Umsetzung genau dieser Maxime schwerer als in anderen Anwendungsfällen, denn in dem europäischen Zahlungsdienste-Universum ist die „Galaxy-Patrol“, also die diversen nationalen Aufsichtsorgane, nicht nur Legislative, sondern auch Judikative und Exekutive. Und genau der letzte Aufgabenbestandteil wird nur in nicht ausreichender Weise gelebt, was natürlich den o.a. negativen Freiheitsgedanken beflügelt und somit einer Homogenisierung entgegenwirkt.

Bleibt also abzuwarten, wie die EBA das europäische Zahlungsdienste-Schiff in einen sicheren, internationalen Hafen lenken wird.

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Ist Bitcoin im Payment Mainstream angekommen?

Ist Bitcoin im Payment Mainstream angekommen?

 

POSTED ON 17. May 2021 BY Tim Danker

Alle reden über Bitcoin. Hat und nutzt ihn auch jemand?

Seit einiger Zeit kann man dem Thema Bitcoin im Speziellen und Kryptowährungen im Allgemeinen kaum noch ausweichen. Alle reden darüber. Die Presse meldet regelmäßig die neuesten Höchststände oder Kursstürze. Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel gelesen, der sich mit Anlageberatung für Krypto-Millionäre befasste als sei dies eben das wofür sich der durchschnittliche Zeitungs-Leser so interessiert. Was mache ich denn nun mit meinem Geld, wenn ich plötzlich Krypto-Millionär bin?

Krypto-Millionär bin ich leider (noch) nicht. Bislang bin ich vor allem durch meinen beruflichen Hintergrund und meinen Hintergrund als studierter Wirtschaftsinformatiker mit dem Thema Krypto-Währungen und dem mathematischen und technischen Hintergrund in Kontakt gekommen. Ich wollte es mal etwas genauer wissen und habe mich auf meine persönliche Entdeckungsreise gemacht und den Selbsttest à la Jenke von Wilmsdorff gewagt. Darüber hinaus wollte ich in dieser Thematik noch etwas tiefer Graben. Alle reden zwar drüber, aber ist es wirklich relevant in unserem täglichen Leben und im Alltag von Payment-Dienstleistern?

 

Wie Mainstream ist Krypto inzwischen? Mein persönlicher Erfahrungsbericht zum Einstieg.

Im Jahr 2017 war ich auf der ersten Blockchain-Konferenz in Hamburg. Zu dieser Zeit war das Thema Bitcoin und Blockchain noch ein echtes Nerd-Thema. Durch mein Informatikstudium fiel es mir sehr leicht die kryptografischen Hintergründe zu verstehen. Zu dieser Zeit benötigte man aber doch einiges an Expertenwissen, um an diesem System tatsächlich überhaupt teilzuhaben oder sich gar selber einmal Coins wie den Bitcoin zuzulegen. Trotz meines tiefen Verständnisses der Materie und meines Hintergrundes als Payment Berater sollte es bis Anfang 2021 dauern, dass ich tatsächlich mal den Selbstversuch wagte. Ich wollte es genau wissen. Für meinen Selbstversuch wählte ich zunächst die bekannteste unter den Krypto-Währungen – Bitcoin. Wie einfach ist es Bitcoins zu erwerben und wie ist die Erfahrung Bitcoin zu halten? Um es kurz zu machen – es ist extrem einfach Bitcoin zu erwerben.

 

Bitcoin kaufen über eine Bank

Für mein Experiment nutze ich Bitwala. Von Bitwala hörte ich das erste Mal auf der eben genannten Blockchain-Konferenz in Hamburg. Wenn ich mich richtig erinnere wollte das damalige Bitwala eine Art Transferwise oder WesternUnion auf Blockchain Basis bauen, d.h. Auslandsüberweisungen einfach machen, in dem die Beträge für den Transfer von verschiedenen Fiat-Währungen auf Bitcoin gewandelt werden und von dort jeweils zurück. Ein interessanter Ansatz, der heute auch von anderen Playern angestrebt wird. Bitwala war zu der Zeit ein noch sehr junges kleines Startup und hat sich inzwischen deutlich gewandelt. Heute ist Bitwala eher mit einem N26 mit angehängtem Bitcoin- & Ethereum-Wallet vergleichbar, eine echte Neo-Bank mit Alleinstellungsmerkmal.

Bitwala arbeitet hierfür mit der Solarisbank als BaaS-Anbieter zusammen und bietet hierüber ein echtes deutsches Girokonto, geschützt mit Einlagensicherung, Bafin-überwacht und mit eigener IBAN und Visa Debitkarte, also wirklich seriös. Für mich bedeutet dies, dass ich mich nicht irgendwo im Darknet oder auf irgendwelchen dubiosen Coin-Wallets mit sehr unklarem Sicherheitsgefühl bewegen muss. Ich lud mir also die App herunter, durchlief den vollständig digitalen Onboarding-Prozess inkl. Video-Ident. In deutlich unter 30 Minuten hatte ich ein Konto bei Bitwala eröffnet. Im nächsten Schritt musste ich die Wallet sowohl für Bitcoin als auch Ethereum aktivieren, um sie tatsächlich nutzen zu können. Auch dieser Prozess war denkbar einfach, ich musste lediglich eine längere Liste an Wörtern mit Stift und Papier notieren, die mir im Fall des Falles ein Recovery meines Wallets ermöglicht. Ich lud das Konto mit einer Standard SEPA-Überweisung von meiner Hausbank mit einem überschaubaren 3-stelligen Eurobetrag auf, um das Ganze mal auszuprobieren. Dieser Prozess dauerte tatsächlich am längsten, nämlich über einen Tag. Meine Hausbank scheint noch kein Instant Payment zu unterstützen. Anfang Januar 2021 war es dann endlich soweit: als das Geld auf dem Konto eintraf wurde ich per Push-Nachricht alarmiert und habe mich sofort dran gemacht – innerhalb weniger Sekunden hatte ich das Geld je zur Hälfte in Bitcoin und Etherum investiert. Aus Neugier schaue ich seitdem sehr regelmäßig in die App und beobachte die Entwicklung meines Experiments. Der Wert meiner Coins schwankt jeden Tag extrem und beträgt nicht selten +/- um die 10 %. Als normalerweise sehr passiver und langfristig orientierter Investor ist dies eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Man sollte also doch recht starke Nerven mitbringen oder besser noch das Geld im Kopf direkt abgeschrieben haben. Die etwas über vier Monate seit Anfang 2021 waren aber bekanntermaßen ein sehr starker Zeitraum für Krypto-Investments und so darf ich mich derzeit über rund 100 % Plus freuen. Ich wäre aber nicht verwundert, wenn sich dies jederzeit dramatisch ändern würde.

 

Mein Fazit also zu diesem kleinen Krypto-Selbstexperiment?

Es ist extrem einfach in Krypto-Coins, insbesondere die sehr bekannten Bitcoin und Ethereum zu investieren und es gibt inzwischen Wege dies über sehr seriöse, überwachte Anbieter zu tun. Ein entsprechendes Investment, wenn man es denn so nennen möchte, bleibt aber abenteuerlich, sehr spekulativ und risikoreich. Gewinnchancen scheinen erheblich zu sein, aber ebenso sind es die Verlustrisiken. Für mein kleines Experiment habe ich mir vorgenommen mindestens das erste Jahr Haltefrist abzuwarten, um etwaige Gewinne zumindest nicht versteuern zu müssen. Außerdem ärgere ich mich natürlich dieses Experiment, wenn auch mit einem kleinen Betrag, nicht schon in 2017 oder schon eher eingegangen zu sein. Die letzten Jahre haben ja bekanntermaßen extreme Wertsteigerungen mit sich gebracht und meine kleine Hoffnung ist es vielleicht noch nicht vollkommen zu spät auf diesen Zug aufgesprungen zu sein. Wir werden sehen was diese Spielerei für einen Erfolg mit sich bringen wird. Es fühlt sich auf jeden Fall deutlich mehr nach Lotto, als nach Investment an.

 

2021 mit Bitcoin bezahlen?

Als „Bargeld-Ersatz“ nehme ich Bitcoin in diesem Selbsttest überhaupt nicht wahr, denn ich habe zwar eine Wallet-Adresse, an die ich mir Bitcoin oder Etherum senden lassen kann und in der Theorie auch meinen Bitcoin und Ehtereum für Zahlungsvorgänge nutzen könnte. In der Praxis bin ich in der realen Welt aber noch in keinem Checkout auf die Möglichkeit gestoßen dort Bitcoin einzusetzen, z.B. bei amazon, PayPal (deutsche Version), Apple Pay und anderen. Die einzige Option, von der ich zufällig aus einem Vortrag weiß, ist Lieferando. Da ich hier jedoch Apple Pay als Zahlart voreingestellt habe, komme ich hier gar nicht in Versuchung dies zu ändern. Es erscheint mir im Gedankenexperiment dann außerdem sehr unnatürlich und unpraktisch BTC 0.0003089010442636215 für die nächste Pizza zu bezahlen.

Nach meinen persönlichen Erfahrungen möchte ich nun einen etwas weiteren Blick auf die relevanten großen Player werfen, die sich in stetig zunehmender Zahl auch dieser komplexen Materie nähern und Neues ausprobieren sowie einmal hinterfragen was es damit genau auf sich hat.

 

Die großen Fische mischen mit – ein Überblick über Ansätze und Hintergründe

 Tesla

Tesla mit Elon Musk aus der sogenannten „PayPal-Mafia“ an der Spitze hat kürzlich sehr öffentlichkeitswirksam verkündet, die beträchtliche Summe von bis zu 1,5 Mrd. $ in Bitcoin zu investieren und entsprechend Cash-Reserven in Bitcoin zu halten. Darüber hinaus hat Tesla angekündigt, dass Kunden in der näheren Zukunft ihre neuen Tesla auch mit Bitcoins bezahlen können sollen. Kürzlich wurde bekannt, dass Tesla mit seinen Krypto-Investments allein im ersten Quartal 2021 rund 100 Millionen Dollar Gewinn erzielt hat (rund ¼ des Gesamtgewinns). Dies lässt diese Maßnahme zunächst mal als recht erfolgreich dastehen, gleichzeitig muss man sich jedoch fragen, ob Tesla nicht unnötig große Risiken in die Bilanz bringt durch die extreme Volatilität von Bitcoin. Musk ist bekennender Krypto-Fan und Kenner der Materie und fällt zuletzt immer wieder mit begeisterten Tweets zur als Spaß-Währung gedachten „Doge-Coin“ auf, die eine noch rasantere Entwicklung in den letzten Monaten als Bitcoin hingelegt hat. Allein Elon Musk scheint bereits eine enorme Marktmacht durch Tweets zu besitzen. Seine Tweets befeuern regelmäßig die Kurse oder lassen sie zeitweise auch drastisch einbrechen. Man darf sich schon die Frage stellen, ob ein Investment eines Konzerns wie Tesla in ein derart volatiles Finanzmittel bei der gleichzeitig sehr hohen Verantwortung für den inzwischen riesigen Autokonzern und seine tausenden Mitarbeiter nicht als grob fahrlässig zu klassifizieren ist oder doch als genialer Schachzug. Es ist mindestens extrem riskant. Etwas sachlicher betrachtet ergeben sich aber durchaus logische Gründe, z.B. für das Cash Management im Auslandszahlungsverkehr, das ein jedes weltumspannendes Unternehmen, wie es auch Tesla ist, als Herausforderung hat. Überweisungen und Umrechnungen in andere Währungen, Lieferantenbezahlungen über den Globus und das Erfordernis für ein weltumspannendes Netzwerk an Konten und Banken – all das braucht Bitcoin nicht. Mit Bitcoin sind länderübergreifend kostengünstig und direkte Zahlungen in beliebiger Höhe möglich, ohne die Notwendigkeit für Korrespondenzbanken und Clearingzyklen. Dies kann zu deutlichen Geschwindigkeitsvorteilen und Kosteneinsparungen führen. Die Frage ist nur, ob diese Einsparungen die extremen Risiken für die Bilanz wirklich aufwiegen können? Vor allem für einen Konzern wie Tesla, der sich Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat, ist Bitcoin eine heikle Wahl, da das Netzwerk bekanntermaßen in der Kritik steht extrem energiehungrig zu sein. Dies scheint nun auch Elon Musk bewusst geworden zu sein und sah er sich gezwungen vor wenigen Tagen die Reißleine zu ziehen und die Akzeptanz von Bitcoins als Zahlungsmittel auszusetzen, bis das Schürfen von Bitcoins großflächig auf nachhaltige Energiequellen umgestellt ist. Dies geschieht dieser Tage vor allem in Staaten mit geringen Energiekosten, wie beispielweise China oder Kasachstan und dort typischerweise mit Energie aus nicht-regenerativen Quellen. Die von Tesla erworbenen Bitcoins sollen jedoch nicht veräußert werden. Auf diese Nachricht folgte ein genereller Kurssturz für Bitcoin und viele weitere Krypto-Währungen.

 Visa

Als erste der großen Kartenorganisationen hat Visa im Februar 2021 angekündigt in Zukunft Kryptowährungen direkt zu unterstützen. Man will Banken eine Softwareschnittstelle bereitstellen, über die Zahlungen mit Kryptowährungen in das eigene Angebot integriert werden können. Das Angebot soll innerhalb dieses Jahres gestartet werden. Visa tastet sich verhältnismäßig langsam an das Thema heran. Ganz grundsätzlich könnte Bitcoin oder Kryptowährungen im Allgemeinen aber auch für Visa, insbesondere im Auslandszahlungsverkehr bedeuten, deutliche Kosteneinsparungen herbeizuführen und Geschwindigkeitsgewinne zu realisieren. Mit Bitcoin gäbe es keine Notwendigkeit für Clearingzyklen mehr, was die Abwicklung im eigenen Netzwerk enorm beschleunigen könnte. Ehrlicherweise bedeuten Kryptowährungen aber vor allem auch, dass Zahlungsnetzwerke wie Visa im Extremfall gar nicht mehr gebraucht werden würden. Insofern bedeutet die Annäherung an Kryptowährungen vor allem auch eine Auseinandersetzung mit der größten Bedrohung für die eigene Existenz. Derzeit ist es vor allem die fehlende Verbreitung und relative Komplexität für normale Endanwender und Händler, die Visa und andere Zahlungsanbieter vor den neuen digitalen Herausforderern schützen.

 Mastercard

Nach Visa hat inzwischen auch Mastercard verlauten lassen, noch in 2021 sein Netzwerk für Kryptowährungen zu öffnen. Voraussetzung ist, dass alle von Mastercard zugelassenen Kryptowährungen den im jeweiligen Einsatzgebiet gültigen Gesetzen entsprechen müssen. Mastercard erwartet, dass sich vor allem Stablecoins im Bereich der Endkunden durchsetzen werden. Ebenso wie für Visa gilt, dass Kryptowährungen im Allgemeinen für Mastercard Chance und Risiko zugleich sind. Chance sind sie, da sie Abwicklungskosten und Geschwindigkeit enorm verbessern können. Risiko sind sie, da sie das Potenzial besitzen Mastercard in die Bedeutungslosigkeit zu drängen bzw. den Man-in-the-Middle auszuschalten. Verständlich ist, dass Mastercard vor allem auf Stablecoins setzt (und hierzu wird auch der bereits viel diskutiere und erwartete digitale Euro zählen), da dies Sicherheit sowohl für Mastercard als auch für Händler und Verbraucher bedeutet und die enormen Schwankungsrisiken wie bei Bitcoin hier keine Gefahr darstellen. Stable Coins mit zentraler Vertrauensstelle (d.h. keine distributed ledger Technologie) bedeuten vor allem auch weiterhin Kontrolle über das Zahlungsverkehrsnetzwerk für Zentralbanken und Zahlungsabwickler und deutliche Geschwindigkeitsvorteile, d.h. auch bessere Skalierung.

 

PayPal

PayPal hat zunächst in den USA damit gestartet ihren Kunden zu ermöglichen Kryptowährungen in einer Krypto-Wallet innerhalb ihres PayPal Accounts zu halten. Vor kurzem wurde dann angekündigt, dass PayPal auch die Bezahlung mit Bitcoin als Checkout-Option für Händler und Endkunden ermöglichen wird (auch dies zunächst nur innerhalb der USA).
PayPal experimentiert damit unter den Schwergewichten des Zahlungsverkehrs am meisten und deutlichsten mit Kryptowährungen. Auch für PayPal bedeutet der Einsatz von z.B. Bitcoin deutliche Kosten- und Geschwindigkeitsvorteile beim internationalen Zahlungsverkehr. Signifikante Vorteile könnte PayPal erreichen, wenn man es schafft die Coins möglichst dauerhaft in einem eigenen Netzwerk zu halten, z.B. über eine Sidechain-Technologie, d.h. in solchen Fällen würden für PayPal überhaupt keine Netzwerkgebühren mehr anfallen und man könnte die monetären Werte dauerhaft in einem selbst kontrollierten Netzwerk halten und wäre darüber hinaus noch weitgehend unabhängig von Banken und anderen Zahlungsanbietern wie den großen Kreditkartenorganisationen. Dies ist aber sicher erstmal eine sehr extreme Vision, von der man noch weit entfernt ist. Da PayPals größte Kostenposition aber die Gebühren für Banken und Zahlungsnetzwerke sind, ist es absolut logisch, dass man Wege sucht und findet diese Kosten zu senken oder im Idealfall gar zu eliminieren.

 

Nets/Concardis

Kürzlich angekündigt wurde der Rollout von Softwarelösungen zur Akzeptanz von Kryptowährungen an klassischen POS Terminals von Nets/Concardis in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Softwareanbieter Salamantex. Man hat dort bereits in Pilotprojekten in den vergangenen Monaten Erfahrungen gesammelt und möchte die Lösung nun in ganz Österreich für alle Händler ausrollen. Voraussetzung sind ein entsprechender Vertrag und ein hierfür mit entsprechender Software ausgerüstetes kryptofähiges Terminal.

Zunächst werden Zahlungen mittels Bitcoin, Ether und Ripple ermöglicht. Die Aufnahme weiterer Währungen, insbesondere staatlicher wie beispielsweise dem antizipierten Digitalen Euro sind angedacht. Laut Pressemitteilung von Nets kann der Händler wählen, ob das Settlement in Euro (zu den jeweils gültigen Umrechnungskursen) oder der jeweiligen Krypto-Währung erfolgen soll. In der Pressemitteilung steht, dass der Händler sein Transaktionsbetrag sofort erhalten kann ohne das Risiko von Schwankungen im Umrechnungskurs. Im Falle eines Settlements in Krypto-Währung wäre es eigentlich theoretisch möglich, dass die jeweilige Zahlung direkt an ein Wallet des Händlers erfolgt. Im Falle einer Umrechnung in Euro würde vermutlich ein Collecting durch Nets stattfinden müssen mit anschließendem Settlement. Bei dem Thema Kosten ist von „marktüblichen“ Gebühren in etwa in der Höhe von Kreditkartenfees die Rede.

Interessant wird hier werden wie sich solche Lösungen, wo eigentlich eine direkte Übertragung von Werten zwischen Kunden und Händlern möglich wäre, eine Monetarisierung für Payment Service Provider in der Mitte darstellen wird. Sollte der Payment Service Provider nicht in den direkten Geldfluss eingebunden sein, hätte er auch entsprechend keine finanziellen Risiken und damit wäre eine entsprechende Vergütung (wie etwa bei Kreditkartenzahlungen) eigentlich nicht angemessen. In solchen Fällen wäre die rein technische Dienstleistung die Transaktion zu ermöglichen zu bepreisen. In den Fällen, wo der Payment Dienstleister ein Collecting und entsprechende Umwandlung in Fiat-Währung für den Händler durchführt, wäre eine entsprechende Gebühr hingegen gerechtfertigt. Fraglich ist hier nur, ob das im Sinne der Erfinder von dezentralen Krypto-Währungen ist, die genau diese Intermediäre überflüssig machen möchten. Man darf gespannt bleiben, wie sich diese Anwendungsfälle und Preismodelle entwickeln und im echten Leben darstellen.

Instant Payment, EPI und CDBC (Digitaler Euro)

Die großen Player am Markt bekommen darüber hinaus stetig mehr Gegenwind aus den verhäuft ins Leben gerufenen europäischen, staatlichen und privaten Initiativen. Am wichtigsten sind hier Instant Payment, das den Zahlungsverkehr in Europa beschleunigen soll, EPI, welches sich zum Ziel gesetzt hat ein neues Bezahlverfahren auf europäischer Ebene als Gegenpol zu den großen Kreditkartenschemes sowie Wallet-Anbietern und im engen Zusammenhang dazu noch die Planung des digitalen Euro, als digitaler Variante des Euros analog zu einer zentral verwalteten Krypto-Währung. Der Wettbewerbsdruck im Markt rund um die dominierenden Bezahlverfahren in Europa nimmt also beständig zu. Zum einen gilt es für die europäischen Player ein Gegengewicht zu den dominierenden amerikanischen Konzernen zu schaffen, zum anderen aber auch private oder gar anonyme dezentralen Zahlungsnetzwerken wie dem Bitcoin etwas entgegen zu setzen. Im Kern geht es darum die Kontrolle über den Zahlungsverkehr zu behalten und das Vertrauen in die europäischen Institutionen und Zahlungsverkehrsanbieter in Europa zu stärken. Jeder der Beteiligten, sei es auf privater oder staatlicher Ebene, verfolgt hier ganz eigene Partikularinteressen sich durchzusetzen. Unter dem Stichwort MiCA (Markets in Crypto-Assets) verbirgt sich beispielsweise die Idee einer europäischen Regulierung des Krypto-Marktes. Eine entsprechende Verordnung soll voraussichtlich Ende 2022 in Kraft treten.

Ein Ausblick in die Zukunft

Es gibt inzwischen mehrere tausend Krypto-Währungen (von Finanzbehörden in der Regel übrigens als Asset und nicht als Währung klassifiziert) und eine Vielzahl weiterer, privater und staatlicher Initiativen. Der Markt ist wirklich unübersichtlich und wird stetig komplexer. Gleichzeitig sinken vielerorts die Eintrittsbarrieren, wodurch es dem einfachen Bürger immer leichter gemacht wird mit Kryptowährungen in Kontakt zu kommen und zu experimentieren. Ein Blick in die Glaskugel lässt vermuten, dass das Thema weiter an Relevanz zunehmen wird. Ist das Thema schon so Mainstream, dass sich meine Großeltern damit auseinandersetzen würden? Ich würde sagen nein. Auch nicht meine Eltern. Die meisten meiner Bekannten auch nicht. Aber die Zeit wird denke ich bald kommen. Das Thema wird relevanter und je mehr Anbieter und Lösungen auf den Markt kommen, umso relevanter wird die Reduzierung der Komplexität für Endkunden. Die großen Marktplayer beobachten das Thema sehr ernsthaft und experimentieren mit den ersten Lösungen. Zu Recht, denn sie laufen ernsthaft Gefahr durch die technischen Fortschritte und das Fortschreiten des Überflüssigmachens der Intermediäre zunehmend bedeutungslos zu werden. Wir werden eine deutlich erstarkende Lobby erleben, die gegen die Entmachtung staatlicher und zentraler Stellen im Zahlungsverkehr kämpfen wird. Denn in einer Welt in der der Zahlungsverkehr komplett dezentralisiert und ohne zentrale Vertrauensgeber funktioniert, da braucht sie eben niemand mehr. Diese Dystopie der Zahlungsverkehrswelt mag vielleicht noch einige Zeit in der Zukunft liegen, aber vielleicht weniger weit weg, als es dem einen oder anderen lieb ist. Mainstream ist das Thema noch nicht. Aber vor wenigen Jahren hatten auch nur echte Nerds einen Nokia Communicator in der Tasche (oder besser im Rucksack). Heute hat jeder seine E-Mails in der Hosentasche.

Ich bin gespannt…auch wann ich denn nun endlich Krypto-Millionär sein werde.

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Covididence 2020 im Zahlungsverkehr

Covididence 2020 im Zahlungsverkehr

Covid-19 und SCA verhelfen Altbekannten Payment Features zu neuem Glanz

 

POSTED ON 06. MARCH 2021 BY Ralf Hesse

Die guten Vorsätze

Neujahrstag 2020. Viele kämpfen mit den wohlbekannten Spätfolgen einer durchzechten Nacht und der ein oder andere sieht vielleicht zum ersten Mal skeptisch den in der Vorwoche so mühselig zusammengesuchten guten Vorsätzen für das neue Jahr entgegen. Was dann aber im Frühjahr 2020 passiert, hat und konnte niemand in seinem Maßnahmenplan berücksichtigen. Ein kleines Virus aus dem fernen China, was auf den Namen „Covid-19“ hört, sollte sich in kürzester Zeit zur Pandemie entwickeln und ab dem Frühjahr 2020 den gesamten Globus in festem Griff halten. Die durch die Pandemie notwendig werdenden Restriktionen im öffentlichen und teils auch privaten Leben haben weltweit die Menschen in ihrem Lebenswandel stark beeinträchtigt und zwangsläufig auch verändert. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen/sozioökonomischen Folgen sind selbst nach einem Jahr „Covid-Gefangenschaft“ nur schwerlich absehbar oder abschließend vorhersagbar.

Einbruch der Wirtschaftskraft (bedingt durch unterschiedliche Restriktionen und/oder verschiedenste Ausprägungen von Lockdowns), Einschränkungen in der Reisefreiheit, der besondere Schutz von Risikogruppen, mentaler Overkill des Pflegepersonals und vieles mehr sind die Auswirkungen, welche wir im Jahr 2020 alle zumindest informell wahrgenommen haben. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit der Payment Branche lag sicherlich auf dem sich daraus resultierenden veränderten Kauf- und Zahlverhalten der so eingeschränkten Bürger.

Gleichzeitig hat aber die Payment Welt auch noch ein altes Geschwür aus 2019 mit nach 2020 hinübergerettet – die „Starke Kundenauthentifizierung“ oder auch SCA genannt, die ja laut der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zum 01.01.2021 scharf geschaltet werden musste. Ein jeder Zahlungsdienstleister dürfte zu Anfang 2020 die anstehenden SCA Anpassungen in seinen Zahlungssystemen wohl eher zu den notwendigen Übeln als zu den guten Vorsätzen für das Jahr 2020 gezählt haben.

Betrachtet man nun die 12 zurückliegenden Monate, so kann man mit Gewissheit festhalten, dass das SCA Mandat in Koexistenz mit der Pandemie die Payment Welt stark verändert haben, und sogar alte Bekannte des Zahlungsverkehrs aus deren Dornröschenschlaf wieder ans Tageslicht befördert haben. Vielleicht war es in diesem Fall nicht der holde Prinz, der diese Kandidaten aus ihrem „Jahrhundertschlaf“ wachküsste, sondern vielmehr die zwei Schreckgestalten Covid-19 und SCA, welche mit ihren hässlichen Fratzen das Erwachen beschleunigten.

Die Entwicklung über das Jahr 2020

Wie uns bestens bekannt ist, hat zu Beginn 2020 die Region um die 11 Millionen Metropole Wuhan in China das Virus „exportiert“. Dieses hat dann in nie dagewesener Weise eine Missionierung des Erdballs in kürzester Zeit vorgenommen. Bei uns in Deutschland (wie auch vielen anderen europäischen Ländern) war dann mit dem ersten Lockdown am 23.03.2020 der erste Zenit erreicht. Eine weltweite Ausbreitung in nur drei Monaten kann man aus virologischer Sicht durchaus als Erfolg verbuchen.

Verglichen damit waren die SCA Maßnahmen, welche im gleichen Zeitraum durchgeführt wurden, eher gering, wenn dennoch partiell intensiviert (z.B. bei den Issuern) anzusehen. Bedingt durch Mandate der Kreditkartenorganisationen, die natürlich dem großen Masterplan der EBA folgend ihre eigenen Meilensteine passend für den 01.01.2021 definierten, hatten sicherlich die kartenherausgebenden Institute bis zum April 2020 einen deutlich höheren Implementierungsaufwand vorzunehmen, als dies in gleichem Zeitraum auf der Akzeptanzseite der Fall war – deshalb eben auch nur eine partielle Anstrengung des Ökosystems der Zahlungsdienstleister.

Aber auch der Akzeptanzseite wurden Mandate der Kreditkartenorganisationen in den Kalender eingetragen, die diese dann ab Mitte des Jahres ereilten (EMV 3DS2.1+ Mandat zum 01.07.2020 und das EMV 3DS 2.2 Mandat für Visa zum 18.10.2020). Dieses Ökosystem auf der Akzeptanzseite – bestehend aus Acquirern, deren Prozessoren, den PSPs, den Netzbetreibern und den 3DS2 Dienstleistern – war also gezwungen, sich technisch auf diese Erweiterungen fristgerecht einzustellen.

Ach ja, und dann gab es ja noch einen nicht ganz unwichtigen Teilnehmer auf der Akzeptanzseite, nämlich den Händler oder Akzeptanznehmer. Und an dieser Stelle haben wir die Schwachstelle der SCA Definition erkannt. Man kann nun nicht sagen, dass die Händler in Ihrer ureigenen Rolle eine pauschale Schwachstelle darstellen, sondern muss vielmehr festhalten, dass die SCA per Definition dieses letzte Glied der Akzeptanzwelt nicht ausreichend bei der Umsetzungs-Mandatierung berücksichtigt hat. Grund dafür ist wieder einmal die nicht abschließend und konsequent zu Ende gedachte „Befehlskette“ der Zahlungsaufsicht. Natürlich kann die Aufsicht (BaFin/EBA) nur die Beaufsichtigten (Zahlungsdienstleister) reglementieren. Aber dann blind darauf zu vertrauen, dass diese Beaufsichtigten aufgrund der diesen auferlegten Mandate den Markt in Eigenregie revolutionieren und die ihnen abverlangten Peinigungen an die „dahinterliegenden Straftäter“ weiterreichen werden, war wohl etwas zu kurz gedacht. Der Markt wird althergebracht nach dem „Henne – Ei – Prinzip“ regiert. Und diesem folgend war es den Akzeptanzgebern fast unmöglich, die Händler von den heilbringenden Wohltaten der SCA zum Einsatz derselben zu bewegen.

Ungeachtet der Querelen der SCA schrieb das Covid-19 Virus seine Erfolgsgeschichte fort und das in zunehmendem Tempo.

Die Schwächen in der SCA Umsetzung auf der Akzeptanzseite

Auf der Akzeptanznehmer-Seite trennte sich in Bezug auf die vorzunehmenden SCA Anpassungen zu Mitte des Jahres die Spreu vom Weizen. So hatten diejenigen Händler, welche über ein Direktverkaufs-Modell („Direct Sales“) ihre Ware an den Mann brachten, recht schnell zumindest einen Masterplan errechnet, der sie zum Ende das Jahres befähigen sollte, die SCA gemäß den gültigen Anforderungen umsetzen zu können.

Viel schlechter traf es diejenigen Marktsegmente, die ihre Ware über indirekte Verkaufswege veräußerten. Bedingt durch die chronologische Trennung von Bestellreservierung und Zahlungseinzug waren mitunter in den sukzessiv aufeinanderfolgenden Teilprozessen der Zahlungsdurchführung unterschiedliche technische Dienstleister – ja z.T. auch vertraglich über mehrere Akzeptanzstellen verteilte Dienstleister – mit dem Prozessing der Einzelaufgaben betraut. Das machte eine SCA konforme Abwicklung bisweilen unmöglich.

Ganz besonders betroffen war die Reise- und Autovermietungsbranche (T&H für „Travel and Hospitality“), bei welchen oftmals Reservierungen weit vor der Inanspruchnahme – und damit dem Zahlungseinzug – der jeweiligen Dienstleistungen erfolgten. Die oftmals über Online-Reiseagenturen (OTA für „Online Travel Agency“) gebuchten Reisepakete wurden von unterschiedlichen Leistungsträgern (Hotel, Fluglinie, Mietwagen, etc.) zu einem viel späteren Zeitpunkt eingezogen. Und für dieses Vorgehen nutzten schon vor SCA diese OTAs virtuelle Kreditkarten als Einmal-Zahlungsmittel. Mit diesem Instrument konnten die OTAs den Zahlungspflichtigen direkt an sich binden, ohne dass der Zahlungsvorgang zwischen Leistungserbringer und Karteninhaber direkt abgewickelt wurde. Da man aber aufgrund der SCA Definition wusste, dass virtuelle Karten von der SCA Pflicht ausgenommen sind, wurde somit die Nutzung von virtuellen Karten seitens der OTAs umso mehr als probates Mittel zum Zweck genutzt. Diese Renaissance der virtuellen Kreditkarten war sicherlich nicht im Sinne der Leistungsträger, da man damit die Bindung an den Karteninhaber nur noch mehr vom Leistungsträger entfremdete – zumal ja auch die OTAs diesen Service nicht ohne entsprechenden Obulus an den Leistungsträger erbrachten.

Mit den SCA Anforderungen wurde aber auch die Forderung nach einem interaktiven Datenaustausch zwischen den beteiligten Dienstleistern lauter (Nutzung des sog.  MIT-Frameworks [1]). Diese Forderung wiederum bedingte umfassende Anpassungen in IT-Systemen und Kommunikationsprotokollen der entsprechenden Dienstleister. Wie gesagt, bedurfte die Schaffung dieses Frameworks unterschiedlichster Anpassungen bei unterschiedlichsten Dienstleistern, was realistisch betrachtet – eine Umsetzung zum Jahreswechsel 2020/2021 unmöglich machte.

Die Kreditkartenorganisationen haben aber diesen Missstand gerade noch rechtzeitig erkannt und aufgrund der Multiplexität dieses Dienstleisteruniversums eine Möglichkeit geschaffen, die betroffenen Transaktionen ohne Nutzung von virtuellen Karten und ohne Nutzung von MIT-Frameworks durch eine entsprechende MOTO-Kennzeichnung der Transaktionen herbeizuführen. Auch das bedurfte natürlich Anpassungen im Akzeptanz-Ökosystem, war aber deutlich einfacher zu realisieren, da man diese „Um-Kennzeichnung“ zentral auf den Maschinen der Akzeptanzgeber implementieren konnte.

 

MIT-Framework als mächtiges SCA Instrument

Das zuvor beschriebene MIT Framework ist sicherlich die Ultima Ratio in der Umsetzung der SCA Anforderungen – insbesondere dann, wenn der Geschäftsvorfall über indirekte Vertriebsorganisationen, wie z.B. OTAs, realisiert wird. Allerdings sind per Definition einige Bedingungen an die Nutzung so eines Frameworks gebunden, die über die gesamte Dienstleistungskette zu beachten sind. Gleichermaßen ist aber auch zu beachten, dass die bei diesen unterschiedlichen Leistungsträgern zum Einsatz kommenden Akzeptanzwege (ECOM, MOTO, POS, etc.) mitunter in ein und demselben MIT-Vorgang Anwendung finden können.

Und genau an dieser Stelle kommt ebenfalls ein der Zahlungswelt nicht neu erscheinender alter Gefährte auf das Diskussionspodium zurück: die Schaffung einer „Omnichannel Lösung“. Der Gedanke, mit Omnichannel-Produkten Zahlungen, welche z.B. über ein ECOM Portal autorisiert wurden, später aber beim Leistungserbringer über ein POS-Device zum Einzug zu bringen und das dann idealerweise auch noch SCA konform – also z.B. unter Zuhilfenahme eines MIT-Frameworks, ist somit die logische Konsequenz aus der Suche nach einer Dienstleister- und Plattformübergreifenden Lösung eines gesamtheitlichen MIT-Framworks.

Prädestiniert für die Realisierung einer solchen Lösung wären Netzbetreiber (die ja i.d.R. auch ECOM- und MOTO-Lösungen anbieten) oder aber PSPs, da beide Parteien heute schon Teile dieser Omnichannel-Lösung auf ihren Plattformen verarbeiten. Es bleibt abzuwarten, wer hier in 2021 den Staffelstab als erster aufnimmt.

In 2019 und 2020 haben wir bereits zwei renommierte PSPs in Deutschland gesehen (Computop und Unzer), die ihre ECOM/MOTO Plattformen um das Präsenzgeschäft erweiterten. Sicherlich ist dieser Schritt in erster Linie vor dem Gedanken der Erweiterung des Leistungsportfolios und der dazugehörigen Marktsegmente zu sehen. Allerdings bietet er auch die perfekte Absprungbasis für die Realisierung einer Omnichannel-Lösung. Die Netzbetreiber sollten also jetzt gewarnt sein, ihre Plattformen in Richtung Omnichannel zu erweitern. Nur so können deren Plattformen alle Geschäftsvorfälle mittel- bis langfristig SCA-konform abwickeln. Dazu kommt die steigende Anzahl an ECOM Transaktionen, die nicht zuletzt bedingt durch die Covid-19 Pandemie ausgelösten Veränderungen im Kaufverhalten der Bürger zum Umdenken bei den Netzbetreibern auffordert. Es bleibt also abzuwarten, wer hier in 2021 den Staffelstab als erster aufnimmt.

 

Fazit ist: Covid-19 und SCA in Kooperation haben den Zahlungsverkehr in Richtung der digitalen Zahlungsvorgänge verlagert (das inkludiert auch die Reduzierung des Bargeldgeschäftes) und verlangen ebenfalls Plattformübergreifende Lösungen im Sinne des Omnichannel-Ansatzes. Auch, wenn also die SCA augenscheinlich in vollem Umfang in Kraft getreten ist [2], so wird sie dennoch die Entwicklung im Zahlungsverkehr auch in 2021 maßgeblich mitbestimmen.

 

 

 

[1] MIT steht für „Merchant Initiated Transaction“. Dieser Transaktionstyp ist von der SCA befreit und kann dann angewandt werden, wenn ein Händler Zahlungen ohne Anwesenheit des Karteninhabers einziehen will. Die Nutzung eines MIT-Frameworks in Verbindung mit „indirect sales“-Vorgängen ist eine präferierte Vorgehensweise der Kreditkartenorganisationen für die T&H Branche, bedingt aber Anpassungen in den Systemen aller betroffenen Dienstleister dieser Prozessing-Kette und bedingt gleichermaßen die SCA konforme Kommunikation dieser betroffenen Dienstleister untereinander mit zusätzlichen SCA Werten.

[2] „in vollem Umfang“ inkludiert hier die EWG weiten „Ramp Up“ Pläne der nationalen Aufsichten, welche teils in monatlichen Schritten bis Ende März 2021 die 100%-ige Anwendung der SCA vorsieht

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AHA+K – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und kontaktlos zahlen

AHA+K  Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und kontaktlos zahlen

POSTED ON 06. DECEMBER 2020

 Kontaktlos und bargeldlos bezahlen? Ein Szenario: Es ist Samstag und ich fahre mit meinem Auto in die Stadt. Parke auf dem kleinen Markt an der Kirche. Steige aus, schiebe meine Kreditkarte in den Schlitz des Parkautomaten und wähle in 50 Cent Schritten die gewünschte Parkzeit. Meine nächste Station ist der Obststand auf dem Wochenmarkt. Ich nehme die kleine Tüte mit den Bananen und Kiwis entgegen, tippe die 10-Stellige Nummer, die der Händler auf einem Papierschild ausgedruckt in der Auslage stehen hat, in eine Bezahl-App auf meinem Handy und überweise ihm den Betrag mit einem kurzen Swipe. Kurz bevor ich wieder ins Auto steige, möchte ich noch kurz im Supermarkt vorbeischauen. Als ich an der Kasse stehe und angesichts des kleinen Betrages ein paar Münzen hervorkrame, deutet der Kassierer mürrisch auf das Schild an der Tür: “Wir akzeptieren kein Bargeld”. Also zücke ich wieder mein Handy, entsperre es mit einem Blick auf das Display und halte das Gerät dann an das Terminal. Ich frage mich, ob ich das Kleingeld in meiner Tasche eigentlich noch jemals wieder los werde.

 Vom „Krieg“ gegen das Bargeld

Diese Geschichte kommt Ihnen komisch vor? Das liegt vielleicht daran, dass das Besagte nicht in Deutschland stattgefunden hat, sondern in Schweden. Hier lebt man bereits überwiegend bargeldlos. Und das nicht erst seit gestern. Hier ist der “war on cash”, wie es der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) Harald Olschock völlig uneigennützig formuliert, bereits in vollem Gange.

Um nicht zu sagen, inzwischen soweit fortgeschritten, dass nur noch ein paar wenige Aufständische beharrlich ihr Recht auf die Nutzung von Bargeld verteidigen.

Bargeldloser Zahlungsverkehr: Zahlen zur Nutzung in Deutschland

In Deutschland hingegen glich das Vordringen der Kämpfer für einen bargeldlosen Zahlungsverkehr in den letzten Jahren eher einem zermürbenden Stellungskampf, um im Bild zu bleiben. Insbesondere bei der Nutzung von kontaktlosen Zahlungsarten, die weithin als Brückentechnologien zur vollständigen digitalen Zahlungsinfrastruktur gesehen werden. Noch 2016 gaben 54% der Deutschen an, noch nie kontaktlos bezahlt zu haben und dies auch in Zukunft nicht in Erwägung zu ziehen. Nur 10% der Bevölkerung hatten zu diesem Zeitpunkt bereits kontaktlos gezahlt und davon nur der kleinste Teil regelmäßig. 2019, also 3 Jahre später, sah die Situation bereits anders aus. 55% hatten letztes Jahr bereits kontaktlos gezahlt. Die Hälfte davon nutzte die Kontaktlosfunktion ihrer girocard, der Kreditkarte oder ihres Smartphones, dabei mindestens einmal wöchentlich.

Ein weiteres Opfer von Corona – das Bargeld?

Nun ist dieses Jahr ein anderes als alle vorangegangenen Jahre und das in vielerlei Hinsicht. Nicht nur fühlt es sich inzwischen merkwürdig an, ohne Maske das Haus zu verlassen, obwohl wir noch vor einigen Monaten halb amüsiert, halb verständnislos den Kopf schüttelten, wenn uns mal wieder eine asiatische Reisegruppe in allerlei farbenfrohen Mundschutz gekleidet über den Weg lief, sondern Corona (bzw. COVID-19) hat auch das Verhalten an der Kasse grundlegend geändert. Noch 2018 gehörte man einer seltenen Spezies an, wenn man seine Karte nur kurz an das Terminal im Supermarkt hielt. Der erstaunten Blicke seiner Mitschlangesteher war man sich endgültig sicher, wenn man nach der Frage “Bar oder mit Karte” nur kurz das Handy herauszog und mit dem, inzwischen durch die Deutsche Bank sogar medial zu einiger Aufmerksamkeit gekommenen „Ba-bing“ seine Einkaufstaschen schnappte und einfach verschwand, ohne auch nur einmal die Geldbörse geöffnet zu haben.

Corona als Treiber für kontaktloses Bezahlen

Die Pandemie sei nun dafür verantwortlich, dass die Zahlen für das bargeldlose und insbesondere kontaktlose Bezahlen seit 2019 noch einmal beträchtlich gestiegen seien. Das sagen beide Parteien. Die Verfechter des Bargeldes und diejenigen, die es am liebsten endlich loshaben wollen würden. Dabei beklagen erstere allerdings, dass die Warnung vor der Ansteckungsgefahr mit Bargeld nur Panikmache sei und Ängste bei Kunden und Verkaufspersonal schüren würde. Letztere dagegen freuen sich, dass es nun scheinbar den letzten notwendigen Impuls gegeben hat, den Weg in eine längst verschlafene Zukunft des digitalen Zahlungsverkehrs in Deutschland endlich frei zu machen.

Beim kontaktlosen Zahlen stehen Zweckmäßigkeit und Geschwindigkeit im Vordergrund

Nun scheint es so zu sein, dass das größte Ansteckungsrisiko wohl tatsächlich nicht auf den Austausch von Bargeld zurückzuführen ist, sondern auf begutachtetes und wieder zurückgelegtes Obst. Aber dies muss von den entsprechenden Experten an anderer Stelle abschließend geklärt werden. Es ist aber auch so, dass mitnichten die Angst vor einer Ansteckungsgefahr die Menschen vermehrt zu den Karten bzw. Smartphones greifen lässt.

Aktuelle TOP 3 Gründe für die Nutzung von bargeldlosem Bezahlen

Dies hat zumindest eine Umfrage von Statista in Zusammenarbeit mit gdata ergeben. Auf die Frage danach, warum sie lieber bargeldlos bezahlen, nannten nur 20,3% der Teilnehmer die Angst vor einer Ansteckung als Grund dafür. Und damit landet diese Aussage nur auf dem dritten Platz. Auf den ersten beiden Plätzen liegen hingegen die Gründe, dass man bspw. das Smartphone immer zur Hand hat, Bargeld nicht immer (32,5%), bzw. dass die Zeitersparnis an der Kasse im Vergleich zum Bargeld eine Rolle spielt (31,7%).

Bargeld – nicht mehr des Deutschen liebstes Kind?

Fakt ist, die Liebe zu ihrem Bargeld hat bei den Deutschen seit Ausbruch der Corona-Krise besonders stark gelitten und die Menschen werden sogar mutiger was die “neuen” Technologien betrifft. Inzwischen haben 75% bereits kontaktlos (also auch bargeldlos) gezahlt und ca. 64% machen dies sogar regelmäßig, haben die Forscher von Forsa im Auftrag von Visa herausgefunden. Dabei zahlen die meisten, nämlich 56% der Befragten, am liebsten mit Karte, was einem Anstieg um 3% zum Vorjahr entspricht. Nur noch 32% sagen, dass Bargeld ihr bevorzugtes Zahlungsmittel ist. Signifikant ist aber der Anstieg bei Smartphones. Hier gaben 12% der Teilnehmer an, dass dies inzwischen ihre liebste Form des Bezahlens ist. Das entspricht einer Verdoppelung zum Vorjahr.

Noch wesentlich interessanter ist allerdings, dass sich offensichtlich auch die grundlegende Einstellung zum Bargeld zu verändern scheint und zwar fast gleichmäßig über alle Altersgruppen hinweg. So hat der Digitalverband Bitkom herausgefunden, dass sich der überwiegende Großteil der Menschen in Deutschland mehr Möglichkeiten zum kontaktlosen Bezahlen wünscht. Bei der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen sind das weniger überraschend ganze 76%. Aber selbst bei den 65-Jährigen und älter sind es noch 62%. Und hört man den Teilnehmern weiter zu, versucht der Großteil der Befragten die Zahlung mit Bargeld sogar so oft es geht zu vermeiden. Hier sind es in der jüngeren Gruppe, unter den 16- bis 29-Jährigen, bereits 84%. Aber sensationell ist, dass sogar 68% der ältesten Mitbürger, 65 Jahre und darüber, die gleiche Meinung vertreten.

Denkt denn keiner dabei an den Datenschutz? Um Gottes Willen, der Datenschutz!

Damit scheint eines der am häufigsten genannten Argumente für die Bargeldnutzung an Bedeutung zu verlieren. Nämlich, dass ältere Menschen vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden könnten, wenn Bargeld abgeschafft werden würde. Weitere Argumente bemühen regelmäßig die angeblich fehlende Ausgabenkontrolle und die generelle Sicherheit des Zahlvorganges. Außerdem darf in Deutschland natürlich die Angst vor dem mangelnden Datenschutz nicht fehlen. Martialisch klingende Aussagen, wie die vom “war on cash” des oben bereits angesprochenen BDGW und die diffuse Angst vom gläsernen Menschen, verbinden darüber hinaus raffiniert des Deutschen ureigenen Schuldkomplex mit der grundlegenden Skepsis gegenüber der technologischen Zukunft.

Kinderfotos auf Facebook? Kein Problem. Digital bezahlen? Niemals!

Dass ein Großteil der Menschen inzwischen, ohne weiter darüber nachzudenken, jedes noch so private Detail in sozialen Netzwerken veröffentlich, scheint dabei geflissentlich übersehen zu werden. So, wie es einem eben gerade passt. Auch diskutieren nicht wenige Parteien gerade über die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre. Unter dem Deckmantel der Mündigkeit kommt die für einige sehr praktische Neigung, sich Ideologien ungeprüft zu verschreiben gerade Recht, um neue Wählergruppen zu erschließen. Aber wenn es um den Kauf der nächsten Air Max geht, trauen wir unseren Jugendlichen nicht zu, den Einfluss dieser Transaktion auf ihren Kontostand nachvollziehen und nachhaltig einordnen zu können, solange sie kein Bargeld benutzen.

Dabei bietet inzwischen jede halbwegs vernünftige Banking-App eine entsprechende Übersicht. Sogar bis hin zu Analysetools, die uns unser Ausgabeverhalten bis ins Detail überwachen und planen lassen und sogar helfen, übermäßige Ausgaben zu vermeiden, bspw. mit bestimmten zweckgebundenen Unterkonten oder Ausgabengrenzen. Und natürlich sind technologische Lösungen immer einem gewissen Risiko unterworfen, missbraucht zu werden. Aber wir wagen zu bezweifeln, dass sich der geneigte Bürger die vielfältigen Möglichkeiten, einen Geldautomaten zu manipulieren, bei jeder Bargeldabhebung mit PIN bewusst ins Gedächtnis ruft und daraufhin den, insbesondere in Zeiten des umfangreichen Filialsterbens, gegebenenfalls recht langen Weg zur nächsten Bankniederlassung antritt.

Die Gründe gegen kontaktlose Kartenzahlungen sind die Gründe für das Zahlen mit dem Smartphone

Ganz im Gegenteil. Eigentlich müsste man den Übergang zur digitalen Zahlungsinfrastruktur noch beschleunigen, wenn man an Sicherheit und Datenschutz interessiert ist. Tatsächlich können Karten nämlich ausgelesen werden. Auch wenn mit der Near Field Technology (NFC), die die Basis des kontaktlosen Zahlvorganges darstellt, maximal 4 cm überbrückt werden können. Man müsste also schon sehr nah an die Karte herankommen, um sie auslesen zu können. Aber selbst wenn das gelingen sollte, kann man mit den gestohlenen Daten für maximal 50€ (vor der Corona-Krise 25€) einmalig oder bis zu insgesamt 150€ bei nicht mehr als 5 aufeinanderfolgenden Transaktionen einkaufen gehen, bevor wieder eine PIN verlangt wird. Wollte man aber wirklich konsequent sein, würde man die Bürger weniger vor den Risiken der kontaktlosen Kartenzahlung warnen, als sie möglichst schnell versuchen, für die Zahlung mit dem Smartphone zu begeistern.

Durch die Tokenisierung, wie bei Apple Pay oder Google Pay üblich, werden hier nämlich gar keine persönlichen Informationen oder Zahlungsdaten mehr übertragen. Außerdem ist die Hürde, das Smartphone missbräuchlich zu verwenden sehr viel höher als bei girocards oder internationalen Debit-/ Kreditkarten. Nicht nur müsste man den Schutz des Smartphones überwinden, auch die Bezahl-App selber müsste ausgetrickst werden. Und mit den neuesten Geräten würde das bedeuten, man bräuchte schon das Gesicht oder zumindest einen Daumen des Opfers. Wir hoffen in unserem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen, dass das zumindest für die Meisten unter uns einen ausreichenden Hinderungsgrund im Hinblick auf den potentiell geringen Profit darstellt.

Kein Bankkonto ist auch keine Lösung

Ein Punkt, der jedoch durchaus nicht von der Hand zu weisen ist, ist der Verlust der Anonymität durch kontaktloses Geldausgeben. Banken und Dienstleister erhalten bei rein digitalen Transaktionen ständig Informationen, wer, wann, wo für wieviel eingekauft hat. Nach meinen Erfahrungen hat das allerdings im günstigsten Fall die Auswirkungen, dass mehr für mich persönlich optimierte Dienstleistungen angeboten werden und im schlimmsten Fall, dass ich mit zusätzlicher Werbung zugespammt werde, die mich, angesichts der annahmegemäß sehr effizienten Auswertung meiner Daten und der damit zusammenhängenden potentiellen Überzeugungskraft, womöglich zum zusätzlichen Geldausgeben verleitet.

Wer nun darauf hinweisen will, dass es bei dieser Form des Datenschutzes ja gar nicht so sehr um den ökonomischen Aspekt der beteiligten Dienstleister und Banken geht, sondern eher um das strafrechtliche Interesse der Behörden, der hat sicherlich noch nicht erlebt, welche Auswirkungen die verspätete Zahlung der Kfz-Steuer oder die ausreichend lange Verzögerung der Überweisung des sog. Rundfunkbeitrages bereits ohne digitale Zahlungsmethoden haben kann. Würde man sich dem entziehen wollen, dann dürfte man noch nicht einmal ein Konto eröffnen. Und wir lehnen uns sicherlich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass der Teil der Bevölkerung, der das konsequent durchzieht, eher nicht zum Kreis unserer Leser gehört.

Entwicklungsland Deutschland – auch bei der digitalen Zahlungsinfrastruktur

Trotzdem werden die Mahner ohne Frage nicht müde werden, die Risiken des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu betonen und weiterhin der Auffassung sein, dass Bargeld noch das wichtigste Zahlungsmittel in Deutschland ist, und auch bleiben wird (O-Ton – wer hätt‘s geahnt – BDGW). Währenddessen hat Schweden das Ziel ausgegeben bis 2030 vollständig auf bargeldloses Zahlen umgestellt zu haben. Und selbst für Deutschland prognostizieren unsere Kollegen der Unternehmensberatung Oliver Wyman, dass spätestens 2025 die umsatzbasierte Bargeldnutzung gerade noch bei 32% liegen wird. Und im selben Zeitraum sollen sich diejenigen Nutzer, die mit dem Smartphone am POS zahlen werden – und damit kontaktlos – laut Statista mehr als verdreifachen (von heute ca. 6 Mio. Nutzer auf ca. 19,7 Mio. Nutzer).

Dazu wird in Zukunft sicherlich die krisenbedingte Erhöhung des Betrages, der ohne PIN kontaktlos mit der girocard gezahlt werden kann (von 25€ auf 50€), beitragen. Wir schätzen aber, dass insbesondere die weitere Verbreitung von Zahlungsterminals mit Kontaktlosfunktion und das sich ändernde Bewusstsein der Kunden zur Zahlung von Klein- und Kleinstbeträgen im Lebensmitteleinzelhandel, zusammen mit der Deckelung der Händlerentgelte durch die MIF-Verordnung, zunehmend positiv auf die Nutzung unbarer Zahlungsmethoden auswirken wird.

Das Bäckerhandwerk als Wegweiser in die digitale Zukunft

Noch heute wird, je kleiner der zu zahlende Betrag ist, eher auf Bargeld zurückgegriffen. So finden laut Finanztest 70% der Bargeldtransaktionen im Lebensmitteleinzelhandel statt. Zum Vergleich, bei Möbelhäusern sind es 3,1%, bei Garten- und Baumärkten 3,2% und bei Bekleidungs- oder Schuhgeschäften nur 4,6%. Die Deutschen sind also noch nicht bereit, ihre Brötchen Sonntagmorgen beim Bäcker mit der Karte oder dem Smartphone zu zahlen. Und dementsprechend ist auch die Bereitschaft der Händler, die entsprechenden Möglichkeiten für kontaktloses Bezahlen überhaupt erst anzubieten.

Insofern ist es, wenigstens für die Verfechter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, eine gute Nachricht, dass zumindest der Zentralverband des Bäckerhandwerks inzwischen eine Broschüre aufgelegt hat, deren Ziel es ist, seinen Mitgliedern und deren Kunden die Vorteile “dieser neuen” Technologie nahezubringen.

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Mobile Payment – zwischen Commodity und Partikularinteressen

Mobile Payment: zwischen Commodity und Partikularinteressen

POSTED ON 18. OCTOBER 2020 BY David Kruse

Vor einigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass Samsung Pay, der mobile Bezahldienst des gleichnamigen südkoreanischen Technologieherstellers Ende Oktober in Deutschland starten wird. Hierfür ist Samsung eine Partnerschaft mit der FinTech-Bank Solaris und Visa eingegangen und kann auf diesem Weg die hiesigen Banken und Sparkassen umgehen. Hierdurch wird für Besitzer eines Samsung Smartphones – ausgenommen die Reihe Galaxy J und Galaxy M oder Smartwatch – die Möglichkeit geboten, neben dem bereits etablierten Checkout im E-Commerce, ebenfalls am physischen Point-of-Sale (POS) zu bezahlen. Darüber hinaus wird hierdurch neben Apple Pay und Google Pay ein weiterer Bezahldienst mit einem Potential von ca. 20 Millionen Endkunden gelauncht, welcher Folgen für das Geschäftsmodell sowie die weiterhin auf sich wartende Digitalisierung der girocard der deutschen Kreditwirtshaft haben kann.

Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die großen internationalen Anbieter (GAFAs) den Drahtseilakt der Verschmelzung einer optimalen Nutzererfahrung (UX) und unterschiedlichen Vertriebskanälen mit Bravour zu meistern scheinen, während Bemühungen nationaler Interessenverbände mehr dem zaghaften Trainingslauf über dem Fallnetz ähneln. Um die erwähnte Harmonisierung sowie Lösungen im Mobile Payment besser einschätzen zu können, ist eine Einordnung dieser sinnvoll. Aus diesem Grund ist zunächst die Frage zu beantworten, „Was ist Mobile Payment“ bzw. „Wie wird Mobile Payment definiert“?

Was ist denn nun Mobile Payment?
Um es vorab zu sagen, es gibt nicht die eine einheitliche und allumfassende Definition für das Mobile Payment. Wie bereits der Name impliziert, handelt es sich bei dem Begriff Mobile Payment um Zahlungen, welche über mobile Endgeräte eines Verbrauchers durchgeführt werden und bei denen weder Bargeld noch physische Debit- oder Kreditkarten involviert sind. Obschon bei granularer Einordnung Unmengen an Kategorien erstellt werden können, haben wir uns der Einfachheit halber auf zwei Oberkategorien verständigt. Diese heißen Proximity Payments am POS und Remote Payments im E- und M-Commerce und repräsentieren alle gängigen Anwendungsfälle, welche auf einem mobilen Endgerät durchgeführt werden. Dabei sprechen wir von einem „Omni-Channel-Zahlungsmittel“, da diese sowohl im stationären Handel (Proximity Payment) und mobil bzw. online (Remote Payment) eingesetzt werden können. Als Synonym wird Mobile Payment auch gern als „Wallet Payment“ verwendet, da diese E-Wallets entsprechende Zahlungsdaten digital speichern, jedochauch zusätzliche Anwendungen wie Loyalty, Couponing, digitale Tickets oder Bordkarten enthalten können.

Proximity oder Wallet Payment ist vielen besonders durch Apple Pay, Google Pay, PayPal Wallet und demnächst Samsung Pay ein Begriff. Bei dieser Art der Bezahlung wird (normalerweise) eine Debit- oder Kreditkarte digitalisiert, um diese auf einem Mobiltelefon für Bezahlprozesse zu nutzen. Durch den Kontakt zwischen Terminal und Mobiltelefon wird die Zahlung mit der digitalisierten Geldbörse angestoßen. Google setzt hierbei seit der Einführung mit Android 4.4 auf die „Host Card Emulation“ (HCE) Technologie. Selbiges gilt für die weniger benutzerfreundliche, jedoch für den Händler preiswertere Adaption von Mobile Payment, der digitalen girocard, wie sie die Sparkassen in der Bezahl-App „Mobiles Bezahlen“ anbieten. Apple hingegen steuert die NFC Schnittstelle mit einer eigenen Software an . Die erforderlichen Daten werden vom Secure Element zusammengefasst und verschlüsselt.

Nachdem die digitale Karte in die Wallet geladen wurde, kann die digitale Geldbörse wie eine Kreditkarte sowohl am physischen POS als auch im E- und M-Commerce genutzt werden. Hierfür ist neben der Installation auf dem Konsumentengerät lediglich die Händlerakzeptanz sowie ein kontaktlosfähiges Terminal notwendig. Besonders der nutzerfreundliche Bezahlprozess per Touch oder Face ID hat den Diensten bei Ihrer Verbreitung in Deutschland geholfen.

Mobiles Bezahlen mit dem Smartphone: Diverse Ausprägungen und Anbieter
Werden Waren und Dienstleistungen per Mobilgerät im E- und M-Commerce bezahlt, so spricht man von Remote Payments, da in diesem Fall das Internet den Vertriebskanal darstellt. Dabei können sowohl Mobile Wallets wie Apple Pay, Google Pay oder Samsung Pay genutzt werden oder spezielle Apps im Rahmen von In-App- oder App-to-App-Zahlungen. Der Begriff App Payment beschreibt die Bereitstellung von Bezahlmethoden in Form von Apps auf dem Smartphone. Dies können Applikationen sein, welche ausschließlich die Funktionalität des angebotenen Dienstes abbilden oder Dienste, welche mit Applikationen von Drittanbietern verbunden werden, um diesen eine Bezahlfunktionalität zu ermöglichen. Ein populäres Beispiel in diesem Kontext ist PayPal, welches sowohl eigenständig als auch im Checkout unterschiedlicher Onlineanbieter eingesetzt wird.

Anhand der Anzahl unterschiedlicher Ausprägungen sowie der Masse verschiedener nationaler und internationaler Anbieter und Dienstleister wird deutlich, dass mobiles Bezahlen nicht erst seit der Einführung von Apple Pay existiert. Besonders aus diesem Grund stellt sich unweigerlich die Frage, warum es so lange dauerte, bis eine einigermaßen kritische Masse Nutzen von dieser Technologie machte. Die Antwort lässt sich mit einem Begriff zusammenfassen: Partikularinteressen.

Partikularinteresse als Innovationsbremse
Ursprünglich wurde Mobile Payment durch die deutschen Mobilfunkanbieter getrieben. Durch die Einführung von Premium-SMS, waren diese in der Lage, Services wie beispielsweise das Jamba Sparabo, welches so manchen Mobilfunkvertrag in den dreistelligen Betragsbereich hob, abzurechnen. Basierend auf dieser Logik wurde versucht, auch normale Bezahlprozesse am POS abzubilden. Um dies zu realisieren, mussten Mobilfunkanbieter mit einem regulierten E-Geld Institut sowie einem Kreditkarten-Scheme als Technologiepartner kooperieren. Beispielsweise nutzten Vodafone sowie E-Plus die E-Geld Lizenz des heute insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard sowie payWave (Visa Card) bzw. PayPass (Master Card) zur technischen Abwicklung.

Wenn Interesse an der Nutzung der Wallet Bestand, wurde dem Kunden eine neue SIM-Karte (NFC-SIM) zugestellt. Auf dieser Befand sich das Secure Element, welches noch heute zur Sicherung der sensiblen Kreditkartendaten genutzt wird. Darüber hinaus konnten lediglich Mobiltelefone verwendet werden, welche durch den Telekommunikationsanbieter abgenommen und freigegeben wurden. Abgerechnet wurde über die monatliche Mobiltelefonrechnung. Unglücklicherweise wurde das Produkt nicht von den Konsumenten angenommen was zur Einstellung diverser Initiativen führte. Dies kann sowohl an der Eigenpositionierung der Telkos in der Wertschöpfungskette des Bezahlprozesses, der niedrigen Anzahl an NFC-fähigen Terminals mangels Non-Contactless Fees der Schemes, oder der fragwürdigen Auswahl angebotener Mobiltelefone gelegen haben. Erst nach der Portierung des Secure Elements auf das Endgerät sowie der Einführung der Bezahldienste durch die Hersteller inklusive dessen Marketingbudgets, gewann mobiles Bezahlen an steigender Aufmerksamkeit. Dies in Kombination mit den von Beginn kundenzentrierten Prozessabläufen, simplifizierter Nutzung sowie der korrekten Interpretation des Begriffs kanalübergreifend, wurde mobiles Bezahlen in vielen Ländern eingeführt.

Bezahlen mit dem Handy in Deutschland? Ein Blick auf das Nutzerverhalten
Nur Deutschland ließ sich Zeit. Möglicher Grund hierfür kann das häufig beschriebene Phänomen der bargeldliebenden Gesellschaft sein, jedoch auch das Eigeninteresse der deutschen Banken, den von Apple geforderten Anteil an der Interchange oder Händlerentgelten lieber auf den eigenen Ertragskonten zu verbuchen. Dies ging so lange gut, bis sich die erste deutsche Bank als Vorreiter positionierte und mit dem Start von Apple Pay in den Kampf um den Konsumenten zog.

In der Zwischenzeit zeigt sich, dass sich die Nutzung des mobilen Internets durch alle Generationen in Deutschland zieht. Eine Studie der Postbank, die vor Corona erhoben wurde, spiegelt wieder, dass die Smartphones alle anderen mobilen Geräte abgehängt haben und ein ständiger Begleiter der Menschen hierzulande sind. Knapp 80 Prozent der Bürger gehen mit ihrem Handy ins Netz, Laptops liegen bei 71 Prozent und zu Desktop-PCs und Tablets greifen 58 bzw. 47 Prozent, wenn diese ins Internet möchten. Die jüngeren Kundensegmente waren schon vor der COVID19-Pandemie fast permanent online und dabei meistens mit dem Smartphone unterwegs. Dabei dürfte der Lockdown wegen Corona und die anhaltenden Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung diesen Trend noch verstärkt haben. Dieses Nutzerverhalten hat auch Auswirkungen auf das Mobile Payment und laut der aktuellen Bitkom-Studie geben ein Drittel der Bundesbürger an, Mobile Payment per Smartphone oder Smartwatch mindestens einmal verwendet zu haben. In der Umfrage aus dem Jahr 2016 waren dies lediglich acht Prozent.

Aufholjagd oder bereits abgehangen?
Aus der Entwicklung des mobilen Bezahlens in Deutschland wird sichtbar, dass der Gewinn des Kunden sowie dessen Interaktion mit einem angebotenen Dienst überlebenswichtig ist. Das dies auch die deutschen Banken verstanden haben, wird bei dem verzweifelten Versuch der Positionierung des Girokontos als Kundenkernprodukt deutlich. Nachdem mögliche Implikationen der PSD2 lange Zeit inkorrekt interpretiert wurden, bleibt jedoch unbeantwortet, ob dies noch realistisch ist. Erst als bereits andere Anbieter den durch bankeneigene Produkte dominierten Markt für sich eroberten, ließ die Selbstsicherheit der vermeintlichen Platzhirsche nach und eine klare Sicht auf die tatsächlichen Zustände wurde möglich. Ähnlich könnte es nach der Einführung von Samsung Pay mit dem deutschen Payment Markt aussehen.

Während die deutsche Kreditwirtschaft mit der Harmonisierung unterschiedlicher Interessenverbände und deren jeweiligen Bezahlmethoden zur Erreichung eins multikanalfähigen Produktes beschäftigt ist und #DK in letzter Instanz vom Phönix zum Papiertiger mutieren kann, werden 20 Millionen Verbraucher mit einer in Zukunft vorinstallierten App durch Samsung versorgt. Diese bietet neben dem kundenfreundlichen Onboarding über IBAN und qualifizierter elektronischer Unterschrift, der kanalübergreifenden Bezahlung von Waren und Dienstleistungen mit einer digitalen VISA Card und der Ausgabenübersicht in Form eines KPI Dashboards ebenfalls die Möglichkeit, Unterkonten anzulegen und Finanzierungen abzuschließen. Auf diese Art hat der durch die Solarisbank abgebildete Bezahldienst das Potential, alle relevanten Interaktionen für den Kunden zu übernehmen und die Kundeninteraktion mit dem Hauptkonto auf den monatlichen Lastschrifteinzug der Ausgleichszahlung zu reduzieren.

So verlieren klassische deutsche Banken Kunden, welche sich nach kurzer Bestätigung eines Akzeptanzvertrages im Neukundenportfolio der Solaris Bank AG wiederfinden. Und all das gibt es für einen bankenfreundlichen Revenue Share auf Basis der regulierten Interchange von 20 Basispunkten. Samsung hat verstanden, dass Konsumenten nur schwer von einem Service abweichen, wenn sie sich an die Annehmlichkeiten gewöhnt haben. Abzuwarten bleibt, ob dies auch von den aktuell in Umsetzung befindlichen Konkurrenzprojekten als Kundenanforderung und Fakt akzeptiert wird.

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Digitale Währung: Central Bank Digital Currency? – Das Bargeld ist tot, es lebe das Bargeld!

CBDC digitale Währung - digitaler Euro

Digitale Währung: Central Bank Digital Currency?

Das Bargeld ist tot, es lebe das Bargeld!

 

Bargeld, das war doch schon immer da, oder?

Für einen Großteil der europäischen Verbraucher gibt es keine alltäglichere Handlung, als den Austausch von Gütern gegen Geld in jedweder Form. Anhand dieser Selbstverständlichkeit wird deutlich, dass sich viele dem Ursprung des Euros, sowie seiner Reise seit Entstehung nicht mehr bewusst sind. Dies ist bemerkenswert, zumal die letzte Währungsreform, welche die Aufgabe nationaler Währungen, wie der deutschen Mark oder der niederländischen Gulden zur Konsequenz hatte, erst 18 Jahre her ist.  Da die EZB nun über eine nicht minder radikale Reform des europäischen Währungsraums diskutiert, ist eine kleine Auffrischung unserer Meinung angebracht.

 

Bargeld und die Evolution des Payments

Bargeld bzw. der physische Geldwert nationaler Währungen, sowie die damit verbundene Kauf- und Tauschkraft durchlief seit Einführung diverse Evolutionsstufen. Nach Durchführung erster Transaktionen im Tauschgeschäft, war schnell deutlich, dass ein vom Tauschinteresse unabhängiger Wert geschaffen werden musste, welcher breite Akzeptanz findet. Zunächst waren dies Muscheln, später Münzen. Der erste Token war geschaffen. Schnell lagen die logistischen Nachteile einer Münzwährung, das Gewicht, auf der Hand und Europa wurde durch die Einführung einer papierhaften Währung das erste Mal zur „Copycat“ von China. Seit dieser Einführung im 15. Jahrhundert, sollte es bis auf die Ergänzung um Plastikgeld vorerst keine Payment-Innovationen im Sinne Schumpeters kreativer Destruktion geben.

 

Digitale Währung: Europa, einig Bargeld-Land?

Erst im Jahr 2019 wurde durch den Start der digitalen Euro-Initiative erstmalig seit der Beendigung des Projekts Monnet im Jahr 2012 die Art und Weise, wie in Europa bezahlt wird, genauer betrachtet. Besagte Betrachtung war weniger ein Resultat der Eigeninitiative oder Innovationslust der Europäischen Zentralbank, als vielmehr eine Reaktion auf die Einführung eines digitalen Yuan in China. Dieses Vorhaben wurde durch Amerika als Iterativinnovator in Form des digitalen Dollars im Jahr 2020 dankend adaptiert. Unglücklicherweise gelang es Europa im Gegensatz zu China bis heute nicht, über 90% der Bevölkerung für eine QR-Code basierte Payment Wallet zu begeistern, welche dem Apple Store an Vielfalt um nichts nachsteht. Daher stellt sich automatisch die Frage, ob sich die in China geschmiedete Passform einer Währungsreform auf Europa anwenden lässt. Besonders in Deutschland, welches die Vorzüge von Bargeld wie kein zweites in Europa nutzt, muss diese Frage kritisch gestellt werden. Abseits der Konsumentensicht ist ebenfalls die Rolle der Banken sowie der Händlerakzeptanz zu bewerten. Um diese Entwicklungen einordnen zu können haben wir uns mit dem Thema Central Bank Digital Currency (CBDC) auseinandergesetzt.

Wie bereits eingangs erwähnt, ist Europa keineswegs in der Vorreiterrolle bei der Diskussion und strategischen Planung über die Einführung einer digitalen Währung. Ähnlich wie auch bei der European Payment Initiative (EPI) vormals Pan European Payment Systems Initiative (PEPSI) kann man von außen betrachtet eher von der Verkörperung des Snooze-Button-Nutzers sprechen, welche nun erschrocken aus dem Bett springt. Dies manifestiert sich in einer neu geformten Arbeitsgruppe, welche sich mit europäischen Umsetzungsmodellen bestehend aus der staatlichen, chinesischen Digitalwährung in Kombination mit dem Stable Coin-Ansatz der Libra Association auseinandersetzt. Als Stable Coin wird eine Blockchain basierte Währung definiert, welche durch Hinterlegung von Fiat-Geld kursschwankungsneutral Geldwerte sichert. Auf diesem Weg würde das Bargeld in heutiger Form als Zahlungsmittel durch digitale Token ersetzt, auf einer dezentralen Kontoverwaltung gespeichert und in Form einer Wallet in den Geldumlauf zurückgeführt werden.

 

Inwiefern sind die potentiellen Nutzer bereit für eine digitale Währungsreform wie CBDC?

Die seitens der EZB kommunizierten Vorteile liegen neben der ständigen Versorgung von Verbrauchern sowie der Hygieneverbesserung in Zeiten Coronas ebenfalls in der Digitalisierung eines in die Jahre gekommenen Finanzinstruments, dessen aktuelle Daseinsform diskutabel ist. Fraglich ist, ob ausschließlich die nahezu altruistische Endkundenfokussierung der EZB bei der Entscheidung über einen solchen Stable Coin Gewicht hat oder ob andere Begründungen nicht minder relevant sind.

Auch wenn die oben genannten Vorteile für den Verbraucher durchaus sinnig sind, bleibt die Frage, ob sie ausreichend sind, um deutsche und europäische Bargeldliebhaber zu überzeugen. Neben der rein psychologischen Komponente, welche der Besitz von Bargeld als Zahlungsmittel für Viele begründet, steht ebenfalls die des Datenschutzes, da Bargeld anonym ist. Eine Abwertung des Social Scores bzw. des Rankings der Versicherung nach Kauf einer Pizza ist somit nicht möglich. Auch der Ausfall der technischen Infrastruktur ist mit Bargeld zu umgehen. Obschon der E-Euro im Marketing der EZB selbige Kriterien beim Datenschutz wie die physische Variante erfüllen soll, ist dies allein aus Sicht des Geldwäschegesetzes und Terrorismusprävention vorsichtig ausgedrückt unwahrscheinlich.

Ebenfalls erwähnenswert in diesem Kontext ist, dass Bargeld in seiner heutigen Form keine negative Verzinsung erfahren kann. Bereits vor Verabschiedung des massiven Anleihepakets der EZB und der damit verbundenen Geschwindigkeit des Zinsverfalls, wusste der Verbraucher, dass sein 10€ Schein auch am Abend noch diesen Wert innehält. Auch wenn wir hier zu weit ausholen, muss die Frage „wer garantiert, dass der E-Euro kein vom Finanzmarkt abhängiges, dem Giralgeld gleichendes Finanzprodukt wird?“ gestattet sein, oder? Eine flächendeckende Akzeptanz ist somit aus Verbrauchersicht fraglich.

Trotzdem werden gegenüber Händlern die offensichtlichen Vorteile kommuniziert. Neben der Aufwandsreduktion – durchschnittlich werden sieben Schritte von Annahme des Bargeldes bis Gutschrift auf dem Konto benötigt – werden auch Kosteneinsparungen unterstrichen, da die Verarbeitung von Bargeld als Payment für den Händler relativ gesehen teurer ist als die zu entrichtende Gebühr an den Acquirer / Netzbetreiber. Doch auch hier liegen Nachteile auf der Hand. Neben möglichen Zusatzkosten der einzurichtenden Akzeptanz am Terminal, der Abhängigkeit auf eine 100%tige Verfügbarkeit und der Resistenz des Endkunden, alle Artikel mit dem E-Euro virtuell zu bezahlen, würde auch die letzte Bareinnahme, die an der Kassensicherungsverordnung vorbeigeschmuggelt wird, in Zukunft dokumentiert werden. Wenn also ein Händler die bereits aufgeführten Vorteile nicht als Weckruf zur Umrüstung auf „Card only“ verstand, bleibt die Frage nach dem Warum.

 

Warum die EZB nun auf die Überholspur auszuscheren scheint?

Auch wenn die deutsche Bargeldaffinität auf europäischer Ebene weniger relevant wirkt, ist das plötzliche Interesse der EZB auf den ersten Blick nicht vollends schlüssig, zumal andere Innovationen wie Alipay als digitales Ökosystem bis auf steuerliche Vorteile der Nutzer in Europa für wenig Dynamik sorgten. Ein offensichtlicher Punkt ist das durch andere Nationen (China) und Institutionen (Libra Association) geschaffene Momentum, welches den Handlungsdruck auf die Marktteilnehmer ohne Lösungsansatz erhöht. Auch klassische Kreditkarten-Brands wie Visa und MasterCard weiten ihre Tätigkeitsfelder in diese Richtung aus. Eine mögliche Reorganisation des Gebührenmodells in einer Post-Card-Scheme-Fee-Ära ist hierbei sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt. Darüber hinaus kann eine zu erwartende Kosteneinsparung bei der Geldschöpfung als Treiber möglich sein. Diese wird steuerlich finanziert und würde bei einem Euro, welcher nicht abnutzt, nicht geschaffen oder vernichtet wird und durch ein hohes Maß an Fälschungssicherheit besticht, sicherlich an Relevanz gewinnen. Als Nebenschauplatz ist die Reduktion der Anonymität, welche „ausschließlich zur Terrorismusbekämpfung dienlich ist“, erwähnenswert. In diesem Kontext stellt sich unweigerlich die Frage, ob Verbraucher in Zukunft ein Konto bei der EZB halten und somit in puncto Bargeldversorgung die aktuelle Bankenstruktur obsolet machen. Neben dem zu erwartenden Chaos bei der Kontoeröffnung sowie der Verwirrung beim Endkunden, warum nun ein Konto bei der EZB existiert, könnte die fehlende Kundeninteraktion auch Implikation auf die Up-Selling-Strategie der Finanzprodukte im Retail Banking Sektor haben. Abschließend drängen sich Fragen bezüglich der Umsetzung in die Diskussion. Wie hoch ist die maximale Abgabemenge für den tagesüblichen Gebrauch? Besteht die Gefahr, die Währung wie Einlagen zu behandeln, da sie auf der Wallet lediglich in Form von Giralgeld präsentiert werden? Besteht eine Offenlegungspflicht bei Verdachtsfällen, welche in der aktuellen Situation durch das Raster fallen?

Obschon die geschaffene Arbeitsgruppe die vorliegende Thematik mit hoher Wahrscheinlichkeit aus allen Facetten beleuchtet hat, existieren vor der Ablösung des in Frankreich gestarteten Pilotprojekts durch einen Regelbetrieb im europäischen Währungsraum potentielle Stolpersteine. Entgegen der „Never change a running system“ Doktrin vieler bleibt zu hoffen, dass diese aus dem Weg geräumt werden, um das digitale Profil der EU im Banking und Payment auf internationaler Ebene zu schärfen.

 

 

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