„3D Secure 2.0 – Facelift oder Quantensprung?“

„3D Secure 2.0 – Facelift oder Quantensprung?“

POSTED ON 13. Juli 2018 BY RALF HESSE

Die neue Generation der Karteninhaber-Authentifizierung „3D Secure 2.0“
3D Secure wurde (und wird auch noch) oftmals als das magische Wundermittel propagiert, welches das Elend des Zahlungsausfalls auf der Händler-Seite heilen sollte. In den frühen Jahren dieses Jahrtausends von VISA ins Leben gerufen und als besagtes Wundermittel prominent platziert, zeigten sich allerdings alsbald die Kinderkrankheiten – an erster Stelle die Probleme mit der „Conversion Rate“ bei den 3D nutzenden Händlern. Der Einsatz von 3D Secure verursachte ungewollte Zahlungsabbrüche durch die Karteninhaber und minderte somit den Umsatz der betroffenen Händler. Die Conversion Rate beschreibt dabei das Verhältnis der Besucher einer Online-Shops auf Basis von Klicks zu den erzielten Conversions, also der Umwandlung von Interessenten in Käufer.

Die Problematik, einerseits das Zahlungsausfallrisiko durch Chargebacks minimieren zu wollen aber gleichzeitig maximal potentiellen Umsatz bei den teilnehmenden Händlern zu ermöglichen, lies sich also nicht in der genutzten Variante des 3D-Verfahrens (Version 1.0) lösen. Als dann noch die Europäischen Zahlungsaufseher mit der PSD2 die starke Kundenauthentifizierung für einen Großteil des bekannten Karten-Zahlungsverkehrs in Europa forderten, hatte man ein Erbarmen mit den Händlern. Die großen Kreditkartenorganisationen (Visa, MasterCard, AmericanExpress und JCB) formierten sich und definierten innerhalb des Gemeinschaftsunternehmens „EMVCo“, welches sich heute maßgeblich um die EMV Standards kümmert, einen neuen Authentifizierungsstandard „3D Secure 2.0“. Dieser sollte aus dem einstigen Wundermittel ein Heilmittel machen, welches flächendeckend die Leiden der Händler eliminieren sollte und gleichzeitig regulatorischen Anforderungen genügen musste.

3D Secure 2.0 ist aber auch die Antwort der Kartenorganisationen auf die Vorgaben der starken Kundenauthentifizierung (der PSD2), die ja bereits zum September 2019 umzusetzen ist. Mit der neuen Spezifikation ist weiterhin gewährleistet, dass die internationalen Schemes einen einheitlichen Standard für Konsumenten, Händler, Issuer und Acquirer anbieten.

Im Oktober 2016 war es dann soweit und die Spezifikation des neuen Standards wurde durch EMVCo veröffentlicht. Betrachtet man die operativen Schritte des neuen Verfahrens aus der Helikopterperspektive, so lassen sich gravierende Veränderungen im Vergleich zum alten Verfahren nicht direkt erkennen. Der Teufel liegt aber wie immer im Detail. Und genau diese Details lassen Hoffnung aufkommen, dass man mit der Version 2.0 tatsächlich ein Heilmittel gefunden haben könnte. Das neue Verfahren hat verschiedene Prozessschritte auf neue (oder zumindest modifiziert wirkende) Rollen definiert. Die klassische, wohl bekannteste Rolle aus Sicht der Händler war im alten Verfahren die Rolle des Merchant Plug-In-Betreibers (MPI). Diese wird in der neuen Spezifikation explizit nicht mehr genutzt. Es bleibt also abzuwarten, wie die heutigen MPI-Betreiber zukünftig mit einer technischen Lösung im 3D Secure 2.0 Verfahren operieren werden (z.B. als technischer Dienstleister eines „3DS Servers“).

Außerdem haben die Produktverantwortlichen bei der EMVCo eine neue Ingredienz beigemischt, die den Zahlungsabbruch im alten 3D Verfahren mindern – ja, wenn nicht sogar abstellen könnte. Der sog. „Frictionless Flow“ erlaubt nämlich im neuen Verfahren eine Authentifizierung ohne zusätzliche Interaktion mit der zu authentifizierenden Person.

Nachdem dann mit dem Herbst-Release 2017 auch die Reglements der beiden größten Kreditkartenorganisationen (VISA und MasterCard) in Bezug auf das neue 3D Secure 2.0 Verfahren adaptiert wurden, gilt es nun, die Umsetzung von 3D Secure 2.0 in den (z.T. neuen) operativen Instanzen voranzutreiben.

Um aber das neue Verfahren nutzen zu können, muss jede teilnehmende Instanz technische Änderungen in ihren Systemen vornehmen, da das Prozedere im Vergleich zur alten Authentifizierung einige Veränderungen mit sich bringt.

Spätestens aber zum 01.01.2020 sollen nach dem jetzigen Plan der MasterCard alle Authentifizierungen nur noch nach dem 3D Secure 2.0 Verfahren durchgeführt werden. Die Visa hat aber schon ihren für April 2018 geplanten Rollout (nur durch Händler initiierte Authentifizierungen) auf den April 2019 verschoben. Der Zeitplan scheint also offensichtlich sehr ambitioniert geplant und wird dann durch die Realität bestätigt werden müssen.

Entscheidend für den Erfolg ist aber die zukünftige Nutzung des Verfahrens durch die E-Commerce Gemeinde – sprich, das Transaktionsaufkommen mittels 3D Secure 2.0 authentifizierter Zahlungsvorgänge. Setzt man also voraus, dass das „3D Secure Räderwerk“ (bestehend aus Access Control Server und Directory Server) durch die operativen Vorgaben und Deadlines der Kreditkartenorganisationen implementiert wird (bzw. werden muss), so bleibt – genau wie im alten Verfahren – der Händler das Zünglein an der Waage des Erfolgs dieser Neuerung. Und genau diese kennen ja die Kinderkrankheiten des alten „Wundermittels“ aus eigener, schmerzlicher Erfahrung und dürften daher ein eher gemäßigtes Interesse an einer (aus deren Sicht ihnen aufgedrängten) Renovierung zeigen.

Der Acquirer als haftende Instanz im 4-Parteien Modell muss zwangsläufig ein immenses Interesse am Einsatz des neuen Verfahrens haben, denn nur über diesen Weg kann er sich flächendeckend von der Haftung im Falle eines Chargeback Fall mittels einer Haftungsumkehr („Liability-shift“) in Richtung der Issuer entledigen. Damit also der Acquirer das neue Verfahren bei den ihm angeschlossenen Händlern effektiv zum Einsatz bringen kann, muss das Problem der „Conversion Rate“ behoben werden. Das wiederum kann per Definition im neuen Verfahren nur dann eliminiert werden, wenn der Großteil der authentifizierten Transaktionen über den neu definierten „Frictionless Flow“ abgearbeitet wird, in welchem eine zusätzliche Sicherheitsabfrage im Authentifizierungsvorgang beim Karteninhaber überflüssig wird. Dieser „Frictionless Flow“ bedingt allerdings, dass der Händler ausreichend viel Informationen über den Karteninhaber und die zu autorisierende Transaktion im Authentifizierungsvorgang an den Issuer leitet, der dann „wohlwollend“ auf Basis eigener Risikobewertungen dieser Authentifizierung ohne weitere Nachfrage beim Karteninhaber zustimmt.

Es besteht also durchaus Unklarheit darüber, zu welchem Prozentanteil am Ende des Tages eine Authentifizierung im „Frictionless Flow“ abgearbeitet wird. Und genau an dieser Stelle lassen bislang die Kreditkartenorganisationen ihre Acquirer im Regen stehen, da sie einerseits keine bindenden Vorgaben an die Issuer hinsichtlich der Risiko-Bewertung im eigenen Haus machen, andererseits den Acquirern aber auch keinerlei Förderung zum Einsatz des neuen Verfahrens beisteuern.

Operativ betrachtet bringt 3D Secure 2.0 viele neue Features mit sich und ist auch aus regulatorischen Aspekten bestens gerüstet. Den Status eines „Facelifts“ dieses Tools kann man also unbedenklich attestieren. Soll 3D Secure 2.0 aber einen „Quantensprung der Authentifizierung“ auslösen – und das Potenzial dazu ist durch die neue Spezifikation gegeben –, so bedarf es weiterführender Definitionen oder aber auch Restriktionen, um die alte Kinderkrankheit der „Conversion Rate“ für immer loszuwerden.

„Banking is necessary, Banks are not“

„Banking is necessary, Banks are not“

POSTED ON 02. Mai 2018 BY DENNIS JÄGER

Das Zitat „Banking is necessary, Banks are not“ bietet ein gutes Entre, wenn es um die Zukunftsgestaltung von Banken geht und ist daher fester Bestandteil von PowerPoint-Slides, die vor der Führungsebene in Banken und Sparkassen gehalten werden. Es lässt sich in diversen Artikeln und Magazinen wiederfinden und wird häufig im Zusammenhang mit der Disruption im Finanzsektor genannt. Die Worte stammen von Bill Gates und wurden vom selbigen bereits 1994 kundgetan. Zu der Zeit befand ich mich in der vierten Klasse und war schlicht über die Einfachheit des Bankensystems verblüfft. Wenn man Geld brauchte, ging …

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„Die Zukunft im Bereich Banking & Payment“

„Die Zukunft im Bereich Banking & Payment“

POSTED ON 07. MAI 2018 BY HENRIK BÜTTGEN, DENNIS JÄGER, JANA SCHNEIDER

Trends kommen und gehen – das gilt auch für den Zahlungsverkehr. Innovationstreiber sind dabei häufig technologischer Fortschritt, Regulatorik, Kosten und der Kunde. Doch wie sehen aktuelle Entwicklungen und Forschungen in diesem Bereich aus? Eine OSTHAVEN-Perspektive auf die Zukunft im Bereich Banking und Payment.

Hand aufs Herz, wie viele unterschiedliche Passwörter benutzen Sie für Ihre alltäglichen Geschäfte tatsächlich? Studien haben ergeben, dass es für User ein typisches Verhalten ist, bei vielen Devices, Internetportalen oder sogar beim Online-Banking, auf ein und dasselbe Passwort zurückzugreifen. Das menschliche Gehirn mag es einfach und ist faul. Da liegt der Name des Hundes der Großmutter in Verbindung mit der eigenen Festnetz-Rufnummer als Passwort nahe. Das Risiko bei Fehlverwendung dieses Passwortes ist damit allerdings sehr hoch. Ein großer Trend setzt genau an dieser Stelle an und sucht mit Hilfe neuer Technologien nach Möglichkeiten, die biologische Einzigartigkeit von Menschen zu messen bzw. zu identifizieren und hierdurch eine sichere Wiedererkennung zu ermöglichen.

Die Wissenschaft dahinter ist die Biometrie. Erste Lösungen haben sich längst im Alltagsleben verbreitet. Das Entsperren des Smartphones via Fingerabdruck macht seit Jahren die Eingabe eines Codes oder eines Passwortes überflüssig. Mittlerweile werden ganze Bezahlvorgänge mittels Fingerabdruck ausgelöst. Apple hat in dem Verfahren der Touch ID eine Fehlerquote von 1:50.000 ermittelt (apple.de). Mit Geburt der neuen Generation Smartphones ist inzwischen auch die Gesichtserkennung salonfähig geworden und funktioniert sehr gut. Bei der Face ID soll die Fehlerquote auf den Geräten mit dem Apfel im Logo mit 1:1.000.000 noch deutlich unter der Quote der Touch ID liegen. Das Aussehen von Mund, Nase, Augen und Ohren sowie die individuelle Kopfform und andere Merkmale sind in Kombination unverwechselbar und eignen sich hervorragend zum Authentifizieren.

Neben bereits bei uns im Alltag angelangten Techniken und Verfahren gibt es weitere Möglichkeiten, die früher nach Science-Fiction klangen, heute aber mitten in der Realität angekommen sind. Auf der Suche nach unverwechselbaren biometrischen Merkmalen eines Menschen ist die Stimme eines Menschen so einzigartig wie sein Aussehen. Die Barclays Bank hat diesen Umstand für sich erkannt. Kunden können sich mittels einen Voice-Scan registrieren. Sobald die Stimme eines Kunden dann im Call-Center zu hören ist, wird dieser anhand von zahlreichen Stimmmerkmalen automatisch identifiziert. Das Verfahren der Stimmenidentifizierung zahlt auf einen weiteren Trend im Umfeld des Payment und Banking ein. Die Rede ist vom „Voice Banking“. Seit Amazons Alexa, Apples Siri und andere digitale Assistenzsysteme sich in den Wohnzimmern ausbreiten und viele Dinge des Alltags vereinfachen, ist der Wunsch der Kunden da, auch das Girokonto per Stimme zu verwalten und Zahlungen quasi per Zunge auszuführen.

Die Zahlung per „Handauflegen“ ist ebenfalls keine Utopie mehr. Ein weiteres Verfahren, das bei Zahlvorgängen einsetzbar ist, ist der sog. Venenscan. Kunden der britischen Supermarktkette Costcutter können ihre Einkäufe mit diesem neuen biometrischen Verfahren bezahlen. Dabei wird das Venenmuster ihrer Finger gescannt und mit den Bankdaten verbunden. An der Supermarktkasse werden die hinterlegten Daten dann mit den Scandaten verglichen. Der Kunde bezahlt tatsächlich per „Handauflegen“.

OSTHAVEN ist davon überzeugt, dass das Thema Biometrie im Banking und Zahlungsverkehr deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Vor allem die neuen Authentifizierungsmethoden bestechen durch ihren hohen Sicherheitsfaktor und überzeugen im Alltag durch Praktikabilität.

Als weiterer Trend im Payment und Banking ist die Künstliche Intelligenz (KI) zu nennen. Dies wird von vielen als die „neue industrielle Revolution“ bezeichnet. KI macht auch vor dem Finanzbereich nicht halt. Da sich bei Banken vieles um Dienstleistungen dreht, nicht um ein physisches Produkt, und Personal ein erheblicher Kostenfaktor ist, liegt es nahe, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Prozesse stärker zu automatisieren. So hat in den letzten Jahren im direkten Kundenkontakt der Service per Chatbot bei vielen Häusern Einzug gehalten. Mit Hilfe einer guten KI-Lösung kann der Großteil der Kundenanfragen rund um die Uhr direkt beantworten werden, und das ohne menschliche Interaktion. Für Banken liegt hierin ein enormes Sparpotenzial und mehr Möglichkeiten zur Steigerung der Zufriedenheit auf Kundenseite. Aber nicht nur in der Kundenschnittstelle kommt KI zum Einsatz, sondern auch bei der Umsatzanalyse. KI in Kombination mit Big Data ermöglicht es dem Kunden, seine Daten in Sekundenschnelle analysieren und auswerten zu lassen.

Darüber hinaus sehen wir mögliche Anwendungen von KI in der Betrugsprävention oder bei der individuellen Produktempfehlung basierend auf der umfassenden Analyse der finanziellen Lage der Kunden. Gerade in der Finanzbranche ergibt sich ein großes Anwendungsspektrum. Es ist offensichtlich, dass es viele parallele technische Entwicklungen in allen Lebensbereichen des Menschen gibt. Der potentielle Nutzen und die theoretischen Anwendungsmöglichkeiten scheinen dabei unbegrenzt zu sein. Neben einzelnen Innovationen und dem Einsatz unterschiedlicher Devices im Alltag der User, wird in Zukunft vor allem die Vernetzung dieser verschiedenen Technologien untereinander an Bedeutung gewinnen.

Das Internet of Things beschreibt den rasanten Anstieg von mit dem Internet verbundenen, intelligenten Geräten. Die Vernetzung physischer und virtueller Gegenstände miteinander steht dabei im Vordergrund. Im Zielbild sollen diese Gegenstände durch Informations- und Kommunikationstechniken nahtlos zusammenarbeiten. Für den Zahlungsverkehr wird es hier in Zukunft vollkommen neue Anwendungsfälle geben. Man stelle sich vor, dass jedes vernetzte Gerät für Geldtransaktionen verwendet werden kann und somit zu einem eigenen, individuellen Point of Sale wird. Denkbar ist, dass Parkhausund Mautgebühren sowie Tankstellenrechnung kontaktlos mittels „Connected Car“ beglichen werden. Der Fahrer kann bequem im Auto bleiben und erspart sich den Gang zur Kasse oder zum Ticketautomaten. Was passiert in diesem Fall mit den Umsätzen im TankstellenShop? Die Automobilhersteller gehen aber noch einen Schritt weiter und verändern ihr Geschäftsmodell, in dem Sonderaustattungen, Zubehör und digitale Services im vernetzten Auto als „Pay-as-you-go“ Services angeboten werden. Die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten für die Automobilhersteller sind enorm aber auch die Vorteile durch die Kostenreduzierungen und Effizienzsteiegerungen in der Produktion.

Die Unternehmensberatung OSTHAVEN sieht die gestiegenen Kundenanforderungen an eine möglichst sichere aber geräuschlose Authentifizierung als Chance bankeigene digitale Zahlungsverkehrslösungen voranzutreiben. Im Umfeld neuer technischer Entwicklungen wie der KI und regulatorischer Rahmenbedingungen wie der PSD II, die zum Design neuer Produkte ermuntert, können bei traditionellen Playern am Markt innovative Kräfte freigesetzt werden. Allen Ansätzen gemein ist aber die Tatsache, dass der „Kunde“ und seine Bedürfnisse nach Einfachheit im Fokus des Interesses bleibt und Treiber oder Hindernis für mögliche Entwicklungen ist.

„Optionen zur PSD2 Umsetzung“

„Optionen zur PSD2 Umsetzung“

POSTED ON 04. Mai 2018 BY JAN CLAAS BRINGEZU

Obwohl in Kraft seit Januar dieses Jahres, wird die PSD2 in den Augen vieler so richtig relevant und komplex erst mit dem finalen Inkrafttreten der RTS (Regulatory Technical Standards / Technische Regulierungsstandards zur PSD2) am 14. September 2019. In den RTS wird, zusätzlich zur Strong Customer Authentification (dies ist einen separaten Beitrag wert…), vor allem, allerdings nicht nur, die regulatorische Basis für die viel und zum Teil heiß diskutierten durch die PSD2 neu geschaffenen Services „Payment Initiation Service“ (PIS) und „Account Information Service“ (AIS) gelegt. PIS steht dabei für einen Zahlungsauslösedienst, wie ihn derzeit z.B. Klarna mit SOFORT bereits anbietet. AIS meint einen Kontoinformationsdienst, wie es ihn derzeit bereits z.B. im Rahmen des MultibankingAngebotes der Deutschen Bank gibt.

An den Beispielen erkennt man bereits, dass die PSD2 keine neuen, revolutionären Services ermöglicht, sondern zum Einen bisherige Aktivitäten reguliert (mit der Konsequenz, dass in diesem Bereich tätige Unternehmen nun eine aufsichtsrechtliche Lizenz benötigen) und zum Anderen die Banken verpflichtet, nach festgelegten Regeln einen Zugang zu den Konten ihrer Kunden bereitzustellen.

Nun ist es richtig, dass aufgrund der PSD2 der Kampf um den Kunden stärker entflammt als bislang schon; neben den etablierten Playern, den Banken und Sparkassen, buhlen immer häufiger auch andere Unternehmen, im PSD2 Kontext sind dies die sog. Third Party Provider (TPP), um die Gunst der Kunden. Anders als gewohnt geht es in diesem Verteilungskampf jedoch nicht um bessere Konditionen bei einzelnen Produkten, sondern es geht um das große Ganze – den Kunden selbst. Wer es schafft, ein überzeugendes Angebot im Sinne der User Experience zu unterbreiten, der wird das Front End des Kunden und somit den Zugang dieses Kunden zu den Banking und Payment Angeboten (egal welcher Bank) darstellen. Und wer das Front End besetzt, der wird am Ende auch die angebotenen Services und Produkte (mit) beeinflussen können und einen entsprechend größeren Anteil an der Wertschöpfung innehaben können.

So zumindest die allgemeingültige Theorie…
Aus dieser ergibt sich, dass es für Banken und Sparkassen nicht hinreichend sein kann, die Vorgaben der PSD2-RTS umzusetzen, um damit „compliant“ zu sein. Vielmehr müssen von diesen entweder Abwehrmechanismen entwickelt werden, um möglichst wenig durch die TPP beeinträchtigt zu werden, oder es sind Strategien zu entwerfen, wie wann man als Institut von den Regelungen der PSD2 profitieren kann.

Abwehrmechanismen werden nicht funktionieren, da sich Kunden einer Bank oder Sparkasse bereits jetzt nicht einreden lassen, dass SOFORT oder PayPal „böse“ seien. Im Gegenteil, Kundensetzen diese Services fleißig ein, weil in der Nutzung Vorteile im Vergleich zu den Diensten der eigenen Bank liegen.

Also bleibt als sinnvolle Antwort auf die PSD2 ein progressiver Umgang mit dieser und z.B. eine Positionierung des Institutes als zentrale Schnittstelle zum Banking des Kunden und damit auch zu Konten des Kunden bei anderen Banken. Dazu bedarf es auch tatsächlich keines TPP, das kann eine Bank oder Sparkasse auch direkt ihren Kunden anbieten. Die Deutsche Bank z.B. wird sicherlich und konsequenterweise ihr Multibanking-Angebot, welche derzeit nur einen Kontoinformationsdienst darstellt, auch um die Möglichkeit zur Zahlungsauslösung bei anderen Instituten erweitern. Kunden der Deutschen Bank würden damit alle ihre Zahlungsverkehrskonten managen können, ohne sich bei anderen Instituten in das Online Banking einloggen zu müssen.

Konsequenterweise laufen nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa die Beratungsunternehmen zu Ihren (Ziel)Kunden, im übrigen auch wir von der OSTHAVEN Unternehmensberatung, und verbreiten die Botschaft, dass die Häuser sich entsprechend der PSD2 positionieren und Angebote entwerfen müssen, um auch nach dem 14.09.2019 das zentrale Front End des Kunden zum Banking darzustellen und dieses nicht an einen TPP oder eine andere Bank zu verlieren. Die PSD2 stelle ggf. für alle Banken und Sparkassen das Endgame um den Kunden dar.

Für Alle? Nein, an dieser Stelle sind wir ausdrücklich anderer Meinung! Nicht was das Erfordernis angeht, dass alle Banken, die „Zahlungsverkehrskonten“ (hier fehlt dem Markt noch eine eindeutige Definition) unterhalten, zum 14. September 2019 die Vorgaben der RTS umgesetzt haben müssen. Aber wir sind der Meinung, dass nicht für alle Banken die PSD2 eine über Compliance hinausgehende strategische Relevanz besitzt. Unbestritten ist, dass Retailbanken bzw. Banken mit einem hohen Anteil an Retailkunden und einem Schwerpunkt im Girogeschäft massiv von der PSD2 betroffen sein werden, im Gegenzug allerdings auch strategische Vorteile aus dem Regelwerk ziehen können. Neben Retailbanken gibt es noch viele Institute, die aus der Umsetzung der PSD2 keine spontanen Vorteile werden ziehen können bzw. keine unmittelbaren Wettbewerbsnachteile erleben werden. Hierzu zählen wir Banken, die ausschließlich im Firmenkundengeschäft tätig sind. Zahlungsauslösung spielt für diese Kunden kaum eine Rolle und Multibanking ist dank Softwareeinsatz bereits Realität. Auch Banken, deren Schwerpunkt auf Finanzierungs- und Einlageprodukten liegt, können nur mit viel Phantasie Vorteile aus der PSD2 ziehen. Die Beispiele ließen sich fortsetzen…

Klar soll werden, dass die Etablierung von Ökosystemen oder das Zusammenwachsen von Banking und Non-Banking basierend auf dem PSD2 Regelwerk nicht für alle Banken sinnvoll oder erforderlich ist. Auch wir Berater müssen hier mit Augenmaß operieren. 

Dominique Wilckens

Dominique Wilckens

Senior Consultant

 

Dominique hat bei der Hamburger Sparkasse eine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen.
Im Anschluss an die Ausbildung zum Bankkaufmann hat er sein Betriebswirtschaftsstudium an der FH Wedel mit einem Auslandssemester in Südafrika absolviert. Berufsbegleitend hat er noch ein MBA-Studium an der Nordakademie Elmshorn mit den Schwerpunkten Business Prozess Management sowie Finance & Accounting abgeschlossen.

 

Die ersten Berufserfahrungen hat Dominique bei der Unternehmensberatung PPI gewonnen und war dort in verschiedenen Projekten in den Bereichen Zahlungsverkehr und Teilprojektleiter bei einem Migrationsprojekt tätig. Im Anschluss wurde er Abteilungsleiter Prozess- und Innovationsmanagement bei der PSD Bank Nord eG, wo er diverse Projekte geleitet hat.

Nach einem kurzen Intermezzo auf der Kundenseite hat es mich wieder in die Beratung verschlagen. Hierbei ist meine Wahl auf OSTHAVEN gefallen, da ich den Beratungsansatz, die Kunden ganzheitlich von der Strategie bis zur Umsetzung zu betreuen, für sehr zielführend erachte. Besonderen Wert wird darauf gelegt, dem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen und ihn durch das vielfältige Fachwissen der OSTHAVEN-Kollegen bestmöglich bei der Findung der optimalen Lösung zu unterstützen.
Auch den eigenen Mitarbeitern bietet OSTHAVEN eine Vielzahl an Annehmlichkeiten und Unterstützung. So erhält beispielsweise jeder Mitarbeiter ein Kontingent für Schulungen, um gezielt die individuellen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Darüber hinaus wird der kollegiale Zusammenhalt durch regelmäßige Events gestärkt und die aktive Mitarbeit an der Weiterentwicklung des Unternehmens unterstützt.