„Fluch oder Segen – vom (Miss-)Verständnis zwischen Banken und FinTechs“

Fluch oder Segen – vom (Miss-)Verständnis zwischen Banken und FinTechs?“

POSTED ON 05. FEBRUARY 2019 BY HENRIK BÜTTGEN

Sind Banken und FinTechs in der Realität angekommen?

Banken und FinTechs, vor nicht allzu langer Zeit noch wie Feuer und Wasser, sind inzwischen in der Realität angekommen. Die FinTechs suchen immer häufiger Unterstützer für die eigenen Ideen und finden diese mehr und mehr im Bankenumfeld, denn auch hier hat ein Umdenken stattgefunden. Und jedes der beiden ehemals „verfeindeten“ Lager scheint seine Position im Spiel um die Kundengunst gefunden zu haben und besinnt sich auf seine Stärken.

Wie kam diese Entwicklung zustande?

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung hatten die Medien mit ihrer teils scharfen Berichterstattung. Es wurde das Lied auf das Bankensterben angestimmt, weil die jungen Wilden nun sämtliche Aufgaben der Banken übernähmen und das besser, als diese es je könnten. Dass einige FinTechs zu diesem Zeitpunkt bereits verstanden hatten, wie eine Zusammenarbeit mit den Banken funktionieren kann, blieb dabei unerwähnt.

Doch wie sieht es nun wirklich aus?

Aktuell jagt eine Nachricht über große Finanzierungsrunden für FinTechs die nächste und die Ideen für Dienstleistungen im Finanzsektor werden nicht weniger. Alleine in 2018 wurden im Schnitt pro Woche etwa zwei FinTechs gegründet.

Betrachten wir nun den für uns besonders interessanten Bereich Payments/Zahlungsverkehr, so bewegen wir uns bei den Neugründungen im Bereich und nur etwa zwei Prozent konnten Kapital für ihre Ideen einsammeln.

Warum ist das so?

Was haben die noch am Markt befindlichen FinTechs anders gemacht als diejenigen, die nach dem Verbrauch des Kapitals die Segel streichen mussten, weil sie an der Realität scheiterten? Denn auch diese Nachrichten treten in gleicher Frequenz auf wie die zu Finanzierungsrunden.

Erfolgreiche FinTechs haben allesamt erkannt, dass eine Kooperation mit Banken der richtige Weg zu sein scheint. Hier seien exemplarisch N26, Kontist, Deposit Solutions und  Raisin (u.a. Weltsparen) genannt.

Außer bei N26, die bereits über eine Banklizenz verfügen, nutzen die anderen Unternehmen ein Bankinstitut als Lizenzschirm und auch zur Abwicklung als Basis für den erfolgreichen Betrieb ihrer jeweiligen Geschäftsmodelle.

Besonders wenn das Geschäftsmodell des FinTechs vorsieht, einzelne Teile des Bankgeschäftes zu übernehmen/verbessern/vereinfachen, ist eine Kooperation der Königsweg. Der Versuch, Banken von ihrem ureigenen Terrain vertreiben zu wollen, meist getrieben von übertriebenem Selbstbewusstsein, endete selten gut. Die meisten heutige FinTech Startups haben diese Strategie auch längst verworfen.

Gründe hierfür sind schnell gefunden, denn die Assets der beiden Parteien könnten nicht unterschiedlicher verteilt sein.

Auf der einen Seite stehen die etablierten Banken, die sich in einem stark (viele sagen über-) regulierten Markt bewegen. Auf der anderen Seite befinden sich die FinTechs, die ihren Ideen freien Lauf lassen können und quasi auf der grünen Wiese  Lösungen entwickeln, die den Kunden in den Fokus stellen.

Beide Parteien entwickeln sich in sehr unterschiedliche Richtungen und machen ihre jeweiligen Jobs in hoher Qualität. Banken macht niemand etwas vor, wenn es darum geht, ein neues regulatorisches Thema anforderungswirksam umzusetzen. Die Fähigkeiten zur Entwicklung neuer Ansätze, Modelle und Ideen sind jedoch deutlich weniger ausgeprägt. Ein weiterer Vorteil und großer Mehrwert der klassischen und etablierten Banken stellt das vorhandene Kundenportfolio dar. Die FinTechs hingegen haben das umgekehrte Problem, dass sie noch keine oder eine sehr kleine Kundenbasis haben. Ebenso sprudeln sie vor neuen Ideen und entwickeln Lösungen konsequent und schnell vom Kundenbedürfnis her. Geht es um die Integration in bestehende Legacy-Systeme und Umsetzung regulatorischer Anforderungen, tun sie sich extrem schwer und tendieren dazu, diesen Aufwand massiv zu unterschätzen, auch in ihren Kalkulationen. So sind schon einige gute Ideen an den Regulierungsanforderungen des Bankensektors gescheitert.

Wie bringt man nun beide Seiten zusammen?

Die Herausforderung liegt nun darin, die beiden Seiten zusammen zu bringen und jede Partei ihr Steckenpferd reiten zu lassen. Hierzu gibt es einige erfolgreiche Modelle wie oben bereits erwähnt.

Der Ansatz, aus beiden Welten das Beste zu nehmen und nicht alles selber machen zu wollen, kann sich dann für beide Seiten als Erfolgsmodell herausstellen. Dies konnten wir auch auf der diesjährigen FinTech Week in Hamburg Mitte Oktober sehr deutlich feststellen. Es war auffällig, dass ein Kuschelkurs zwischen Banken und FinTechs herrschte; das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, ließ man doch keine Möglichkeit aus, dem anderen seine Unzulänglichkeiten vorzuhalten.

Auch die BaFin machte deutlich, dass an ihr kein Weg vorbeiführt. Mich persönlich hat ein Auftritt des BaFin-Präsidenten auf einer Veranstaltung in Berlin besonders beeindruckt. Dieser Auftritt war von unnachahmlicher Klarheit und machte deutlich, dass die limitierenden Elemente und Compliance-Anforderungen der Bankenaufsicht von FinTechs nicht umgangen werden können. Auch er wies deutlich darauf hin, dass nur Unternehmen am Markt erfolgreich sind, die sich hiermit auseinandersetzen, entweder selber oder in Kooperationen mit bestehenden Instituten.

Zudem ist man auch auf Seiten der Gesetzgebung deutlich liberaler und marktoffener geworden. Es wurden eigens FinTech-Gremien installiert, die den Markteintritt begleiten und erleichtern sollen, zudem wurden auch die Registrierungshürden deutlich gesenkt. Dialog war auch hier der Treiber.

Es ist also von allen Seiten viel Bewegung im Markt, die Teilnehmer bewegen sich aufeinander zu, vergessen sind scharfzüngige Kommentare zu den „Altbänkern“ von Seiten der Jungen Wilden und die „Mal Abwarten“-Kommentare des Establishments.

So muteten die Diskussionspanels der FinTech-Week doch auch ein wenig langweilig an, denn es gab keinen Dissens. Vielmehr wurde deutlich, dass die FinTechs die Banken als Partner gewinnen möchten und nicht als Gegenspieler sehen. Bei der Vorstellung der „Big Four“ aus Hamburg auf einer Panel-Diskussion wurde deutlich, dass die Probleme der FinTechs auf keinen Fall durch die Banken hervorgerufen werden, sondern eher organisatorischer Natur sind.

Auf einem anderen Panel zeigten vier erfolgreiche FinTechs, welche konkrete Rolle Banken in der Zusammenarbeit spielen und von welcher Wichtigkeit sie sind. Die Sutor Bank als eines der Institute, die den Weg der Kooperation konsequent verfolgen, machte deutlich, wie es gelingen kann und auch für die Institute einen Mehrwert bringt. Die schwierigen regulatorischen Themen wurden von der Bank bearbeitet und für die FinTechs zur Verfügung gestellt. Diese konzentrieren sich auf die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells, welches auch längerfristig erfolgreich sein kann. Die Solaris-Bank sollte in diesem Zusammenhang auch genannt werden, weil sie dieses Modell schon länger konsequent verfolgt. So hat jeder seine Assets optimal eingebracht und eine langfristige Partnerschaft ist doch genau das was beide Parteien benötigen.

Was heißt das zusammenfassend?

Somit bleibt zusammenzufassen, dass Kooperationen für beide Lager lohnend sein können, sie müssen aber sinnvoll und verständnisvoll gemanagt werden. Im Rahmen von Überlegungen zu Kooperationen von unterschiedlichen Marktteilnehmern konnte OSTHAVEN in einigen Fällen bereits erfolgreich Projekte begleiten und Marktteilnehmer zusammenbringen. Aus diesen Erfahrungen heraus kennen wir die häufig auftretenden Schwierigkeiten von beiden Seiten und haben sinnvolle abgestimmte Lösungsansätze erarbeitet.

„Quo vadis Auslandszahlungsverkehr?“

„Quo vadis Auslandszahlungsverkehr?“

POSTED ON 11. December 2018 BY MICHEL HILKER

Neue Anbieter drängen in einen von Banken bisher dominierten Markt.

Bisher ging man insbesondere in den Banken davon aus, dass der Auslandszahlungsverkehr ein Monopol der Banken sei. Denn bisher war es aufwändig und kompliziert, diesen Service zu erbringen. Für den grenzüberschreitenden Geldtransfer sind Korrespondenzbanken in den verschiedenen Zielmärkten bzw. bereits schon auf dem Weg dahin erforderlich. Daneben arbeiten in den Banken eine Vielzahl an Experten für den Auslandszahlungsverkehr, um die ganze Bandbreite von verschiedenen Dienstleistungen zu erbringen. Dieses „quasi Monopol“ der Banken im Auslandszahlungsverkehr (den Bargeldtransfer von Western Union und Co. Mal ausgeschlossen) löst sich langsam auf und es etablieren sich neue Anbieter erfolgreich im Markt für den Auslandszahlungsverkehr.

Was macht die neuen Anbieter so erfolgreich?

Einige dieser Anbieter haben sich schon erfolgreich am Markt positioniert. Z.B. transferiert das im Jahr 2010 in London gegründete Unternehmen TransferWise nach eigenen Angaben monatlich Beträge im Wert von 2 Mrd. US Dollar und hat bereits 4 Mio. Kunden. Weitere Anbieter im Markt sind u.a. WorldRemit, Remitly oder Azimo.

Warum sind TransferWise und Co so erfolgreich? Die neuen Angebote sind konsequent vom Kunden her gedacht; nicht zuletzt, da sie von frustrierten Bankkunden aufgebaut wurden. TransferWise wurde gegründet, weil die Gründer als Arbeitnehmer im Ausland immer wieder hohe Gebühren für Zahlungen in die Heimat bezahlen mussten. Dabei war es das Ziel, den Geldtransfer von einem Konto auf ein anderes so einfach und günstig wie möglich zu machen. Neben einer einfach zu bedienenden App wurde dieses Ansinnen auch über ein Cash-Pooling erreicht, in dem die verschiedenen Zahlungsströme aggregiert und entsprechend verrechnet werden. Somit muss nur ein Bruchteil der ursprünglichen Summen (Spitzenausgleich) tatsächlich grenzüberschreitend transferiert werden; der Großteil der Zahlungen kann über eine nationale, und damit deutlich günstigere, Verrechnung erfolgen.

Neben den neuen Anbietern bieten aber auch die die etablierteren Marktteilnehmer wie Western Union oder MoneyGram eine Alternative für Kunden, die Geld international versenden wollen.

Das neue digitale Angebot ist eine typische disruptive Innovation

Eine normale Standard-AZV Überweisung kostet bei einer Bank ab ca. 15 Euro. Bei TransferWise starten die Gebühren bei ca. 2 Euro, bei Azimo, einem weiteren digitalen Anbieter, kostet eine Überweisung im Regelfall 2,99 Euro. Bei Western Union beginnten die Kosten für (unbare) Transaktionen bei 5,00 Euro.

Das Angebot der Banken ist in der Regel an den hohen Ansprüchen und umfangreichen Bedürfnissen großer Geschäftskunden ausgerichtet. Daneben bestehen aber auch deutlich einfachere Kundenbedürfnisse, insbesondere von Privatkunden oder kleineren Unternehmen (KMUs). Beispielhafte Auswertungen zeigen, dass insbesondere diese Kundengruppen die neuen Dienstleister nutzen. Es sind nicht nur Privatkunden, sondern insbesondere auch Geschäftskunden, die die niedrigen Gebühren, das einfache Handling und die schnelle Ausführung schätzen, obwohl der Umfang der Dienstleistungen deutlich geringer ist. Somit handelt es sich hierbei um eine potentielle disruptive Innovation.

Was können Banken tun?

In einem ersten Schritt sollten Banken analysieren, wie viele ihrer eigenen Kunden aktuell schon die neuen Anbieter nutzen. Bei einer Analyse für eine Bank durch OSTHAVEN hat sich gezeigt, dass bereits heute durch die Nutzung von TransferWise und Co. der Bank potentielle Gebühren in Höhe von ca. 250.000 Euro p.a. entgangen sein könnten. Auch wenn hier aktuell noch wenige Transaktionen im Verhältnis zum Gesamtvolumen betroffen waren, glauben wir, dass Kunden in Zukunft immer häufiger Nicht-Banken für den Geldtransfer über Ländergrenzen hinweg nutzen werden (die sich wiederum der Infrastruktur der Banken bedienen) und somit weitere Erträge der Banken erodieren.

Neben der Beobachtung der Entwicklung im Nutzungsverhalten der eigenen Kunden sollten Banken weitere Aktivitäten prüfen. Unsere (nicht vollständigen) Ideen:

  1. Soweit noch nicht geschehen, Einbindung des AZV ins Onlinebanking und in die eigenen Apps
  2. Anpassung der Gebührenmodelle, insbesondere für einfache Zahlungsangebote wie die relativ standardisierten Überweisungen z.B. nach Großbritannien oder andere europäische bzw. westliche Länder.
  3. Überlegung, ob Kooperationen mit den neuen Anbietern sinnvoll sein können, um Kunden einen günstigen und einfach zu bedienenden Auslandszahlungsverkehr anzubieten. Dies auch vor dem Hintergrund, dass Banken die Entwicklung sicher nicht aufhalten können. Aber mit einem passenden Profit-Sharing Modell könnten Banken weiterhin (teilweise) an den Erträgen aus dem Geschäft partizipieren. Zudem ließen sich bei einer teilweisen Verlagerung der Standard-Dienstleistungen Einsparungen erzielen.

Erste Banken, wie N26, bieten bereits die Dienstleistungen von TransferWise auf ihrer Plattform an. Damit bieten sich diesen Banken zwei Chancen, sie bieten ihren Kunden eine moderne und zeitgemäße Dienstleistung an und müssen zweitens nicht die aufwendigen Anforderungen für den Auslandszahlungsverkehr alleine umsetzen, sondern können auf Drittdienstleister zurückgreifen.

„Bankenvielfalt im Spannungsverhältnis von Innovation und Wirtschaftlichkeit“

„Bankenvielfalt im Spannungsverhältnis von Innovation und Wirtschaftlichkeit“

POSTED ON 06. November 2018 BY JAN BRINGEZU

Kontinuierlicher Rückgang der Anzahl deutscher Banken und Sparkassen.

Per Ende 2017 gab es lt. Deutscher Bundesbank in Deutschland 1.823 Kreditinstitute (Banken und Sparkassen); gegenüber dem Jahr 2007 ist dies ein Rückgang von knapp 20 Prozent.

Allein seit 2015 hat sich die Anzahl der Sparkassen nach Angaben des Sparkassenverbandes um 28 Institute auf 385 (Stand Mai 2018) reduziert. In der genossenschaftlichen Finanzgruppe hat sich die Anzahl der Institute im gleichen Zeitraum sogar um 106 Banken reduziert, auf jetzt 915. Der Bundesverband BVR rechnet mit weiteren Fusionen, jedoch in diesem Jahr auf niedrigerem Niveau als z.B. in 2017 mit einem Rückgang der Institutsanzahl um insgesamt 57

So steigt z.B. seit einigen Jahren die Zahl der Fusionen im Bereich der Sparkassen deutlich an. Die Treiber sind natürlich die Digitalisierung, aber auch die zunehmende Regulatorik im Finanzumfeld sowie die demografische Entwicklung. Bemerkenswert ist, dass die Gesamtzahl der Sparkassen von 594 Instituten im Jahr 1998 auf 390 zum 31. Dezember 2017 zurückgegangen ist – ohne dass ein Institut geschlossen wurde.

Die Zahlen der Vergangenheit sprechen demnach eine deutliche Sprache; verstärkt wird dies zudem durch die laufende Reduktion der Filialen in Deutschland. Nun ist dies zum einen ebenfalls eine Reaktion auf den digitalen Wandel und das sich hieraus ergebende immer weniger ausgeprägte Erfordernis der Filiale als Informations- und Vertriebskanal. Die digitalen Angebote der Banken und Sparkassen (oder alternative Marktplätze wie Interhyp, Finanzcheck oder Zinspilot) werden immer stärker zum primären „Banking-Kanal“. Zum anderen sei Deutschland, wie man seit Jahren immer wieder liest, overbanked. Meines Erachtens gilt dies v.a. institutsübergreifend insbesondere für die Anzahl der Filialen (ok, immer weniger in ländlichen Regionen…). Nach wie vor ist es nicht ungewöhnlich, dass in einer Straße einer deutschen Großstadt drei Filialen eines Instituts anzufinden sind.

Wie geht es weiter?
Wie wird sich der Trend in der Zukunft gestalten? Wird es zu einer Weiterentwicklung kommen oder wird sich das „Bankensterben“ fortsetzen? Hierzu am Rande: keine Sparkasse oder Genossenschaftsbank ist bisher gestorben; es kam nur zu Fusionen innerhalb der jeweiligen Bankengruppe. Und an den letzten Tod einer relevanten Privatbank können sich nur die wenigsten erinnern – seit 2001 musste die Einlagensicherung für 10 insolvente Banken aufkommen, die letzte war im Februar 2018 die Dero Bank.

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman malt die Zukunft deutscher Kreditinstitute in ganz schwarzen Farben; so geht man dort davon aus, dass aufgrund der zunehmenden Bedeutung von FinTechs und den großen IT-Konzernen wie Google, Apple, Amazon und Facebook die Anzahl der deutschen Banken im Jahr 2030 auf bis zu 150 sinken könnte.

Es gab zu der Prognose der Kollegen intensive Diskussionen (nicht nur) in den sozialen Medien und man kann von dem reißerischen Aufmacher halten was man möchte, aber alle sind uneingeschränkt der Auffassung, dass die Anzahl der Banken weiter zurückgehen wird. Uneins sind sich die Experten jedoch ob der Konsequenzen einer immer weiter zurückgehenden Diversifikation der deutschen Bankenlandschaft. Und zudem sollte die Frage erlaubt sein, ob eine Fusion zweier (oder ggf. mehrerer) Institute die grundlegenden Probleme löst, die diese Institute überhaupt erst in Fusionsüberlegungen getrieben haben.

Aktuell wird heiß diskutiert und in Teilen von Politik, Wirtschaft und Medien gar gefordert, dass es zu einer Fusion zwischen Commerzbank und Deutscher Bank kommen solle. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt sich demnach mehr denn je. Dieser Frage wird im Folgenden mit Hilfe einiger (ja, auch provokanter …) Thesen nachgegangen.

Löst eine Fusion (oder eine Übernahme) grundlegende Probleme deutscher Banken bzw. welche Probleme löst eine Fusion aus?

These I: Fusionen rechnen sich nicht
Es gibt Beispiele, in denen sich Übernahmen einer Bank durch eine andere lohnen (oder in denen geplant ist, dass es sich rechnet …). Als aktuelles Beispiel sei hier die Übernahme der in Abwicklung befindlichen Düsselhyp durch die Aareal Bank genannt. Aber dieses Beispiel ist nicht wirklich geeignet, da Aareal kein strategisches Interesse an Düsselhyp hat, sondern nur positive Einmaleffekte im Rahmen der Abwicklung nutzen möchte.

In der Realität sieht es bei echten Fusionen bzw. Übernahmen jedoch anders aus. Man halte sich nur die noch andauernden Versuche der Schaffung einer einheitlichen IT Plattform bei der Deutschen Bank vor Augen; die Postbank läuft immer noch in weiten Teilen für sich, das Projekt Magellan, das die Basis für eine einheitliche Plattform schaffen sollte, wurde von der Bank gestoppt.

Die Schaffung einheitlicher IT Systeme ist immer mit dem Wechsel von IT Systemen und der Erfordernis von Prozessanpassungen und Datenmigrationen verbunden. Der Grund des Wechsels des Kernbankensystems der apoBank (von Fiducia GAD zu avaloq) liegt hier zwar nicht in einer Fusion, die geschätzten Kosten („niedriger dreistelliger Millionenbereich“) können aber als Benchmark für die IT-Konsolidierung eines zu fusionierenden Institutes dienen. Weitere Beispiele muss man nicht lang suchen und finden sich in allen Sektoren der deutschen Bankenlandschaft.

Wenn man nun über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank nachdenkt, dann kann sich eine Fusion nur mit einer einheitlichen IT Plattform rechnen. Und hier weisen beide Häuser einzeln betrachtet bereits keine einheitliche Infrastruktur auf. Vielmehr würden sich in einem fusionierten Institut dann Komponenten der Deutschen Bank, der Commerzbank, der Postbank, der ehem. Dresdner Bank und weiterer Tochterinstitute beider Häuser wiederfinden. … Man könnte diese Liste erweitern, u.a. um den Sachverhalt, dass die Commerzbank das Wertpapiergeschäft demnächst bei HSBC abwickeln lässt und den Zahlungsverkehr bei equens, die Deutsche Bank hier aber einen anderen Weg geht.

Es fällt schwer sich ein Szenario auszumalen, in dem sich eine solche Mammutaufgabe jemals rechnen könnte. Zumal der herbeigesehnte (zumindest) europäische Champion viele Jahre erst einmal nahezu ausschließlich mit sich selbst beschäftigt wäre. Ein passender Übergang zur …

These II: Fusionen sind Innovationskiller
Innovationen haben während eines Fusionsprojektes einen schweren Stand, da die Sicherstellung der gesteckten Ziele (Vereinheitlichung und Verschlankung) neben der Sicherstellung des Tagesgeschäftes die höchste Priorität genießen. Innovationen (in den Augen immer noch sehr vieler Banker nur Wetten auf künftige Erträge) kommen da zu kurz, und werden in solchen Phasen immer wieder “on hold” gestellt, was häufig nichts anderes als deren Einstellung bedeutet.

Und auch nach Vollzug einer Fusion wird es nicht zwingend besser. Es gibt Stimmen (u.a. die bekannter „Influencer“), die eine umfassende Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft herbeisehnen, in der die dann nur noch wenigen Banken ganz viel Zeit, Geld und Muße hätten, sich endlich der Schaffung innovativer Lösungen für ihre Kunden hinzugeben.

Ich halte dies für einen Irrglauben; Wettbewerb ist ein Innovationstreiber. Sind Marktanteile erst unter wenigen Anbietern verteilt, werden Banken in ihren Angeboten immer vergleichbarer. Zudem besteht aus Gründen der Bequemlichkeit immer weniger die Erfordernis, mit innovativen Ideen neue Kunden für sich zu gewinnen. Beleg hierfür ist, dass innovative Ideen in den letzten Jahren aus dem vielfältigen FinTech Umfeld kamen und weniger (oder überhaupt nicht?) aus etablierten Banken.

Die immer wieder genannten Vergleiche mit Ländern, in denen eine eingeschränktere Bankenvielfalt besteht, hinken. Eine BBVA oder eine ING sind nicht deswegen innovativ, weil es in ihren Märkten weniger Banken gibt, sondern weil die Strukturen und die reduzierte Bedeutung der (Verbands)-„Politik“ es ermöglichen (und die unternehmerische DNA es ihnen vorgibt).

These III: Fusionen entziehen Lokalbanken ihre regionale Verwurzelung
Regional geprägte Institute, und dies sind inbesondere (aber nicht nur) Genossen-schaftsbanken und Sparkassen, definieren sich vor allem über ihre Verbindung mit (den Menschen und Institutionen) ihrer Region. Dies zeigt sich in dem gesellschaftlichen Engagement (z.B. der Unterstützung sportlicher und kultureller Einrichtungen oder der Versorgung auch strukturschwacher Regionen) dieser Häuser und in der generationsübergreifenden Treue der Kunden zu ihren Banken.

Aber was macht die seit einigen Jahren in der Region zunehmende Fusionswelle von Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken mit den Menschen? Auf einmal haben die Menschen in Flensburg und Nordfriesland eine gemeinsame Sparkasse und die Kunden der Volksbanken in Frankfurt, Griesheim und Maingau ein neues großes gemeinsames Institut. Bleibt nach solchen Zusammenschlüssen noch Platz für eine regionale Verwurzelung? Dies läuft nicht immer geräuschlos ab; so gibt es zum Beispiel eine Petition zur Rückabwicklung der Fusion der Sparkassen Schweinfurt und Ostunterfranken. Die Integrität vieler Häuser ist durch die Verwässerung des Regionalprinzipes nicht mehr gewährleistet.

Diese Thesen sollen nicht dazu dienen, Fusionen unter Banken als sinnfrei darzustellen, da es sehr gute Gründe für diese geben kann. Fusionen können der Bankenrettung und damit der volkswirtschaftlichen Stabilität dienen. Fusionen können auch strategisch Sinn machen. Es gibt jedoch keine Automatismen, dass sich Fusionen oder Übernahmen immer lohnen; aus zwei Schwachen wird kein Starker. Die Schwächen der einzelnen Partner (z.B. IT-Legacy, fehlende Innovationskraft, kein zukunftsfestes Geschäftsmodell) werden dann nur fusioniert und ggf. noch vergrößert.

Ein Plädoyer
Dieser Beitrag soll ein Plädoyer für die Aufrechterhaltung der Vielfalt am deutschen Bankenmarkt sein. Auch weiterhin wäre es wünschenswert, große und kleine sowie regionale und internationale Banken zu haben. Traditionelle Institute und Challengerbanken, Multikanal und mobile only, Investmentbanking und nachhaltiges Banking …alles sollte auch in Zukunft typisch für unsere Banken sein!

„PSD2 – Ein Wettlauf gegen die Zeit?“

PSD2 Richtlinie

„PSD2 – Ein Wettlauf gegen die Zeit?“

POSTED ON 28. August 2018 BY JANA SCHNEIDER

Was Banken jetzt für die fristgerechte Umsetzung beachten müssen.

Am 13. Januar 2018 ist die PSD2 in Kraft getreten und ist seitdem geltendes Recht. Doch von Entspannung kann bei den Banken in Europa keine Rede sein, denn noch gibt es einiges zu tun. Für die von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) herausgegebenen regulatorischen Standards zur starken Kundenauthentifizierung und gemeinsamen und sicheren Kommunikation, kurz RTS, haben die Finanzinstitute 18 Monate Zeit zur Umsetzung. Das klingt erst mal nach massig Zeit, aber der erste Eindruck täuscht.

Kernelement der RTS ist die Forderung nach einer Schnittstelle zur Anbindung von Dritten Zahlungsdienstleistern, zu denen Zahlungsauslösedienste (ZAD), Kontoinformationsdienste (KID) und Zahlungsdienstleister, die kartengebundene Zahlungsmittel ausstellen, gehören. Wenn man den Dritten Zahlungsdienstleistern, auch TPP (Third Party Provider) genannt, den Zugriff auf die Kundenkonten nicht über das normale Online-Banking geben möchte, so muss man eine dedizierte Schnittstelle für den Zugriff bauen.

So weit so gut. Doch die Herausforderung liegt nicht unbedingt in der Implementierung an sich, sondern vor allem in dem recht ambitionierten Zeitplan der EBA. Umsetzungstermin für die RTS und der damit verbundenen Schnittstelle ist der 14. September 2019, 18 Monate nachdem die RTS im EU-Amtsblatt veröffentlicht wurden. Zumindest dachte man das immer…

Aber der erste Termin, auf den die Zahlungsinstitute hinarbeiten müssen, ist der 14. März 2019, bereits ein halbes Jahr früher! Die kontoführenden Zahlungsinstitute müssen den TPPs sechs Monate vor Go Live eine Testumgebung einschließlich Support zur Verfügung stellen. Denn das Ganze soll ja ordentlich getestet sein und einwandfrei funktionieren. Die FinTechs konnten sich in Vorgesprächen zu den RTS bei der EBA mit ihrer Forderung durchsetzen, dass die neue PSD2-Schnittstelle die gleiche Performance und Verfügbarkeit wie bei den bestehenden Kundeninterfaces (z.B. beim Online-Banking) aufweisen muss – Stichwort Diskriminierungsverbot.

Doch das ist noch nicht alles. Wenn die Banken denken, dass sie zumindest für die Fertigstellung ihrer Schnittstelle im Live-Betrieb und für alle damit verbundenen organisatorischen Maßnahmen noch bis September 2019 Zeit haben, könnte in den nächsten Wochen das böse Erwachen kommen. Noch hat die BaFin kein konkretes Datum kommuniziert, aber wenn eine Bank die Ausnahmegenehmigung von der Einrichtung eines Fallback-Zugangs bei Nichtverfügbarkeit der eigentlichen Schnittstelle erhalten möchte, dann sollte sie unserer Meinung nach lieber ein Go Live spätestens am 14. Juni 2019 ins Auge fassen. Das Datum ist bei den Behörden schon an der ein oder anderen Stelle mündlich genannt worden. Denn eine der vier Voraussetzungen dafür, kein Fallback-Szenario bereit halten zu müssen, ist der Nachweis von mindestens drei Monaten Nutzung der Schnittstelle im breiten Umfang durch die TPPs, und zwar im Live-Betrieb. Somit landet man bereits im nächsten Jahr Juni als Meilenstein für die Bereitstellung der Schnittstelle; Banken und FinTechs bleiben dem zufolge nur noch 10 Monate Zeit für die Umsetzung der Anforderungen. Ob das schon jedem am Markt bewusst ist? Unser Gefühl sagt uns, dass nicht allen Instituten der Ernst der Lage klar ist.

Und was ist die Konsequenz, wenn die Schnittstelle zwar pünktlich live ist, aber kein TPP die Schnittstelle während der drei Monate nutzt? Das kann zumindest den kleineren Häusern passieren. Auch dafür hat die EBA bereits eine Antwort parat. In dem Fall muss das Institut nachweisen, dass es alles in seiner Macht Stehende getan hat, die Verfügbarkeit der Schnittstelle nach außen hin zu kommunizieren, regelrecht zu bewerben. So zum Beispiel durch eine entsprechende Publikation auf der Homepage, via Social-Media-Kanälen oder in einem anderen geeigneten Netzwerk. Lassen wir uns also überraschen, wie das später in der Praxis aussieht.

Neben dem knappen Zeitplan gibt es noch einige weitere Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Ein brisantes Thema sind beispielsweise die möglichen Geschäftsvorfälle, die ein ZAD für den Kunden über die Schnittstelle auslösen darf. Die Meinung der DK und unter den Verbänden und Instituten war bislang, dass Daueraufträge und Terminüberweisungen nicht unter die PSD2 fallen. Die EBA sieht das ganz anders und hat in ihrer Opinion zur RTS am 13.06.2018 klargestellt, dass ein ZAD genau die gleichen Zahlungen auslösen darf wie der Kunde selber. Nach neusten Informationen, die anscheinend auf einem Austausch der DK-Verbände mit der BaFin zur Umsetzung der RTS Ende Juli beruhen, wird die BaFin der Meinung der EBA folgen und Institute sollten demnach auch Daueraufträge und Terminüberweisungen mit in ihrem Scope aufnehmen, sofern nicht bereits geschehen. Abhängig von der Systemlandschaft ist diese Änderung kein leichtes Unterfangen für die Banken. Die gute Nachricht ist jedoch, dass bei den Daueraufträgen nur die Anlage und Löschung eines Auftrags, nicht die Bearbeitung oder das Aussetzen, durch den ZAD ermöglicht werden müssen. Eine Bestandsanzeige gegenüber dem KID ist weder für Daueraufträge noch für Terminüberweisungen notwendig. Auch Lastschriften bleiben weiterhin von der PSD2 unberührt.

In der Opinion wurde neben anderen Punkten auch noch mal klargestellt, dass dem KID der Zugang zu den gleichen Kontoinformationen gewährt werden muss, die auch der Kunde über seine Online-Zugänge sehen kann. Das ist ersteinmal nichts Neues. Doch jetzt sollen diese Informationen auch einem ZAD auf Verlangen zur Verfügung gestellt werden. Nämlich dann, wenn die Bank Batch-Booking im Einsatz hat, was wohl auf den Großteil aller Banken in Deutschland zutrifft, und somit dem ZAD nicht unmittelbar bei Zahlungsauslösung bestätigen kann, dass die Zahlung gebucht wurde. Mit Hilfe der Kontoinformationen sollen die ZADs in die Lage versetzt werden, selber das Risiko eines Zahlungsausfalls einzuschätzen. Doch wie soll das in der Praxis funktionieren? Hat der Zahlungsauslösedienst in dem Vorgang dann die Doppelrolle des ZAD und KID inne? Muss die Bank diesem dann immer Zugriff auf die Kontoinformationen gewähren ohne dass der Kunde eine weitere starke Kundenauthentifizierung durchführen muss? Oder gelten hier die gleichen Anforderungen und die 90-Tage Regelung wie beim klassischen KID?

Es gibt noch einiges an Klärungsbedarf. Wir werden die aktuellen Entwicklungen und Veröffentlichungen seitens EBA, BaFin und DK weiter mit Argusaugen verfolgen und Sie auf dem Laufenden rund um PSD2 halten.

„3D Secure 2.0 – Facelift oder Quantensprung?“

„3D Secure 2.0 – Facelift oder Quantensprung?“

POSTED ON 13. Juli 2018 BY RALF HESSE

Die neue Generation der Karteninhaber-Authentifizierung „3D Secure 2.0“
3D Secure wurde (und wird auch noch) oftmals als das magische Wundermittel propagiert, welches das Elend des Zahlungsausfalls auf der Händler-Seite heilen sollte. In den frühen Jahren dieses Jahrtausends von VISA ins Leben gerufen und als besagtes Wundermittel prominent platziert, zeigten sich allerdings alsbald die Kinderkrankheiten – an erster Stelle die Probleme mit der „Conversion Rate“ bei den 3D nutzenden Händlern. Der Einsatz von 3D Secure verursachte ungewollte Zahlungsabbrüche durch die Karteninhaber und minderte somit den Umsatz der betroffenen Händler. Die Conversion Rate beschreibt dabei das Verhältnis der Besucher einer Online-Shops auf Basis von Klicks zu den erzielten Conversions, also der Umwandlung von Interessenten in Käufer.

Die Problematik, einerseits das Zahlungsausfallrisiko durch Chargebacks minimieren zu wollen aber gleichzeitig maximal potentiellen Umsatz bei den teilnehmenden Händlern zu ermöglichen, lies sich also nicht in der genutzten Variante des 3D-Verfahrens (Version 1.0) lösen. Als dann noch die Europäischen Zahlungsaufseher mit der PSD2 die starke Kundenauthentifizierung für einen Großteil des bekannten Karten-Zahlungsverkehrs in Europa forderten, hatte man ein Erbarmen mit den Händlern. Die großen Kreditkartenorganisationen (Visa, MasterCard, AmericanExpress und JCB) formierten sich und definierten innerhalb des Gemeinschaftsunternehmens „EMVCo“, welches sich heute maßgeblich um die EMV Standards kümmert, einen neuen Authentifizierungsstandard „3D Secure 2.0“. Dieser sollte aus dem einstigen Wundermittel ein Heilmittel machen, welches flächendeckend die Leiden der Händler eliminieren sollte und gleichzeitig regulatorischen Anforderungen genügen musste.

3D Secure 2.0 ist aber auch die Antwort der Kartenorganisationen auf die Vorgaben der starken Kundenauthentifizierung (der PSD2), die ja bereits zum September 2019 umzusetzen ist. Mit der neuen Spezifikation ist weiterhin gewährleistet, dass die internationalen Schemes einen einheitlichen Standard für Konsumenten, Händler, Issuer und Acquirer anbieten.

Im Oktober 2016 war es dann soweit und die Spezifikation des neuen Standards wurde durch EMVCo veröffentlicht. Betrachtet man die operativen Schritte des neuen Verfahrens aus der Helikopterperspektive, so lassen sich gravierende Veränderungen im Vergleich zum alten Verfahren nicht direkt erkennen. Der Teufel liegt aber wie immer im Detail. Und genau diese Details lassen Hoffnung aufkommen, dass man mit der Version 2.0 tatsächlich ein Heilmittel gefunden haben könnte. Das neue Verfahren hat verschiedene Prozessschritte auf neue (oder zumindest modifiziert wirkende) Rollen definiert. Die klassische, wohl bekannteste Rolle aus Sicht der Händler war im alten Verfahren die Rolle des Merchant Plug-In-Betreibers (MPI). Diese wird in der neuen Spezifikation explizit nicht mehr genutzt. Es bleibt also abzuwarten, wie die heutigen MPI-Betreiber zukünftig mit einer technischen Lösung im 3D Secure 2.0 Verfahren operieren werden (z.B. als technischer Dienstleister eines „3DS Servers“).

Außerdem haben die Produktverantwortlichen bei der EMVCo eine neue Ingredienz beigemischt, die den Zahlungsabbruch im alten 3D Verfahren mindern – ja, wenn nicht sogar abstellen könnte. Der sog. „Frictionless Flow“ erlaubt nämlich im neuen Verfahren eine Authentifizierung ohne zusätzliche Interaktion mit der zu authentifizierenden Person.

Nachdem dann mit dem Herbst-Release 2017 auch die Reglements der beiden größten Kreditkartenorganisationen (VISA und MasterCard) in Bezug auf das neue 3D Secure 2.0 Verfahren adaptiert wurden, gilt es nun, die Umsetzung von 3D Secure 2.0 in den (z.T. neuen) operativen Instanzen voranzutreiben.

Um aber das neue Verfahren nutzen zu können, muss jede teilnehmende Instanz technische Änderungen in ihren Systemen vornehmen, da das Prozedere im Vergleich zur alten Authentifizierung einige Veränderungen mit sich bringt.

Spätestens aber zum 01.01.2020 sollen nach dem jetzigen Plan der MasterCard alle Authentifizierungen nur noch nach dem 3D Secure 2.0 Verfahren durchgeführt werden. Die Visa hat aber schon ihren für April 2018 geplanten Rollout (nur durch Händler initiierte Authentifizierungen) auf den April 2019 verschoben. Der Zeitplan scheint also offensichtlich sehr ambitioniert geplant und wird dann durch die Realität bestätigt werden müssen.

Entscheidend für den Erfolg ist aber die zukünftige Nutzung des Verfahrens durch die E-Commerce Gemeinde – sprich, das Transaktionsaufkommen mittels 3D Secure 2.0 authentifizierter Zahlungsvorgänge. Setzt man also voraus, dass das „3D Secure Räderwerk“ (bestehend aus Access Control Server und Directory Server) durch die operativen Vorgaben und Deadlines der Kreditkartenorganisationen implementiert wird (bzw. werden muss), so bleibt – genau wie im alten Verfahren – der Händler das Zünglein an der Waage des Erfolgs dieser Neuerung. Und genau diese kennen ja die Kinderkrankheiten des alten „Wundermittels“ aus eigener, schmerzlicher Erfahrung und dürften daher ein eher gemäßigtes Interesse an einer (aus deren Sicht ihnen aufgedrängten) Renovierung zeigen.

Der Acquirer als haftende Instanz im 4-Parteien Modell muss zwangsläufig ein immenses Interesse am Einsatz des neuen Verfahrens haben, denn nur über diesen Weg kann er sich flächendeckend von der Haftung im Falle eines Chargeback Fall mittels einer Haftungsumkehr („Liability-shift“) in Richtung der Issuer entledigen. Damit also der Acquirer das neue Verfahren bei den ihm angeschlossenen Händlern effektiv zum Einsatz bringen kann, muss das Problem der „Conversion Rate“ behoben werden. Das wiederum kann per Definition im neuen Verfahren nur dann eliminiert werden, wenn der Großteil der authentifizierten Transaktionen über den neu definierten „Frictionless Flow“ abgearbeitet wird, in welchem eine zusätzliche Sicherheitsabfrage im Authentifizierungsvorgang beim Karteninhaber überflüssig wird. Dieser „Frictionless Flow“ bedingt allerdings, dass der Händler ausreichend viel Informationen über den Karteninhaber und die zu autorisierende Transaktion im Authentifizierungsvorgang an den Issuer leitet, der dann „wohlwollend“ auf Basis eigener Risikobewertungen dieser Authentifizierung ohne weitere Nachfrage beim Karteninhaber zustimmt.

Es besteht also durchaus Unklarheit darüber, zu welchem Prozentanteil am Ende des Tages eine Authentifizierung im „Frictionless Flow“ abgearbeitet wird. Und genau an dieser Stelle lassen bislang die Kreditkartenorganisationen ihre Acquirer im Regen stehen, da sie einerseits keine bindenden Vorgaben an die Issuer hinsichtlich der Risiko-Bewertung im eigenen Haus machen, andererseits den Acquirern aber auch keinerlei Förderung zum Einsatz des neuen Verfahrens beisteuern.

Operativ betrachtet bringt 3D Secure 2.0 viele neue Features mit sich und ist auch aus regulatorischen Aspekten bestens gerüstet. Den Status eines „Facelifts“ dieses Tools kann man also unbedenklich attestieren. Soll 3D Secure 2.0 aber einen „Quantensprung der Authentifizierung“ auslösen – und das Potenzial dazu ist durch die neue Spezifikation gegeben –, so bedarf es weiterführender Definitionen oder aber auch Restriktionen, um die alte Kinderkrankheit der „Conversion Rate“ für immer loszuwerden.

„Banking is necessary, Banks are not“

„Banking is necessary, Banks are not“

POSTED ON 02. Mai 2018 BY DENNIS JÄGER

Das Zitat „Banking is necessary, Banks are not“ bietet ein gutes Entre, wenn es um die Zukunftsgestaltung von Banken geht und ist daher fester Bestandteil von PowerPoint-Slides, die vor der Führungsebene in Banken und Sparkassen gehalten werden. Es lässt sich in diversen Artikeln und Magazinen wiederfinden und wird häufig im Zusammenhang mit der Disruption im Finanzsektor genannt. Die Worte stammen von Bill Gates und wurden vom selbigen bereits 1994 kundgetan. Zu der Zeit befand ich mich in der vierten Klasse und war schlicht über die Einfachheit des Bankensystems verblüfft. Wenn man Geld brauchte, ging …

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„Die Zukunft im Bereich Banking & Payment“

„Die Zukunft im Bereich Banking & Payment“

POSTED ON 07. MAI 2018 BY HENRIK BÜTTGEN, DENNIS JÄGER, JANA SCHNEIDER

Trends kommen und gehen – das gilt auch für den Zahlungsverkehr. Innovationstreiber sind dabei häufig technologischer Fortschritt, Regulatorik, Kosten und der Kunde. Doch wie sehen aktuelle Entwicklungen und Forschungen in diesem Bereich aus? Eine OSTHAVEN-Perspektive auf die Zukunft im Bereich Banking und Payment.

Hand aufs Herz, wie viele unterschiedliche Passwörter benutzen Sie für Ihre alltäglichen Geschäfte tatsächlich? Studien haben ergeben, dass es für User ein typisches Verhalten ist, bei vielen Devices, Internetportalen oder sogar beim Online-Banking, auf ein und dasselbe Passwort zurückzugreifen. Das menschliche Gehirn mag es einfach und ist faul. Da liegt der Name des Hundes der Großmutter in Verbindung mit der eigenen Festnetz-Rufnummer als Passwort nahe. Das Risiko bei Fehlverwendung dieses Passwortes ist damit allerdings sehr hoch. Ein großer Trend setzt genau an dieser Stelle an und sucht mit Hilfe neuer Technologien nach Möglichkeiten, die biologische Einzigartigkeit von Menschen zu messen bzw. zu identifizieren und hierdurch eine sichere Wiedererkennung zu ermöglichen.

Die Wissenschaft dahinter ist die Biometrie. Erste Lösungen haben sich längst im Alltagsleben verbreitet. Das Entsperren des Smartphones via Fingerabdruck macht seit Jahren die Eingabe eines Codes oder eines Passwortes überflüssig. Mittlerweile werden ganze Bezahlvorgänge mittels Fingerabdruck ausgelöst. Apple hat in dem Verfahren der Touch ID eine Fehlerquote von 1:50.000 ermittelt (apple.de). Mit Geburt der neuen Generation Smartphones ist inzwischen auch die Gesichtserkennung salonfähig geworden und funktioniert sehr gut. Bei der Face ID soll die Fehlerquote auf den Geräten mit dem Apfel im Logo mit 1:1.000.000 noch deutlich unter der Quote der Touch ID liegen. Das Aussehen von Mund, Nase, Augen und Ohren sowie die individuelle Kopfform und andere Merkmale sind in Kombination unverwechselbar und eignen sich hervorragend zum Authentifizieren.

Neben bereits bei uns im Alltag angelangten Techniken und Verfahren gibt es weitere Möglichkeiten, die früher nach Science-Fiction klangen, heute aber mitten in der Realität angekommen sind. Auf der Suche nach unverwechselbaren biometrischen Merkmalen eines Menschen ist die Stimme eines Menschen so einzigartig wie sein Aussehen. Die Barclays Bank hat diesen Umstand für sich erkannt. Kunden können sich mittels einen Voice-Scan registrieren. Sobald die Stimme eines Kunden dann im Call-Center zu hören ist, wird dieser anhand von zahlreichen Stimmmerkmalen automatisch identifiziert. Das Verfahren der Stimmenidentifizierung zahlt auf einen weiteren Trend im Umfeld des Payment und Banking ein. Die Rede ist vom „Voice Banking“. Seit Amazons Alexa, Apples Siri und andere digitale Assistenzsysteme sich in den Wohnzimmern ausbreiten und viele Dinge des Alltags vereinfachen, ist der Wunsch der Kunden da, auch das Girokonto per Stimme zu verwalten und Zahlungen quasi per Zunge auszuführen.

Die Zahlung per „Handauflegen“ ist ebenfalls keine Utopie mehr. Ein weiteres Verfahren, das bei Zahlvorgängen einsetzbar ist, ist der sog. Venenscan. Kunden der britischen Supermarktkette Costcutter können ihre Einkäufe mit diesem neuen biometrischen Verfahren bezahlen. Dabei wird das Venenmuster ihrer Finger gescannt und mit den Bankdaten verbunden. An der Supermarktkasse werden die hinterlegten Daten dann mit den Scandaten verglichen. Der Kunde bezahlt tatsächlich per „Handauflegen“.

OSTHAVEN ist davon überzeugt, dass das Thema Biometrie im Banking und Zahlungsverkehr deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Vor allem die neuen Authentifizierungsmethoden bestechen durch ihren hohen Sicherheitsfaktor und überzeugen im Alltag durch Praktikabilität.

Als weiterer Trend im Payment und Banking ist die Künstliche Intelligenz (KI) zu nennen. Dies wird von vielen als die „neue industrielle Revolution“ bezeichnet. KI macht auch vor dem Finanzbereich nicht halt. Da sich bei Banken vieles um Dienstleistungen dreht, nicht um ein physisches Produkt, und Personal ein erheblicher Kostenfaktor ist, liegt es nahe, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Prozesse stärker zu automatisieren. So hat in den letzten Jahren im direkten Kundenkontakt der Service per Chatbot bei vielen Häusern Einzug gehalten. Mit Hilfe einer guten KI-Lösung kann der Großteil der Kundenanfragen rund um die Uhr direkt beantworten werden, und das ohne menschliche Interaktion. Für Banken liegt hierin ein enormes Sparpotenzial und mehr Möglichkeiten zur Steigerung der Zufriedenheit auf Kundenseite. Aber nicht nur in der Kundenschnittstelle kommt KI zum Einsatz, sondern auch bei der Umsatzanalyse. KI in Kombination mit Big Data ermöglicht es dem Kunden, seine Daten in Sekundenschnelle analysieren und auswerten zu lassen.

Darüber hinaus sehen wir mögliche Anwendungen von KI in der Betrugsprävention oder bei der individuellen Produktempfehlung basierend auf der umfassenden Analyse der finanziellen Lage der Kunden. Gerade in der Finanzbranche ergibt sich ein großes Anwendungsspektrum. Es ist offensichtlich, dass es viele parallele technische Entwicklungen in allen Lebensbereichen des Menschen gibt. Der potentielle Nutzen und die theoretischen Anwendungsmöglichkeiten scheinen dabei unbegrenzt zu sein. Neben einzelnen Innovationen und dem Einsatz unterschiedlicher Devices im Alltag der User, wird in Zukunft vor allem die Vernetzung dieser verschiedenen Technologien untereinander an Bedeutung gewinnen.

Das Internet of Things beschreibt den rasanten Anstieg von mit dem Internet verbundenen, intelligenten Geräten. Die Vernetzung physischer und virtueller Gegenstände miteinander steht dabei im Vordergrund. Im Zielbild sollen diese Gegenstände durch Informations- und Kommunikationstechniken nahtlos zusammenarbeiten. Für den Zahlungsverkehr wird es hier in Zukunft vollkommen neue Anwendungsfälle geben. Man stelle sich vor, dass jedes vernetzte Gerät für Geldtransaktionen verwendet werden kann und somit zu einem eigenen, individuellen Point of Sale wird. Denkbar ist, dass Parkhausund Mautgebühren sowie Tankstellenrechnung kontaktlos mittels „Connected Car“ beglichen werden. Der Fahrer kann bequem im Auto bleiben und erspart sich den Gang zur Kasse oder zum Ticketautomaten. Was passiert in diesem Fall mit den Umsätzen im TankstellenShop? Die Automobilhersteller gehen aber noch einen Schritt weiter und verändern ihr Geschäftsmodell, in dem Sonderaustattungen, Zubehör und digitale Services im vernetzten Auto als „Pay-as-you-go“ Services angeboten werden. Die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten für die Automobilhersteller sind enorm aber auch die Vorteile durch die Kostenreduzierungen und Effizienzsteiegerungen in der Produktion.

Die Unternehmensberatung OSTHAVEN sieht die gestiegenen Kundenanforderungen an eine möglichst sichere aber geräuschlose Authentifizierung als Chance bankeigene digitale Zahlungsverkehrslösungen voranzutreiben. Im Umfeld neuer technischer Entwicklungen wie der KI und regulatorischer Rahmenbedingungen wie der PSD II, die zum Design neuer Produkte ermuntert, können bei traditionellen Playern am Markt innovative Kräfte freigesetzt werden. Allen Ansätzen gemein ist aber die Tatsache, dass der „Kunde“ und seine Bedürfnisse nach Einfachheit im Fokus des Interesses bleibt und Treiber oder Hindernis für mögliche Entwicklungen ist.

„Optionen zur PSD2 Umsetzung“

„Optionen zur PSD2 Umsetzung“

POSTED ON 04. Mai 2018 BY JAN CLAAS BRINGEZU

Obwohl in Kraft seit Januar dieses Jahres, wird die PSD2 in den Augen vieler so richtig relevant und komplex erst mit dem finalen Inkrafttreten der RTS (Regulatory Technical Standards / Technische Regulierungsstandards zur PSD2) am 14. September 2019. In den RTS wird, zusätzlich zur Strong Customer Authentification (dies ist einen separaten Beitrag wert…), vor allem, allerdings nicht nur, die regulatorische Basis für die viel und zum Teil heiß diskutierten durch die PSD2 neu geschaffenen Services „Payment Initiation Service“ (PIS) und „Account Information Service“ (AIS) gelegt. PIS steht dabei für einen Zahlungsauslösedienst, wie ihn derzeit z.B. Klarna mit SOFORT bereits anbietet. AIS meint einen Kontoinformationsdienst, wie es ihn derzeit bereits z.B. im Rahmen des MultibankingAngebotes der Deutschen Bank gibt.

An den Beispielen erkennt man bereits, dass die PSD2 keine neuen, revolutionären Services ermöglicht, sondern zum Einen bisherige Aktivitäten reguliert (mit der Konsequenz, dass in diesem Bereich tätige Unternehmen nun eine aufsichtsrechtliche Lizenz benötigen) und zum Anderen die Banken verpflichtet, nach festgelegten Regeln einen Zugang zu den Konten ihrer Kunden bereitzustellen.

Nun ist es richtig, dass aufgrund der PSD2 der Kampf um den Kunden stärker entflammt als bislang schon; neben den etablierten Playern, den Banken und Sparkassen, buhlen immer häufiger auch andere Unternehmen, im PSD2 Kontext sind dies die sog. Third Party Provider (TPP), um die Gunst der Kunden. Anders als gewohnt geht es in diesem Verteilungskampf jedoch nicht um bessere Konditionen bei einzelnen Produkten, sondern es geht um das große Ganze – den Kunden selbst. Wer es schafft, ein überzeugendes Angebot im Sinne der User Experience zu unterbreiten, der wird das Front End des Kunden und somit den Zugang dieses Kunden zu den Banking und Payment Angeboten (egal welcher Bank) darstellen. Und wer das Front End besetzt, der wird am Ende auch die angebotenen Services und Produkte (mit) beeinflussen können und einen entsprechend größeren Anteil an der Wertschöpfung innehaben können.

So zumindest die allgemeingültige Theorie…
Aus dieser ergibt sich, dass es für Banken und Sparkassen nicht hinreichend sein kann, die Vorgaben der PSD2-RTS umzusetzen, um damit „compliant“ zu sein. Vielmehr müssen von diesen entweder Abwehrmechanismen entwickelt werden, um möglichst wenig durch die TPP beeinträchtigt zu werden, oder es sind Strategien zu entwerfen, wie wann man als Institut von den Regelungen der PSD2 profitieren kann.

Abwehrmechanismen werden nicht funktionieren, da sich Kunden einer Bank oder Sparkasse bereits jetzt nicht einreden lassen, dass SOFORT oder PayPal „böse“ seien. Im Gegenteil, Kundensetzen diese Services fleißig ein, weil in der Nutzung Vorteile im Vergleich zu den Diensten der eigenen Bank liegen.

Also bleibt als sinnvolle Antwort auf die PSD2 ein progressiver Umgang mit dieser und z.B. eine Positionierung des Institutes als zentrale Schnittstelle zum Banking des Kunden und damit auch zu Konten des Kunden bei anderen Banken. Dazu bedarf es auch tatsächlich keines TPP, das kann eine Bank oder Sparkasse auch direkt ihren Kunden anbieten. Die Deutsche Bank z.B. wird sicherlich und konsequenterweise ihr Multibanking-Angebot, welche derzeit nur einen Kontoinformationsdienst darstellt, auch um die Möglichkeit zur Zahlungsauslösung bei anderen Instituten erweitern. Kunden der Deutschen Bank würden damit alle ihre Zahlungsverkehrskonten managen können, ohne sich bei anderen Instituten in das Online Banking einloggen zu müssen.

Konsequenterweise laufen nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa die Beratungsunternehmen zu Ihren (Ziel)Kunden, im übrigen auch wir von der OSTHAVEN Unternehmensberatung, und verbreiten die Botschaft, dass die Häuser sich entsprechend der PSD2 positionieren und Angebote entwerfen müssen, um auch nach dem 14.09.2019 das zentrale Front End des Kunden zum Banking darzustellen und dieses nicht an einen TPP oder eine andere Bank zu verlieren. Die PSD2 stelle ggf. für alle Banken und Sparkassen das Endgame um den Kunden dar.

Für Alle? Nein, an dieser Stelle sind wir ausdrücklich anderer Meinung! Nicht was das Erfordernis angeht, dass alle Banken, die „Zahlungsverkehrskonten“ (hier fehlt dem Markt noch eine eindeutige Definition) unterhalten, zum 14. September 2019 die Vorgaben der RTS umgesetzt haben müssen. Aber wir sind der Meinung, dass nicht für alle Banken die PSD2 eine über Compliance hinausgehende strategische Relevanz besitzt. Unbestritten ist, dass Retailbanken bzw. Banken mit einem hohen Anteil an Retailkunden und einem Schwerpunkt im Girogeschäft massiv von der PSD2 betroffen sein werden, im Gegenzug allerdings auch strategische Vorteile aus dem Regelwerk ziehen können. Neben Retailbanken gibt es noch viele Institute, die aus der Umsetzung der PSD2 keine spontanen Vorteile werden ziehen können bzw. keine unmittelbaren Wettbewerbsnachteile erleben werden. Hierzu zählen wir Banken, die ausschließlich im Firmenkundengeschäft tätig sind. Zahlungsauslösung spielt für diese Kunden kaum eine Rolle und Multibanking ist dank Softwareeinsatz bereits Realität. Auch Banken, deren Schwerpunkt auf Finanzierungs- und Einlageprodukten liegt, können nur mit viel Phantasie Vorteile aus der PSD2 ziehen. Die Beispiele ließen sich fortsetzen…

Klar soll werden, dass die Etablierung von Ökosystemen oder das Zusammenwachsen von Banking und Non-Banking basierend auf dem PSD2 Regelwerk nicht für alle Banken sinnvoll oder erforderlich ist. Auch wir Berater müssen hier mit Augenmaß operieren.